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Metalcore: Das sind die besten Alben, um ins Genre einzusteigen

How to breakdown in 10 albums.

VON AM 06/05/2022

“Ohne das Geschrei fänd’ ich’s richtig geil!”. So oder so ähnlich habe ich vor elf Jahren reagiert, als mich ein guter Freund zum ersten Mal mit dem Metalcore in Berührung brachte. “The Abandoned” von Memphis May Fire – ein Song der ziemlich gut einfängt, was das Genre in 2011 ausgemacht hat. Vor allem der ohrwurmartige Chorus und der beinharte Breakdown waren die Elemente, die mich beim ersten Hören trotz aller Skepsis gepackt hatten.

Wie tastet man sich in 2022 an den Metalcore heran?

Nun sind über zehn Jahre vergangen und mittlerweile wäre ich derjenige, der andere Menschen an die wunderbare Welt der Schreimusik heranführen könnte. Aber wie genau würde ich das tun? Fest steht eins: Wer nicht gerade wie ich zuerst über Billy Talent, Linkin Park und dann später über Disturbed und Slipknot seine Härtetoleranz gesteigert hat, wird es nach wie vor wahrscheinlich sehr schwer haben, sich zwischen Screams und Growls zurechtzufinden.

Sollte man aber gerade an dem Punkt angekommen sein, gibt es nun nicht nur knapp über zehn, sondern mehr als 20 Jahre an Musikgeschichte, aus denen man sich bedienen kann. Zudem ist das Genre wesentlich reifer geworden und zeigt sich seit einigen Jahren abwechslungsreicher und mutiger als je zuvor. Ich habe zehn Platten für euch ausgewählt, mit denen man den Metalcore wunderbar entdecken kann. Ich nenne diese Liste liebevoll: “How to breakdown in 10 albums”.

Parkway Drive – Deep Blue

Würde man die härteste Surfergang der Welt aus der Historie entfernen, dann würde der Metalcore so wie er heute ist wahrscheinlich gar nicht existieren. Parkway Drive haben mit ihrem Doppelpack aus “Killing With A Smile” (2005) und “Horizons” (2007) relativ fix klar gemacht, dass sie zu den ganz Großen gehören wollen. Ihr drittes Album “Deep Blue” (2010) markiert jedoch einen wichtigen Wendepunkt in der Bandgeschichte weg von den verkopften Riffs hin zu mehr Straightness. Zudem haben die Australier ihren Sound mit einem Händchen für melodische und hymnische Momente hier definitiv einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

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Architects – Lost Forever / Lost Together

Die Erfolgsgeschichte von Architects ist definitiv eine, die ihresgleichen sucht. Starteten die Briten im Jahre 2004 noch als wilde Mathcore-Band, so schafften sie es um die Jahrzehntwende, sich zu absoluten Fanlieblingen zu entwickeln. Ihre zehnjährige Erfahrung und instrumentale Finesse flossen dann in “Lost Forever / Lost Together” (2014) ein, mit dem die Band ordentlich Wind in eine leicht eingestaubte Szene brachte. “Naysayer”, “Grave Digger”, “Broken Cross” – auf ihrem sechsten Album haben Architects bewiesen, wie kraftvoll und facettenreich der Metalcore klingen kann. Mittlerweile wirkt es fast unvorstellbar, dass ihre 2014er Show in der relativ überschaubaren Kölner Essigfabrik die größte der Tour gewesen sein soll.

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Bring Me The Horizon – Sempiternal

Wenn es eine Band gibt, die bewiesen hat, dass der Metalcore nicht nur eine Sache sein kann, dann sind es ohne Zweifel Bring Me The Horizon. Seit mittlerweile über zehn Jahren streitet man sich über jeden neuen Release der Band, ohne dabei zu merken, was für gigantische Spuren die Jungs aus Sheffield im Genre hinterlassen haben. Trotz aller Hasskommentare von Liebhabern ihrer Deathcore-Zeit lässt sich ihr 2013er Album “Sempiternal” als wahres Meisterwerk festhalten, das sowohl die Härte nicht zu kurz kommen lässt (“The House of Wolves”, “Antivist”), als auch mit Tracks wie “Can You Feel My Heart” und “Sleepwalking” zeigt, wie gut sich der Metalcore auch gefühlvoller und elektronischer zeigen kann.

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While She Sleeps – You Are We

Bleiben wir doch gleich bei Bands aus Sheffield und kommen zu While She Sleeps. Die Briten haben schon seit ihren Anfangstagen wenig Acht auf die Grenzen zwischen Metal, Punk und Hardcore gegeben. Schon ihre ersten beiden Alben “This Is The Six” (2012) und “Brainwashed” (2015) haben im Gegensatz zu anderen Genrebands eine gewisse rohe Authentizität besessen, die sich vor allem durch die losgelöst gebrüllten anstatt glasklar gesungenen Refrains transportierte. Gepaart mit ihrem Verständnis für eindringliche Leadgitarren und hymnische Gänsehautmomente fängt vor allem ihr drittes Album “You Are We” (2017) den Spirit von While She Sleeps auf beeindruckende Weise ein.

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A Day To Remember – Homesick

Für Leute, die eher vom Punk und Pop-Punk kommen, gibt es sicherlich keine bessere Band, um in den Metalcore einzusteigen, als A Day To Remember. Schmeißt man zum ersten Mal ihr 2009er Album “Homesick” an, so wird man wahrscheinlich zunächst überrascht über die positive Grundstimmung sein, die über den Opener “The Downfall of Us All” transportiert wird. Songs wie “My Life For Hire” und “NJ Legion Iced Tea” stellen dann endgültig unter Beweis, wie gut sich Pop-Punk-Gesang auf Metalcore-Instrumentals macht. Und dennoch zeigen die US-Amerikaner vor allem mit Brechern wie “Mr. Highway’s Thinking About The End”, dass sie auch Material liefern können, bei dem die High Kicks fliegen.

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Killswitch Engage – The End of Heartache

Springen wir doch nochmal ein paar Jahre zurück und schauen, welche Alben aus den frühen 2000ern noch immer nennenswert sind. Wenn man zufällig aus verwandten Genres wie dem Heavy- oder Thrash Metal kommt, dann dürften Killswitch Engage definitiv eine Band sein, die einen guten Einstieg in den Metalcore liefern kann. “The End of Heartache” aus dem Jahr 2004 bildet das erste Album der US-Amerikaner mit ihrem langjährigen Sänger Howard Jones. Songs wie “Rose of Sharyn” oder der emotionale Titeltrack haben sich auch nach 18 Jahren noch hervorragend gehalten und bieten von wuchtigen Riffs über große Chorusmomente wirklich alles, was das Metalherz begehrt.

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August Burns Red – Constellations

Wo wir gerade bei fantastischer Gitarrenarbeit sind: Eine Band, die schon immer für technische Versiertheit stand – ohne dabei jemals unzugänglich zu werden – sind die Ausnahmetalente von August Burns Red. Vor allem ihr 2009er Album “Constellations” bietet neben einem ikonischen Artwork viele der denkwürdigsten Momente ihrer gesamten Diskographie. Trotz Höchstgeschwindigkeit und dem konstanten Abfeuern von Riffs schafft es die Band immer wieder, mit melodischen Momenten wie in “Marianas Trench” oder “Meridian” auf die Bremse zu treten. Für Gitarrenfans – die sich vom generellen Riffing im Metalcore angezogen fühlen – gibt es wahrscheinlich nur wenig bessere Einstiegsalben.

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Bury Tomorrow – Cannibal

So, genug in der Zeit gereist. Kehren wir in die Gegenwart zurück. Bury Tomorrow aus Southampton haben sich über die Jahre fantastisch gehalten und verstehen es vor allem immer noch, viel aus dem klassischen Metalcore-Sound der 2010er rauszuholen. “Cannibal” (2020) – ihr bis dato aktuelles Album – bietet neben dem dreckigen Geshoute von Frontmann Daniel Winter-Bates atmosphärischen Lead-Gitarren, brachiale Breakdowns und ohrwurmartige Gesangspassagen. Leider ist “Cannibal” auch das letzte Werk der Briten, auf dem wir Gitarrist & Sänger Jason Cameron hören können. Dieser hatte sich zwar als eine der stärksten Cleanstimmen im Metalcore etabliert, verkündete aber im vergangenen Jahr seinen Austritt aus der Band.

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Landmvrks – Lost in the Waves

Wie aber könnte sich der Metalcore nun – abseits von den Genre-Clash-Experimenten von Bring Me The Horizon – weiterentwickeln? Eine passende Antwort darauf liefern Landmvrks mit ihrem aktuellen Album “Lost in the Waves” (2021). Auf ihrem 10-Song-starken Longplayer lassen die Franzosen nicht nur Elemente aus Nu Metal, Hardcore, Punk und Trap zusammenfließen, sondern bestechen auch durch clever eingesetzte Rap-Passagen. Bei “Visage” kommen diese sogar ganz überraschend in ihrer Muttersprache Französisch daher. Die Jungs aus Marseille haben über die letzten Jahre einen wirklich beachtlichen Sprung nach vorne gemacht und lassen mit ihrem dritten Album definitiv hoffen, dass sie in nicht allzu langer Zeit zur Speerspitze des Genres gehören werden.

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Unleash The Sky – Hopes, Doubts & Inbetween

Kommen wir zum Schluss zu einem vergessenen Sahnestück. Unleash The Sky aus Darmstadt haben sich mittlerweile schon aufgelöst; für mehr als zwei Alben und deutschlandweite Shows hat es während ihrer Laufbahn leider nicht gereicht. Ihr Debütalbum “Hopes, Doubts & Inbetween” (2012) ist aber meiner Meinung nach das perfekte Einstiegsalbum, da es einfach alles hat und hervorragend gealtert ist. Zehn Songs voller Abwechslung, Emotionen, catchiger Riffs und großartiger Clean-Passagen. Gitarrist und Sänger David Schumann hat hier nochmal einen besonderen Shoutout verdient, da er in der Mitte des Albums einen regelrechten Lauf an ohrwurmartigen Refrains hat. Dieses kleine Meisterwerk darf einfach nicht in Vergessenheit geraten!

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Alles klar, wer hat nach der Liste Bock bekommen, mal Pit-Luft zu schnuppern? Das wäre tatsächlich noch eine der wichtigsten Empfehlungen, die ich geben kann, da ich meine Liebe zum Metalcore letztendlich erst so richtig auf Liveshows entdeckt habe. Die wirkliche Power des Genres habe ich zum ersten Mal gespürt, als Breakdown of Sanity ein kleines Jugendzentrum in Krefeld in ihren Grundfesten mit ihrer Musik erschüttert haben.

Wie seid ihr zum Metalcore gekommen?

An dieser Stelle würde ich natürlich gerne noch die obligatorische Frage stellen, wie ihr zum Metalcore gekommen seid? Wurdet ihr durch die Riffs, die Cleans oder die Breakdowns angefixt? Welche Metalcore-Alben würdet ihr euren Freunden zeigen, die neu im Genre sind?

Bild: YouTube / „Bring Me The Horizon – Shadow Moses (Official Video)“

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