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Interview

Mark Tremonti: „In der Sinatra-Welt kann ich alles machen, in der Rock-Welt bin ich eingeschränkt.“

Der Musiker im Interview zum Coveralbum "Mark Tremonti Sings Frank Sinatra".

VON AM 25/05/2022

Mark Tremonti gibt sich nun dem Jazz hin?! Tatsächlich fällt es dem Gründer von Creed und Alter Bridge leichter in die Jazz-Welt abzutauchen, als in die Welt der metallischen Klänge. Seit der Geburt seiner Tochter Stella hat er eine neue Lebensaufgabe gefunden – das Erbe des großen Meisters Frank Sinatra fortzuführen. Und das für einen guten Zweck!

Der kürzlich gewordene Vater veröffentlicht ein Album, das Frank Sinatra einen Tribut zollt. Schon immer war er in den Ol’ Blue Eyes vernarrt und begeisterte sich für seine Wohltätigkeitsaktionen. Seit der Down-Syndrom Diagnose von Tochter Stella wurde ihm bewusst, was er mit seinem Wissen über ihn anfangen kann: die Gründung der Wohltätigkeitsorganisation „Take A Chance On Me“ und der Aufnahme des Albums „Mark Tremonti Sings Frank Sinatra“. Damit sammelt er nun Geld für Familien und Einzelpersonen mit Down-Syndrom.

Unterstützung für Menschen mit Down-Syndrom

„Als ich zum ersten Mal erfuhr, dass unsere Tochter das Down-Syndrom hat, war das ein bisschen beängstigend und ich fühlte mich ein wenig einsam. Aber das Gegenteil ist der Fall. Eine ganz andere Welt öffnet sich“, erklärt der Musiker. Diese Sorge und Angst ist nachvollziehbar, denn es ist keine leichte Aufgabe. Doch „ein Kind mit Down-Sydrom zu haben, ist eine große Herausforderung, aber nichts, wovor man Angst haben muss.“

Denn einsam, alleine oder hilflos muss sich die Familie Tremonti nicht fühlen. Spätestens seit dem Kennenlernen der Gemeinschaft und der gegenseitige Unterstützung schloss sich der Kreis. Und dies möchten sie werdenden Familien und Individuen vermitteln. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Familie nicht den Zugang zu den richtigen Ärzten oder Versicherungen hat. Und ich möchte nicht, dass andere Familien nicht in der Lage sind, ihrem Kind das Beste zu geben“, sagt Mark besorgt.

Damit noch weitere Individuen diese Hilfen und Programme in Anspruch nehmen können, möchte sich der Künstler dafür einsetzten. Denn die Organisationen decken nicht nur Therapien ab, sondern auch die Möglichkeit auf ein gemeinsames Wohnen und die Möglichkeit auf zukünftige Berufsfelder.

Während der amerikanische Staat laut Tremonti ein gutes Hilfsangebot für Kinder mit Down-Syndrom anbiete, gäbe es allerdings noch ein paar andere Baustellen, an dem das Rechtssystem arbeiten müsse. „Als ich erfuhr, dass ich eine Tochter mit Down-Syndrom haben werde, ist mir bewusst geworden, dass meine Frau und ich nicht ewig hier sein werden. Was wird also passieren, wenn wir sterben? Was passiert mit ihren Erben? Der Staat erkennt sie nicht an wie dich oder mich. Es muss rechtliche Maßnahmen geben, die Menschen mit Down-Syndrom schützen.“

Mark Tremonti geht völlig in Frank Sinatras Stimme auf

Neben seiner großartigen Unterstützung hat er auf jeden Fall noch etwas anderes Bemerkenswertes erreicht. Denn der Name von Frank Sinatra darf nicht einfach so benutzt werden – dafür muss die Verwaltung seines Nachlasses eine Genehmigung erteilen. Und damit ist er neben dem US-amerikanischen Jazz-Sänger Tony Bennet und dem kanadischen Sänger Michael Bublé einer der wenigen, die solch eine Erlaubnis erhalten haben. Ob Nancy Sinatra, Tochter des Sängers, ebenfalls die Lieder gehört hat, ist leider nicht klar. Da sie allerdings ein Teil Erbengemeinschaft ist, kann dies durchaus sein. Vielleicht zauberte es ihr ein Lächeln auf die Lippen.

Für Marks angestrebtes Ziel hat er sein Organ ordentlich trainieren müssen – tatsächlich fiel ihm dies leichter, als für Tremonti oder Alter Bridge zu singen. „Mein normaler Stimmumfang liegt im Sinatra-Bereich. Die Tremonti-Stimme schiebt sie aus diesem normalen Bereich heraus. Es ist schwieriger, meine Stimme für Rock in Form zu bringen, weil sie mehr gefordert wird.“

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Während Sänger, die im Rock und Metal Genre tätig sind, die Töne praktisch herauspressen und quetschen müssen, ist Sinatras Stimmtechnik eher das Gegenteil: sie ist sehr offen, resonant und nasal. „Ich kann viel mehr mit meiner Stimme machen, wenn ich sie nicht bis zum Äußersten treibe. Als ich die Vocals für die Alter Bridge-Platte aufnahm, harmonisierte ich mit einigen von Myles‘ [Kennedy, Sänger; Anm. d. Red.] Zeilen. Als ich mit bestimmten Vokalen zu hoch gepusht habe, konnte ich nicht vom Vibrato zu einem E wechseln. In der Sinatra-Welt kann ich alles mit dem Material machen und es kontrollieren, in der Rock-Welt bin ich manchmal eingeschränkt.“

Während Mark Tremonti in den Vereinigten Staaten bereits mit der Big Band ein paar Benefiz-Konzerte spielte, warten wir in Europa noch darauf das imposante Ensemble zu sehen. Der Künstler deutete zumindest an, dass ein paar Shows eventuell nach der Alter Bridge-Tour möglich seien.

Foto: Chuck Brueckmann / Offizielles Pressebild

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