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Interview

Dylan Slocum von Spanish Love Songs: „Wir betrachten uns als Rockband, die ernste Musik spielt.“

Der Gitarrist und Sänger über das neue Album, Genre-Stempel und musikalische Einflüsse.

VON AM 19/02/2020

Nachdem die liebenswerten Emo-Alternative-Überflieger Spanish Love Songs erst Ende letzten Jahres mit Hot Water Music in Deutschland gastierten und riesige Hallen füllten – darunter auch das Palladium in Köln – und am 07. Februar „Brave Faces Everyone“, das dritte Album der Band erschienen ist, haben wir uns diese Ereignisse einmal zum Anlass genommen, mit Sänger und Gitarrist Dylan Slocum über die Platte, das Leben im Tourbus und den Umgang mit persönlichen Erfahrungsberichten als in der Öffentlichkeit stehendem Musiker zu unterhalten.

Dylan Slocum im Interview über Spanish Love Songs

MC | Sebastian S.: Herzlichen Glückwunsch zu eurem aktuellen Album „Brave Faces Everyone„. Nach „Schmaltz“ – was ein erstaunliches Album war und ist – waren die Erwartungen hoch. Tracks wie „Sequels, Remakes & Adaptions“ und „Joana, in Five Acts“ hatten trotz der Grundgeschwindigkeit der Songs so viel Tiefe und Melancholie. Die neuen Singles „Kick“ oder „Losers Pt. 2 ”sind jetzt ähnlich gelagert und ich würde sagen, die Fans sind zufrieden mit dem, worauf sie seit 2018 gewartet haben.

Dylan: Ich danke dir sehr! Wir sind begeistert von den bisherigen Reaktionen.

MC | Sebastian S.: Bitte erzähl‘ uns etwas über eure Geschichte. Wie habt ihr euch alle getroffen? Was war der Grund dafür, mit Dir als Sänger und Gitarrist, dem Gitarristen Kyle McAulay, dem Bassisten Trevor Dietrich, dem Schlagzeuger Ruben Duarte und der Keyboarderin Meredith Van Woert die Band Spanish Love Songs zu gründen?

Dylan: Wir haben uns alle über frühere Bands kennengelernt oder waren Freunde. In den letzten vier Jahren hat sich das Lineup langsam zu dem entwickelt, was es jetzt ist. Ich kann nicht sagen, dass es einen tieferen Grund dafür gibt, dass wir zusammenkommen sind, außer dass wir gerne Musik spielen und das, was wir zusammen geschaffen haben, mögen.

MC | Sebastian S.: Es scheint, dass Spanish Love Songs einfach nicht müde werden. Innerhalb von schätzungsweise 14 Monaten müsst ihr, soweit ich mich erinnern kann, mindestens viermal durch Deutschland gereist sein. Während andere Bands ein Jahr frei nehmen, um eine neue Platte zu schreiben, scheint ihr das auf euren Reisen geschafft zu haben. Habt ihr die neuen Songs an verschiedenen Orten aufgenommen oder wie habt ihr es bewerkstelligt, alle Ideen zusammenzustellen, um die Aufnahmen für die Platte fertigzustellen?

Dylan: Wir lieben es auf jeden Fall zu touren, aber wir haben es geschafft, uns ungefähr vier Monate frei zu nehmen, um das Album zu schreiben und aufzunehmen. Im Juni letzten Jahres nahm ich mir selbst eine Auszeit und fing an, die Demo-Aufnahmen für das Album zu produzieren. Damit reisten wir alle nach Kalifornien, um die Vorproduktion zu machen und das Album final aufzunehmen. Es war das Schnellste, an dem wir je gearbeitet haben, aber es war aufregend, eine Frist und das Gefühl zu haben, dass wir uns diesem Ereignis stellen mussten. Wir konnten nicht langsamer werden, auch wenn wir wollten.

MC | Sebastian S.: Wenn Du in „Beachfront Property“ singst „Every city’s the same. Doom and gloom under different names.“, also dass jede Stadt gleich ist, frage ich mich, ob ihr eine positive und außergewöhnliche Erinnerung an eine Stadt haben, die ihr bereist haben. Oder welche Stadt steht noch auf eurer Bucket-List und warum?

Dylan: Es sind zu viele Erinnerungen, um sie alle zu aufzuzählen. Touren sind für uns normalerweise eine angenehme Erfahrung. Was die Städte der Bucket-List betrifft, steht Tokio wahrscheinlich ganz oben auf der Liste, gefolgt von Mexiko-Stadt.

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„Es IST in Ordnung zu fühlen, was man auch immer in Momenten von Traurigkeit, Verzweiflung oder Glück fühlt.“

MC | Sebastian S.: Auf dem Titeltrack besingst Du „We don’t have to fix everything at once. We were never broken. Life’s just very long.“ und ich versuche den Kern der Aussage zu verstehen. Würdest Du sagen, dass dies‘ bedeutet, dass das Leben einfach eine Zeitleiste persönlicher (unkontrollierbarer) Brüche ist und ihre Chronologie das bildet, was wir „Leben“ nennen?

Dylan: Ich mag es nicht, zu erklären, was Texte direkt bedeuten und überlasse den Leuten ihre eigenen Interpretationen. Aber ich kann sagen, dass die allgemeine Idee hier Empathie ist und zu verstehen, dass es in Ordnung ist, zu fühlen, was man auch immer in Momenten von Traurigkeit, Verzweiflung oder Glück fühlt. Das Leben ist lang. Dinge können sich ändern.

MC | Sebastian S.: Würdet ihr meinen, dass die sehr persönlichen Inhalte, die ihr über die Songs kommuniziert, das Risiko bergen, für die Reaktionen Fremder verletzbar zu sein, oder ist es eher eine selbstkontrollierte Therapie?

Dylan: Es ist alles Verletzbarkeit durch Fremde, aber das ist der Preis für jede Art von Kunst. Viele der Songs sind auch Geschichten, die ich erzähle, egal wie sehr es den Anschein hat, als wäre ich dabeigewesen.

MC | Sebastian S.: Im Hinblick auf die Texte: Manchmal frage ich mich, wie Sänger mit positiven Fortschritten im Leben umgehen und gleichzeitig für das Publikum über schwere Themen aus der Vergangenheit singen müssen. Zum Beispiel frage ich mich gelegentlich, was Mina Caputo (Life of Agony) wohl denken könnte, wenn sie im Alter von 46 Jahren jede Nacht „Lost at 22“ spielt. Ist das eine schwierige Situation oder wie geht ihr mit eurer persönlichen Geschichte in der Öffentlichkeit um?

Dylan: Es gibt eine hierbei eine ziemlich große Unterscheidung für mich, da ich mir nicht jeden Abend Gedanken über den Inhalt der Songs mache. Wir sind im Grunde eine Spanish Love Songs-Coverband, wenn wir live spielen. Also kopiere ich einfach meine Performance, die ich auf dem Album bereits abgeliefert habe.

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MC | Sebastian S.: Dein einzigartiges Tremolo in Deiner Stimme ist eines der Markenzeichen der Band. Ist das natürlich gekommen oder hast Du es zu Ausdruckszwecken entwickelt?

Dylan: So habe ich das Singen gelernt. Ich bin mit Bruce Springsteen, Roy Orbison, Bright Eyes und Meat Loaf aufgewachsen – in der Popmusik steckt viel Vibrato. Ich bin nicht gut genug, um über performatives Flair nachzudenken.

„Wir betrachten uns so ziemlich nur als eine Rockband, die ernste Musik spielt.“

MC | Sebastian S.: Einige Leute betrachten Spanish Love Songs als eine Art Emo-Revival oder die Rettung des Emo. Meiner persönlichen Meinung nach war diese Szene nie tot. Die Medien konzentrierten sich einfach mehr auf harte Musik mit dem kommerziellen Aufstieg von Metalcore und Subgenres von Hardcore wie Beatdown in den frühen 2000ern. Intensive und persönliche Gefühle zu zeigen war einfach nicht angesagt. Wie fühlt es sich an, als Nachkommen von The Get Up Kids, Gameface oder Sunny Day Real Estate betrachtet zu werden, oder würdet ihr euch selbst auch als solche betrachten?

Dylan: Es ist lustig, weil wir intern nicht über diese Labels nachdenken. Wir betrachten uns so ziemlich nur als eine Rockband, die ernste Musik spielt. Das ist die Art von Musik, die ich immer geliebt habe, egal ob Emo, Punk, Country oder Soul.

MC | Sebastian S.: Ihr geht bald mit The Wonder Years in den USA auf Tour und sie haben ein spezielles Showformat angekündigt, bei dem sie zwei Sets pro Nacht spielen – ein akustisches Set und ein elektrisch verstärktes. Ist dies ein Format, das ihr euch eines Tages auch vorstellen können?

Dylan: Ich denke, es ist eine großartige Idee und schätze, wir werden in Zukunft eher die beiden Formate in einem Set mischen. Wir haben noch nicht viele instrumental reduzierte Songs gemacht, aber wir würden es gerne tun.

MC | Sebastian S.: Du wurdest einmal überredet, bei der „Emo Night“ ein paar Coversongs zu spielen und hast neben Dashboard Confessional-Material auch von My Chemical Romance „I’m Not Okay“ gespielt. Sie haben kürzlich ihre Reunion angekündigt und die Ticket-Shops sind weltweit fast zusammengebrochen. Hast du jemals darüber nachgedacht, einen MCR-Song auf der Bühne zu spielen?

Dylan: Nicht ein einziges Mal. Wir lieben My Chem, aber das würden wir nicht tun.

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„Wenn sich Gaslight Anthem jemals wiedervereinigen, wäre das eine traumhafte Chance.“

MC | Sebastian S.: Nachdem ihr kürzlich die Bühnen mit Hot Water Music in Deutschland geteilt habt, auch mit The Menzingers getourt seid, mit denen ihr oft verglichen werdet, und ihr zudem demnächst mit The Wonder Years unterwegs seid (beides fantastische Kombinationen), gibt es eine Band auf deiner Liste aus diesem Genre, mit der du einen Trailer auf Tour teilen möchtest?

Dylan: Ich bin mir nicht sicher. Wir spielen in letzter Zeit wirklich mit einigen der besten Bands und wir haben unglaublich viel Glück. Ich würde sagen, wenn sich Gaslight Anthem jemals wiedervereinigen, wäre das eine traumhafte Chance.

MC | Sebastian S.: Craig Bidiman vom Edupunx-Podcast erwähnte einmal, dass Du, Dylan, im College Baseball spieltest und wegen einer Knieoperation aufgehört hast. Habt ihr als Band Fitness-Routinen auf Tour, um den Körper und Geist auf die Shows vorzubereiten?

Dylan: Viel Stretching und Yoga. Laufen, wenn wir können. Gewichtheben, wenn das Hotel über ein Fitnessstudio verfügt. Aber meistens Dehnen.

MC | Sebastian S.: Bands wie Real Friends zum Beispiel haben Touren aus psychischen Gründen abgesagt, was völlig die richtige Entscheidung ist. Sich auf sein Wohlbefinden zu konzentrieren ist viel wichtiger als das Schlafen in einem Bus weit weg von zu Hause. Eure Alben sind immer vollgepackt mit sehr persönlichen und emotionalen Texten. Ich habe für mich gelernt, dass Konstanz eine wichtige Säule für Menschen ist, die mit Depressionen, Zweifeln und Ängsten zu kämpfen haben. In Anbetracht dessen, dass die Texte größtenteils autobiografisch sind: Wie haltet ihr euer Gleichgewicht, während ihr wochenlang jede Nacht in einer neuen Stadt einschlaft?

Dylan: Touren können absolut anstrengend sein, aber ich vergesse  nie, dass ich mitten in etwas Besonderem bin. Ich denke, das Wichtigste für unsere geistige Gesundheit war, dass wir gelernt haben, mit unserer Zeit egoistischer umzugehen. Oft bedeutet das, Nein zu sagen zum Ausgehen in neuen Städten und auch mal runterzukommen während der Show. Es kommt wirklich darauf an, das alles als Job zu sehen. Aber insgesamt wissen wir, wie viel Glück wir haben, und versuchen, diese positive Einstellung beizubehalten. Eine Show ist ein besonderer Abend für Fans. Selbst wenn ich einen beschissenen Tag habe, möchte ich ihr Erlebnis nicht wirklich ruinieren.

MC | Sebastian S.: Letzte Frage: Was ist euer Lieblingslied im Tourbus, das derzeit allen an Bord gefällt?

Dylan: Wir haben auf dieser Tour noch keine favorisierte Musik im Van ausgewählt, aber ich denke, wir stehen alle sehr auf das  aktuelle Brutus-Album, das unser Tourmanager Greg ständig laufen lässt.

MC | Sebastian S.: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt und alles Glück der Welt für das neue Album und die Zukunft der Band. Wir sehen uns hoffentlich bald in Deutschland wieder.

Dylan: Vielen Dank!

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The lovely @spanishlovesongs just dropped "Kick", the second single of their upcoming record "Brave faces everyone" and I already love it 💕. It's basically the first single because something happened to "Losers", which has been released a while ago and came out a bit differently from the original version together with "Kick" 😀. Check their Twitter account "SpanishLuvSongs" for more. 2 out of 3 vinyl-versions are already sold out in the European store 😩. Grabbed at least one copy of my least favorite colour-mix. Be quick and get one! The pictures of the 25 years anniversary show of @hotwatermusicofficial with support by Spanish Love Songs, @pottermuff and @redcityradio are online at www.morecore.de. Picture taken for @morecore.de. ________________________ #kylemacaulay #kylemcaulay #afrecords #uncleM #sharptonerecords #htbarp #concertphotography #concertphotographer #musicphotography #musicphotographer #sony135mmf18 #audioloveofficial #sonyalpha7iii #sonydeutschland #sonya7iii #sonyalphashooter #germanalphas #sonyalphagallery #morecore #spanishlovesongs #hotwatermusic #muffpotter #goodfightentertainment #bigpicturemedia #feldmanagency #spartabooking #palladiumcologne #palladium #bravefaceseveryone

Ein Beitrag geteilt von Quinten Quist | Concert-Photos (@quintenquistcom) am

Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

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