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Metal: Hellsinger – Die Kritik zum neuen Ego-Shooter

Für PC, Xbox Series X/S und PlayStation 5.

VON AM 21/09/2022

Metal! Shooter! Dämonen! Highscore! – Nachdem ich nun eure Aufmerksamkeit habe, lasst mich euch davon erzählen, wie diese Begriffe zueinanderstehen. Das Musikgenre Metal und die wunderbare Welt des Gamings haben eine bereits lange gemeinsame Geschichte zusammen. Anfangen mit Klassikern wie dem ursprünglichen DOOM, Command & Conquer oder Quake, gingen beide Kunstformen immer wieder Hand in Hand. Auch in der jüngeren Vergangenheit machten Spiele wie Metal Gear Rising: Revengeance, Killing Floor oder Halo sich die klassischen Metal-Instrumentalisierung von Gitarre, Schlagzeug und Bass für Ihren Soundtrack zunutze.

Nachdem das DOOM-Remake von 2016 und sein Nachfolger DOOM: Eternal mit ihrem Hype erneut gezeigt haben, wie gut sich das komplette Subgenre in adrenalingeladenes Gameplay, martialischen Visuals und einer epischen Story von Himmel und Hölle einbauen lässt, haben sich Entwickler The Outsiders und PublisherFuncom sich nicht lumpen lassen die Symbiose von sägenden Gitarren und dem Sound vom explodierenden Dämonen-Köpfen weiter voranzutreiben.

Einmal durch die Hölle und zurück

Metal: Hellsinger ist ein rhythmus-basierter First Person Shooter rund um die höllische Protagonistin „Die Namenlose“, die versucht, ihre gestohlene Stimme wieder an sich zu reißen. Gefüttert mit einem brutalen Soundtrack, der mit einem beeindruckenden Line-up an Sänger:innen aufwartet, schießt ihr euch durch die verschiedenen Reiche der Hölle und tötet dabei eine Vielzahl von Dämonen sowie ihrer Elite-Varianten. Jeder erfolgreiche Treffer füttert euren weltweiten Highscore und bringt euch einen Schritt näher an euren Endgegner „Die rote Richterin“. Ob dieses Konzept von knackiger Shooter-Action zum Klang vom Metal und prominenter Stimmen aufgeht, erfahrt ihr hier.

Wie bereits erwähnt, stellt ihr euch als Die Namenlose zusammen mit dem sprechenden Schädel Pazallius (kurz: PAZ) gegen die Rote Richterin und ihre Schergen. Letztere hat euch eure Stimme genommen und möchte euch davon abhalten, sich diese mit Gewalt wiederzuholen. Auf eurem Weg zum Ziel besucht ihr die acht Reiche der Hölle – Voke, Stygia, Yhelm, Incaustis, Gehenna, Nihil, Acheron, Sheol. PAZ existiert dabei neben seiner Funktion als Waffe auch als Erzählerstimme von Metal: Hellsinger in Zwischensequenzen und während des Spielens. Große Plot Twists oder Offenbarungen werden euch eher nicht über den Weg laufen und auch die Geschichte folgt wie bereits beschrieben einem klaren Ziel und den dafür nötigen Handlungen.

Local hellsinger too angry to die

Das Gameplay von Metal: Hellsinger verhält sich Rhythmus-Shooter-typisch: Durch den jeweiligen Song des Areals bekommt ihr einen Takt vorgegeben, dem ihr für Schüsse, Fähigkeiten und Ausweichbewegungen folgen solltet. Je genauer ihr die Taktpfeile mit euren Aktionen trefft, desto höher ist eure Punktzahl pro Kill und wächst ebenfalls euer Zorn-Multiplikator, der diese zusätzlich erhöht. Hinzu kommt noch die Taktschlagserie, welche aussagt, wie oft ihr den Takt zur richtigen Zeit getroffen habt. Daher naheliegend, verschwinden Taktschlagserie und Zorn-Multiplikator entweder nach einiger Zeit ohne erfolgreiche Aktion oder wenn ihr Schaden nehmt. Euer Leben kann durch grüne „Stix-Kristalle“ oder das Ausführen von „Abschlachtungen“ wieder aufgefüllt werden. Hinzu kommen noch diverse Kombo-Effekte und „Segnungen“, die entweder durch das Erreichen einer gewissen Taktschlagserie, das erfolgreiche Nachladen im Takt oder einen gewissen Zorn-Multiplikator getriggert werden. Am Ende eines jeden Levels wartet eine Bewertung, die Kriterien wie z.B. Genauigkeit, Anzahl der Taktschlagserien, erlittenen Schaden oder die Menge an Kopfschüssen analysiert.

Bis an die Hörner bewaffnet

Bewaffnet mit Werkzeugen der Vernichtung stellt ihr euch verschiedenen Dämonen-Typen entgegen, die es auf unterschiedlichste Art und Weise zu töten gilt. Dabei macht es Sinn, die Schwächen der jeweilige Dämon auszunutzen und die richtige Waffe zu wählen. Immer mit dabei ist euer Schwert Terminus sowie der sprechende Schädel PAZ. Zusätzlich kann aus einem Pistolen-Paar, einer Schrotflinte, einer Armbrust und einem Paar Bumerang-ähnlichen Wurfmessern gewählt werden. Jede Waffe davon besitzt einen eigenen Standard-Feuermodus und einer ultimativen Fähigkeit, die sich mit jedem Kill auflädt. So beschwört das Pistolen-Paar Die Höllenhunde eine Kopie von euch, die für eine gewisse Zeit bestehen bleibt und ebenfalls Gegner auf Distanz angreift.

Das Waffengefühl ist dabei sehr mächtig, jedoch sorgen Armbrust und Wurfmesser durch ihre Eigenarten beim Feuern zu Beginn für ein wenig Verwirrung. Deshalb waren hier die Pistolen und die Schrotflinte meine bevorzugten Waffen der Wahl. Nach ein paar Durchläufen mit den jeweiligen Waffen kommt aber eine Art „Gefühl“ für das Handling zum vorgegebenen Takt auf, sodass im späteren Verlauf das volle Potenzial zur Punktjagd ausgeschöpft werden kann. Die Finisher, genannt „Abschlachtung“, sind für Neulinge schwer zu treffen und generell muss man den Beat der Songs für sich verinnerlichen, damit die verschiedene Aktion wirklich gut sitzen. Hier heißt dann vor allem „Übung macht den Meister“, denn am Ende eines jeden Levels wartet eine Manifestation der Richterin als Bosskampf. Diese wirft euch unterschiedliche Patterns an Angriffen entgegen, die ihr mit den bekannten Mitteln bewältigen müsst.

In der Hölle tragen alle die gleichen Gewänder

Visuell reißt Metal: Hellsinger keine Bäume aus dem Boden, kann jedoch mit aktuellen Single bis Double A-Titeln mithalten. Verwaschene Texturen fallen, wenn überhaupt nur in ruhigeren Momenten oder Ingame-Videosequenzen auf. Aufgrund des hohen Tempos und der eher kurzen Level sollten diese aber keinen Abbruch in der bereits geringen Immersion tun. Die verschiedenen Höllenreiche besitzen wie bereits erwähnt eigene Biome und Settings, die sie klar voneinander abheben. Das Design trifft das Thema der Hölle und besitzen einige sehr beeindruckende Kulissen sowie Skyboxen. Leider lässt dabei das Gegnerdesign ein wenig zu wünschen übrig. Ist man die unterschiedlichen und extravaganten Dämonen aus DOOM und DOOM: Eternal gewohnt, wirken sie in Metal: Hellsinger etwas zu vorhersehbar und eintönig. Einzige Lichtblicke dabei sind wortwörtlich die niederen Seraphen und die Augenlosen, welche etwas von der humanoiden oder rein dämonischen Form abweichen.

Hier spielt die Musik…

Beim wohl wichtigsten Aspekt und tragenden Element von Metal: Hellsinger ließ sich Entwickler nicht lumpen. Für den Soundtrack komponierte das beauftragte Studio TwoFeathers 15 brandneue Tracks, die sich an Genres wie Groove- und Melodic Death-Metal orientieren. Dazu wurden mehrere Gesangs-Ikonen des Metals engagiert. Unter anderem hört man Alissa White-Gluz (Arch Enemy), Tatiana Shmayluk (Jinjer), Matt Heafy (Trivium), Randy Blythe (Lamb Of God) und Serj Tankian (System Of A Down) in den Songs der einzelnen Höllenreiche singen. Man merkt, dass darauf geachtet wurde, dass die Songs sowohl für Gameplay des Spiels funktionieren als auch vollständige und eigenständige Metal-Songs existieren. Hier ist viel Liebe für die Musik und das Genre eingeflossen, welche leider außerhalb des Spiels noch nicht genossen werden kann.

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Auch das Sounddesign von Gegnern, der Spielwelt oder der Waffen kann sich hören lassen, und kommt dem Soundtrack in seiner Qualität in allen Punkten nach. Die Dämonen schreien, krätzen oder gurgeln sehr authentisch, während sie auf den Lauf der geladenen Schrotflinte zustürmen oder vom Schwert in mehrere handgerechten Stücke zerteilt werden. Bei der Synchronisation wurde auch in der deutschen Fassung auf die Orignialsprecher Troy Baker (Uncharted, Last Of Us, BioShock Infinite) und Jennifer Hale (Mass Effect-Trilogy, Overwatch) gesetzt und lediglich übersetzte Untertitel spendiert, was an dieser Stelle aber verkraftet werden kann.

Technisch lief Metal: Hellsinger ohne nennenswerte technische Probleme. Auf dem genutzten Rechner mit einer Geforce 1660 TI, einem Intel Core i5-12600k und 16gb Ram lief das Spiel auf höchsten Einstellungen mit durchschnittlichen 100 Frames per Second, bei denen ich während meiner gesamten Spielzeit keine bemerkbaren Einbrüche erlebt habe. Auch bei aufwändigeren Partikeleffekten oder größeren Gegnergruppen blieb die Bildrate stabil.

Fazit:

Metal: Hellsinger ist eine Liebeserklärung an das Metal-Genre in Videospielform. Die Musik ist meiner Meinung nach der absolute Hauptdarsteller und macht aus dem Rhythmus-Shooter eine absolute Power-Fantasy. Das Gameplay ist bis auf ein paar kleine Ausnahmen durchaus präzise und belohnend, könnte auf Dauer aber ein wenig repetitiv werden, da irgendwann nur die Jagd nach dem höchsten Score als Motivation existiert. Für einen Fan von ausgiebigen Stories wie mich, habe ich meine Zeit als Hellsinger trotzdem sehr genossen, bezweifle aber, dass es sich hierbei um mein Game of The Year 2022 handeln wird. DLC und Patches könnten die eher kurze Story erweitern, jedoch kommen hier bislang nur Fans des Rhythmus Shooter-Genres und der Highscore-Jagd nachhaltig auf ihre Kosten. Metal-Fans, die eine wilde Schießerei unter den Stimmen ihrer Lieblingssänger:innen erleben wollen, sollten sich zumindest die Demo einmal herunterladen und austesten. Sofern der Spaßfaktor gegeben ist, reißt man sich dann mit dem Kaufpreis von circa 30 Euro auch kein großes Loch in die Tasche.

6/10

Metal: Hellsinger ist erhältlich für PC, Xbox Series X/S und PlayStation 5.

Bild: Offizielles Artwork zu „Metal: Hellsinger“

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