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Interview

Papa Roach: Die Kunst, sich neu zu erfinden

Liebt oder hasst sie: Aber das muss man ihnen lassen.

VON AM 27/04/2022

Wie kaum eine andere Band aus der 90er und 2000er Nu Metal-Ära schaffen es Papa Roach auch nach fast 30 Jahren Bestehen, sich immer wieder neu zu erfinden und damit relevant zu bleiben. Der Release des nunmehr elften Studioalbums “Ego Trip” müsste damit eigentlich Routine sein. Doch diesmal läuft vieles anders.

Papa Roach haben sich noch nie darum geschert, was man musikalisch von ihnen erwartet. Hatte man auf “Infest” (2000) und “Lovehatetragedy” (2002) noch einen rohen und wütenden Crossover-Sound, öffnete man sich schon auf “Getting Away With Murder” (2004) dem Alternative, experimentierte auf “Metamorphosis” mit einer gewissen Glam Rock-Ästhetik, um ab “The Connection” (2012) auch mal elektronische Sounds zuzulassen. “Wir versuchen einfach nicht immer wieder denselben Sound anzustreben oder uns krampfhaft zu wiederholen, weil wir zu einer bestimmten Szene gehören. Wir machen einfach, worauf wir Lust haben”, erklärt Tobin Esperance.

Er ist seit 1996 Bassist der Band und kennt damit auch noch die Zeit vor dem Hype, den sie mit ihrem Debüt-Album “Infest” und den Hit-Singles wie “Last Resort”, “Between Angels & Insects” oder “Blood Brothers” ausgelöst hatten. Letzterer war Teil des Tony Hawk’s Pro Skater 2-Soundtracks und sorgte zusätzlich für einen ordentlichen Popularitätsschub. “Jedes Mal, wenn wir solche Kollaborationen machen, sei es für einen Film, ein Videospiel oder mit der Sport-Welt an sich, ist es etwas Großes für uns”, erklärt Esperance. In der Vergangenheit hatten Papa Roach auch schon mit der WWE zusammengearbeitet oder einen Song zum The Avengers Soundtrack beigesteuert. Die kürzliche Kollaboration mit der UFC und ESPN und dem Song “Stand Up” sei zudem sehr aufregend gewesen, da er nicht nur großer MMA-Fan sei, sondern deswegen auch einige der Kämpfer interviewen durfte.

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New Noize Records: Neues Label, neues Abenteuer

Nicht minder aufregend dürfte der Release rund um das mittlerweile elfte Studioalbum “Ego Trip” verlaufen sein. Dieses entschied man nämlich selbstständig auf dem eigenen, neu gegründeten Plattenlabel New Noize Records zu veröffentlichen. Entsprechend wartete mehr Arbeit auf die Band, als man bislang gewohnt war, da man nun für so ziemlich alles verantwortlich gewesen ist. Allerdings habe man nun die Möglichkeit, mit den Leuten zusammenzuarbeiten, die man unbedingt in seinem Team haben wolle. Dennoch musste sich das Quartett um Sänger Jacoby Shaddix erstmal auf die neue Situation einlassen. “Wir sind eigentlich ständig am Telefon, arrangieren Zoom Calls und Meetings. Zum Glück bekommen wir Hilfe von unserem Management, dem Social Media- und Creative Team und den Produzenten. Ohne diese Leute würden wir das all nicht schaffen können”, stellt Esperance klar.

Dennoch gab es schon Situationen, in denen man die negative Energie mit auf die Bühne genommen hatte, weil man kurz zuvor noch geschäftliche Angelegenheiten regeln musste, worüber man sich im Zweifel auch nicht immer einig sei. Deswegen entschied sich die Band in den Momenten, in denen sie kreativ sein oder auf der Bühne abliefern müsse, entsprechende Themen kurzzeitig ruhen zu lassen. Es sei eben ein Lernprozess und man stehe eben noch am Anfang. Alles kein Grund, um nicht schon Pläne für die nächsten Schritte zu schmieden: “Das ist das erste Album, das wir veröffentlicht haben. Wir haben eine große Vision und bauen das Team nach wie vor erst auf, um herauszufinden, ob wir es auf das nächste Level bringen können, um beispielsweise neue Artists zu verpflichten.”

 

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Über TikTok an neue (und alte) Fans

Auch in Sachen Social Media-Vermarktung machen die Kalifornier eine gute Figur und wissen sich gut in Szene zu setzen. “Gerade im Lockdown hatten wir uns gefragt, wie wir mit unseren Fans in Kontakt treten können. Ich mein, wir sehen immer noch gut aus, wir sind ziemlich witzig und wir machen gute Musik. Und dann gibt es da halt TikTok, wo nicht nur Leute sind, die tanzen oder so. Wir können da halt auch wir selbst sein und Spaß haben”, erklärt Esperance und kann sich dabei das Grinsen nicht verkneifen. Er selber sei allerdings nicht aktiv bei TikTok, für die Band sei es aber ein sehr wichtiges Instrument. 

Mit Hinblick auf die Zusammenarbeit mit neuen Künstler:innen bewiesen Papa Roach bei Jeris Johnson und Sueco ebenfalls ein gutes Händchen. Während Johnson letztes Jahr ein Feature zur Neuauflage von “Last Resort” beisteuerte, war Sueco zusammen mit Jason Butler von Fever 333 beim Song “Swerve” vom neuen Album involviert. Dass beide mit einer großen Reichweite, gerade bei den jüngeren Fans ausgestattet sind, ist sicherlich kein schlechter Nebeneffekt für die Band.

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Papa Roach: Tour könnte 2023 klappen

Nachdem “Ego Trip” Anfang April veröffentlicht wurde, sehnen sich die europäischen Fans natürlich nach der nächsten Gelegenheit, die Band endlich wieder live sehen zu können. Seit dem letzten Wiedersehen sind immerhin schon drei Jahre vergangen. Wenn es nach Tobin Esperance ginge, könnte es nicht schnell genug wieder auf die hiesigen Bühnen gehen.

“Wir warten sehnsüchtig darauf, wieder nach Europa und Großbritannien zu kommen. Es bricht mir aber vor allem das Herz, nicht zu wissen, wann wir wieder in Russland und der Ukraine spielen können. Es ist wirklich traurig, da wir so tolle Fans dort drüben haben. Gerade die jüngere Generation fragt sich, was zum Teufel da gerade vor sich geht. Ich weiß, dass sie das alles nicht wollen.” Vielmehr bräuchten sie Musik und Liebe mehr als alles andere. Deswegen hoffe er, dass Papa Roach zu den ersten Bands gehören, die dort wieder spielen können, sobald es sicher genug sei. Grundsätzlich habe er aber das Gefühl, dass man 2023 sehr viel Zeit in Europa verbringen würde.

Wenn ihr wissen wollt, was „Pizza Rock“ sein soll, was sich hinter dem Album-Titel verbirgt und was Tobin dachte, als er den Saxophon-Beat aus „Swerve“ das erste Mal gehört hatte, dann schaut euch das ganze Interview auf unserem YouTube-Channel oder im nachfolgenden Player an:

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Foto: Darren Craig / Offizielles Pressebild

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