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(Old) School’s Out Forever – Alice Coopers Nightmare Castle

The Man Behind The Mask.

VON AM 30/06/2022

Wir alle kennen sie, (ver-)ehren sie und stellen sie auf das einzig wahre Podest im Rock-Olymp, dass sie verdient haben: Die wahren Altmeister:innen der Rockmusik. Jene, die die Szene geprägt haben wie kaum ein:e andere:e, jene die Rock, Metal und Punk zu dem gemacht haben was wir heute darunter verstehen. Kaum eine Lieblingsband von uns würde es heute geben, hätten sie nicht den Weg für harte Klänge, rotzige Vocals, morbide Lyrics und exzessiv-aufwendigste Bühnenshows geebnet. Die Rede ist von den guten alten Old-School-Bands und Künstler:innen aus den 70ern und 80ern die, die Musikszene prägten und bis heute unvergessen sind.

Gods Gave Rock’N’Roll to us – didn’t they?

Und tatsächlich ist 2022 nicht nur das Jahr, das uns Festivals und Konzerte wieder bringt. Nein. Es ist auch eine Zeitmaschine, die uns direkt zurück in die 70er Jahre katapultiert, wo der Rock, wie wir ihn heute kennen, seinen Anfang nahm. Denn es gibt sie tatsächlich noch: die ganz Großen. Und das auf den Bühnen und Venues der europäischen Ländchen direkt vor unseren Haustüren.

Da ich selbst, geprägt durch meine Eltern, fasziniert bin von den Vorreiter:innen und Altmeister:innen des Rock-Genres und davon, dass sich auch 2022 noch hunderttausende von Fans in ihren heiligen Hallen versammeln, dachte ich, es wird Zeit, der Szene mal wieder in Erinnerung zu rufen, wer sich den ganzen Bumms-Laden hier eigentlich ausgedacht hat. Und! Was natürlich noch viel spannender ist: Rocken denn die alten Altmeister noch?

Alice Cooper – Wie alles begann

Ich glaube, niemand der oder die bei dem Namen Alice Cooper nicht schaltet, sollte sich wirklich Rocker:in nennen. Egal, ganz egal, welche Bandbiografie ich gelesen habe oder mit welcher 80er Jahre Band man spricht. Jede frühe Metal- und Rockband wurde allen voran von dem Mann mit der langen schwarzen Haarpracht und dem fetten Kajalstrich um die Augen beeinflusst. Alice Cooper, bürgerlich Vincent Damon Furnier, ist seit den 1960ern (!) Jahren als Rockmusiker aktiv (da waren ja sogar meine Eltern noch Kinder!!) und zusammen mit den Rolling Stones wohl das älteste Überbleibsel einer langsam aussterbenden Szene.

Gegründet in den 60ern, schafft Furnier zunächst noch mit der Band Alice Cooper Anfang der 1970er Jahre den Durchbruch mit den Alben School’s Out (1972) und Million Dollar Babies (1973). Anfang der 70er Jahre wird AC durch Songs wie „I’m Eighteen“ und „No More Mr. Niceguy“ und einer bis dato nicht da gewesenen, aufwendigen und schockierenden Bühnenshow zu einer der berühmtesten Bands ihrer Zeit.

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Urvater des Schockrocks und spektakulärer Bühnenshows

Während Elvis bereits in den 50ern mit einem gekonnten Hüftschwung die Welt aus dem Konzept bringen konnte und John Lennon die Gesellschaft provozierte in dem er den ganzen Tag im Bett verbrachte, mussten sich Alice Cooper da schon etwas Deftigeres ausdenken um eine Altersbeschränkung für ihre Konzerte zu erwirken.

So wurde über Jahre und Jahrzehnte eine Requisiten- und Kostüm-reiche Show auf die Beine gestellt, die viel mehr einer blutig-komödiantischen Theateraufführung gleicht als einem typischen Rock-Konzert, die auch bis heute in ihren Grundelementen besteht. Live-Exekutieren, Zwangsjacke und schwarzes Make up gehören zum Standard-Programm. Mal wird der Gehstock geschwungen, mal ein Säbel, Messer oder Krückstock.

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Mitte der 70er Jahre löste sich die Band um den Schockrocker auf und Furnier änderte offiziell seinen Namen zu Alice Cooper. Ab da war der Sänger immer wieder mit anderen Musiker:innen unterwegs, erweiterte seine exzessive Bühnenshow mit Tänzer:innen und landete mit Alben wie „Welcome To My Nightmare“ (1975) Und „Trash“ (1989) weitere kommerzielle Erfolge. Außerdem ebnete Cooper mit Werken wie „Welcome To My Nightmare 1“ und dem nachfolgenden zweiten Teil den Weg für düstere Konzeptalben. Ohne in den letzten 50 Jahren einen einzigen Gang runtergeschaltet zu haben, erschien 2021 Alice Coopers 21. Album „Detroit Stories“. Nicht schlecht für einen 74-Jährigen.

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Cooper prägte mit seiner Musik und seinen theatralischen Auftritten nicht nur Millionen Menschen ‚round the world, sondern setzte den Grundstein für die Genres Hardrock und Heavy Metal. Er prägte Bands wie Ozzy Osbourne, Black Sabbath, Marylin Manson oder KISS und lässt wahre Rockgrößen zu kleinen Fanboys werden.

Back To The Future: Alice Cooper 2022

Über ein halbes Jahrhundert später ist Alice Cooper zwar alt, aber immer noch nicht fertig damit seine Fans zu begeistern und zu unterhalten. So trägt er zwar noch immer den Titel „Schockrocker“, wirklich schockierend ist an seinem Auftreten aber nichts mehr. Viel mehr gleicht seine über zweistündige Performance einem düsteren aber lustigen Musical bei dem gigantische Frankensteins über die Bühne marschieren, aufgeblasene Babys aus Mauern ausbrechen und ein Serienkiller junge Instagrammer:innen niedersticht.

Am 22. Juni folgten wir dem Aufruf des Altmeisters und kehrten in das Alice Cooper Nightmare Castle ein, das an diesem Abend Station in der Frankfurter Jahrhunderthalle genommen hatte. Mit im Gepäck hatten AC den Hanoi-Rocks-Frontsänger mit seiner Solo-Band Michael Monroe, der das doch recht gechillte und ältere Publikum zumindest zum Kopfnicken brachte.

Cooper ließ sich gediegene 45 Minuten Zeit, bis der Vorhang an diesem Abend erneut fiel. Das spektakuläre Bühnenbild gelang so ans Tageslicht und zeigte eine detailverliebte Burg auf mehreren Ebenen und einige Requisiten die im Laufe des Abends bespielt wurden. Jede:r, der/die Alice Cooper schon einmal zuvor live gesehen hat, weiß natürlich, wozu dies alles dient. Denn seit ich den US-Amerikaner zuletzt vor drei Jahren gesehen habe, hat sich nicht wirklich viel verändert – But why change a running system?

Den Abend eröffnet eine Horror-Movie-artige Ankündigung: „Welcome To Alice Coopers Nightmare Castle“

Die Band beginnt sofort mit „Feed My Frankenstein“ und Alice Cooper betritt durch die schweren Tore der Burg die Bühne. Natürlich klassisch mit Zylinder und Gehstock bestückt zieht der Altrocker die Jahrhunderthalle in seinen Bann und öffnet uns so seine blutrünstige kleine Theaterwelt. Ein gigantischer Frankenstein schreitet dabei während des Songs hin und her und verschwindet dann wieder.

Darauf folgen die Klassiker „No More Mr. Niceguy”, “Bed Of Nails” und “Hey Stoopid”. Auch in der Songauswahl werden keine Kompromisse eingegangen, keine Experimente gewagt. Alice Cooper weiß, wofür die Leute da sind: Hits, die Show und natürlich einfach um dem Schockrocker himself die Ehre zu geben. So bleibt auch das Publikum bis „Poison“ recht ruhig, klatscht, schunkelt, nickt zum Takt, aber genießt in erster Instanz einfach nur die wahnwitzige Bühnenshow, die man auch im Blick behalten sollte bevor man etwas verpasst.

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Und noch etwas macht AC auch im Jahr 2022 unglaublich stark: Zu Alice Coopers Band gehören verdammt gute Musiker:innen. Die drei Gitarrist:innen Nita Strauss (The Iron Maidens), Tommy Henricksen und Ryan Roxie, Bassist Chuck Garric und Schlagzeuger Glen Sobel stehen mit dem Schockrocker auf der Bühne und geben ordentlich Dampf! Am deutlichsten wird das als jeder Musizierende ein eigenes Solo eingeräumt bekommt. Dabei überzeugen vor allem die auf dem Boden posierende und den Vibratro-Hebel verzaubernde Strauss und der wahnsinnig schnelle und sogar über dem Kopf reinhauende Sobel.

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Während die Saiteninstrumentalist:innen die Bühne abschreiten, bietet sich hier immer wieder Action: Cooper zaubert immer wieder neue Kostüme aus dem Hut, Dinge geschehen im Hintergrund (Serienkiller Jason erscheint und killt zwei Mädchen auf der Bühne, die zuvor Selfies auf der Burg gemacht haben… WTF?) oder Cooper agiert singend mit der zunächst in Lack und Leder gehüllten, später als blutige Braut und böse Hexe verkleideten Bühnentänzerin Sheryl Cooper, die übrigens auch seit 30 Jahren im echten Leben an seiner Seite steht.

Das Highlight des Abends und eines jeden Auftritts Coopers ist natürlich die Perfomance zu „Dead Babies“ in Zwangsjacke die in seiner Enthauptung mit der Guillotine zu „I Love The Dead“ gipfelt – von niemand Geringerem ausgeführt als seiner Frau. Den immer noch singenden Kopf präsentiert die Tänzerin dann dem weniger schockierten, aber dennoch begeisterten Publikum.

Darauf folgt ebenfalls die obligatorische Wiedergeburt aus dem Sarg der bereits den ganzen Abend über mit allsehenden Augen an der Wand der Burg aufgestellt stand. Alice singt „Happy Face“ und „Teenage Frankenstein“ zu dem erneut ein Riesenzombie die Bühne unsicher macht.

Den Abschluss macht Coopers vielleicht größter Hit „School’s Out“, zu dem die bisher doch recht grußelig inszenierte Bühne in ein buntes Spielparadies aus Seifenblasen und Konfetti-gefüllten Riesenballons verwandelt wird. Buntes Licht durchflutet den Raum, als Alice seine letzten Takte singt, ein letztes Mal den Gehstock schwingt und dem Publikum zusätzlich eine Passage aus „Another Brick In The Wall“ präsentiert – natürlich ist auch von dieser Ergänzung heute niemand mehr überrascht.

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Schools Out Forever… and ever.. and ever?

Er ist 74 Jahre alt und hat kein Stückchen an Live-Energie eingebüßt: Alice Cooper weiß auch im Jahr 2022 noch zu begeistern. Das Selbstinszenierungs-Spektakel à la Cooper funktioniert auch nach über 50 Jahren noch und ans Aufhören denkt das Rock-Original aus Detroit noch lange nicht. Wobei seine Performance und sein Auftreten heute definitiv einen anderen Sinn und Zweck erfüllen, teilweise fast schon kitschig-nostalgisch wirken. Während Alice in den 70er Jahren mit seinen Shows und seiner Musik ein ganzes Genre, eine Generation und viele, viele Künstler:innen prägte die nach ihm kamen, ist er heute wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, wie ein Stück aus einem Museum, das verlangt wird betrachtet zu werden. Ein wahres Fossil Metalgeschichte, ein Urgestein des Schockrocks, ein stilprägendes Element. Hören und schauen wir ihm also zu, so lange wir noch können.

Bild: YouTube / „Alice Cooper „Social Debris““

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