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Interview

Lüt: Ørjan Nyborg Myrland und Mads Ystmark im Interview zum neuen Album „Mersmak“

Die Band über die Arbeit in L.A., die norwegischen Lyrics und weitere Pläne für 2021.

VON AM 04/03/2021

LÜT sind jung, wild, enorm energetisch und haben mit „Mersmak“ vor Kurzem ihr zweites Album veröffentlicht. Im Interview erzählen die beiden Gitarristen Ørjan Nyborg Myrland und Mads Ystmark darüber und warum die Band für die Produktion spontan nach L.A. geflogen ist.

Lüt im Interview zum neuen Album „Mersmak“

MC | Rodney: Hey ihr beiden. Erzählt mal knapp, wie zufrieden seid ihr mit der Rezeption von „Mersmak“?

Mads: Wir sind unfassbar glücklich. Die Leute scheinen es zu lieben, sowohl in Norwegen als auch international.

Ørjan: Dieses Mal ist es einfach anders. Normalerweise spielen wir vor vielen Leuten und sehen die Leute und wie sie auf die Musik reagieren. Nun sitzen wir zuhause und können nichts machen.

MC | Rodney: Gab es denn Pläne, die Platte nach hinten zu schieben?

Ørjan: Wir haben sie eigentlich schon so weit wie möglich nach hinten geschoben. Wir hatten keine Wahl, wir mussten einfach was Neues rausbringen, auch weil unsere Fans seit langer Zeit nur die Songs von „Pandion“ zu hören hatten. „Mersmak“ musste also einfach endlich raus.

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MC | Rodney: „Mersmak“ gibt mir ziemlich starke Sommer-Vibes. Ist das etwas, das ihr vor hattet?

Mads: Viele Leute haben das gesagt, aber um ehrlich zu sein, verstehe ich das nicht so wirklich. Für mich funktioniert das Album im ganzen Jahr.

Ørjan: Ich glaube, sechs oder sieben Songs des Albums wurden während des Sommers geschrieben und nur zwei oder drei im Winter. Vielleicht liegt es daran, dass viele Songs eben so sehr mit den Sommergefühlen viben.

MC | Rodney: Hat die Jahreszeit also einen Einfluss auf eure Songs?

Mads: Scheinbar ja. Ich habe da noch nie drüber nachgedacht, aber es scheint Sinn zu machen.

Ørjan: Hier in Tromsø gibt es echt viele harte Bands, die sehr traurige und harte Musik machen. Vielleicht weil der Winter hier so super lang, kalt und dunkel ist (lacht). Der Sommer hingegen ist super kurz.

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MC | Rodney: Das Album ist ja in L.A. entstanden. Erzählt mir, wie diese Zeit war und wie ihr dort überhaupt hingekommen seid.

Ørjan: Wir hatten die Möglichkeit, nach L.A. zu gehen und das war wirklich eine relativ spontane Sache. Wir hatten eine Woche Zeit, mit Kameras so viele Fotos und Videos zu machen. Wir hatten keine einzige Sekunde, um Touristen zu sein, sondern haben wirklich viel gearbeitet. Aber zum Glück haben wir das gemacht, weil wir so viel Content erstellt haben, den wir nun in der Zeit der Pandemie nutzen können.

Mads: Die ganze L.A.-Sache war super spontan, das war nicht wirklich geplant. Mike Schuppan [Produzent des Albums (u.a. Paramore) Anm. d. Red.] wollte mit uns arbeiten und wir haben da eine große Möglichkeit gesehen, mit ihm an dem Album zu arbeiten und eben auch noch andere Dinge zu machen. Wir haben in unserer Facebookgruppe schnell gecheckt, ob jeder eine Woche frei bekommen kann, damit wir nach L.A. fliegen können und wir haben es einfach gemacht (lacht).

MC | Rodney: Hattet ihr Angst, dass diese Woche zu knapp ist und ihr dadurch zu sehr unter Druck steht?

Mads: Ich denke, als wir da waren, haben wir wirklich verstanden, dass das kein Urlaub wird. Das waren wirklich 24 Stunden-Werktage. Wir waren mental darauf vorbereitet, die ganze Zeit zu arbeiten. Das war gut, aber irgendwie auch traurig, weil wir natürlich gerne was von L.A. gesehen hätten.

MC | Rodney: Ihr habt euch entschieden in eurer Muttersprache zu singen. Ist das ein Vorteil, weil ihr dadurch einzigartiger klingt, oder ist es eher schwieriger, damit an ein internationales Publikum zu kommen?

Mads: Wir haben echt viele Nachrichten bekommen von Leuten, die es feiern. Wir haben aber auch überlegt „Mersmak“ auf Englisch zu schreiben, aber das Gefühl und die Energie, die wir von „Mersmak“ bekommen… in Norwegisch zu singen fühlte sich einfach natürlich an. Ich finde es ist irgendwie witzig, dass die Lyrics für viele so mysteriös sind, eben weil sie nichts verstehen.

Ørjan: Sind wir mal ehrlich. Neun von zehn Menschen in Norwegen verstehen auch nicht, worüber wir singen (lacht). Für uns ist das eigentlich also egal, weil es die meisten eh nicht verstehen werden.

Mads: Ich habe das Gefühl, dass unsere Musik eher ein Vibe und eine Energie ist, die man fühlt, als dass es um die Lyrics geht. Die Lyrics sind für uns natürlich wichtig, aber für die meisten Fans geht es, glaube ich, um diese Energie, die auf dem Album und auf den Liveshows ist.

Ørjan: Die Melodien und die Rhythmen der Vocals sind, glaube ich, wichtiger als die eigentlichen Worte. Wir verbringen viel zu viel Zeit mit den Lyrics im Vergleich zu den Melodien.

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MC | Rodney: Ihr hättet 2020 eigentlich auf dem Summer Breeze Festival gespielt. Wie ist es, als Punk-Band inmitten von Metalbands zu spielen?

Ørjan: Bei uns in der Heimat, in Tromsø, gibt es relativ viele Bands. Es kam also schon häufig vor, dass wir zusammen mit viel härteren Bands gespielt haben, weil es hier eine große Musik-Community gibt. Des Weiteren ziehen wir selbst auch viele Einflüsse aus härteren Genres.

MC | Rodney: Generell scheint es, als würde die Metal-Community eure Musik enorm gut aufnehmen. Überrascht euch das?

Mads: Auf jeden Fall! Unfassbar viele Metal-Magazine haben über uns geschrieben und „Mersmak“ rezensiert und wir haben da gar nicht mit gerechnet, geschweige denn darüber nachgedacht. Es scheint aber, als würde unsere Musik bei den Metalheads gut ankommen.

Ørjan: Wir sind wirklich sehr glücklich, dass sie so darauf abfahren, auch wenn wir diese Szene nie wirklich forciert haben.

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MC | Rodney: Ich denke, das hat auch mit euren Vocals zu tun, oder?

Ørjan: Ja, wenn Markus [Sänger von LÜT Anm. d. Red.] normal singen würde, dann würden es sicherlich nicht so viele Metalfans feiern. Wenn die Vocals cleaner und nicht so wütend wären, dann wäre es wohl wirklich anders.

Mads: Viele unserer Einflüsse kommen aus der Metalszene, also macht es irgendwie auch Sinn, dass diese Leute uns auch feiern.

MC | Rodney: LÜT ist eine Band, die durch ihre Energie enorm lebt und in den Liveshows am besten funktioniert, oder?

Ørjan: Ja, wir lieben es, unsere Shows mit einem Knall zu starten und mischen unsere Setlists gerne durch.

MC | Rodney: Wie steht ihr aktuell dazu, wieder Konzerte zu spielen?

Ørjan: Wir haben aktuell große Hoffnungen, dass wir im Herbst in Norwegen wieder Shows spielen können, aber wer weiß das aktuell schon?

Mads: Ich denke wir und die meisten Fans warten einfach darauf geimpft zu werden. Sobald das geht, wird es wohl wieder losgehen.

Ørjan: Ich denke, es wird schwierig, die Leute zu den Shows zu bekommen, auch weil es dann sehr viele Bands gibt, die dann auf Tour gehen wollen.

MC | Rodney: Die Vorstellung von vollen Crowds ist aktuell sehr surreal, wie fühlt sich der Gedanke für euch an?

Ørjan: Es ist eine schwierige Situation, wir möchte niemanden gefährden und waren mit unserer Bookingagentur am überlegen, ob wir kleine Venues spielen sollen, die dann voll und eng sind, oder lieber größere Venues, damit die Leute Abstand halten können, weil es sicher ungewohnt sein wird, dicht beieinander zu stehen. Wir wissen nicht, was die Leute haben wollen, das gilt es noch zu evaluieren.

Mads: Ich kann mir aktuell auch nicht vorstellen, dass es Moshpits und Stagedives gibt. Davon sind wir so weit weg aktuell.

MC | Rodney: Und in der Zwischenzeit arbeitet ihr schon an neuem Material?

Mads: Wir werden definitiv bald zusammenkommen und wieder anfangen, an neuer Musik zu arbeiten. Wir arbeiten auch an einer Art Dokumentation über „Mersmak“, weil wir so viel Material gesammelt haben.

Ørjan: Ja, absolut. Es wird noch ein Livevideo von uns geben, das bald auch rauskommt. Und wenn wir neue Musik haben sollten, bevor Shows wieder stattfinden können, dann werden wir schauen, dass wir beide Alben auf die Bühne bekommen. Vielleicht machen wir auch eine EP, mal sehen.

Als nächstes werden die Lyrics von „Mersmak“ auf Englisch veröffentlicht, sowie weitere Musikvideos erscheinen. Bis dahin bleibt „Mersmak“ das wohl stärkste Punk-Release, das wir 2021 bisher zu hören bekommen haben.

Foto: Hans Marius Mikkelsen & Ørjan Nyborg Myrland / Offizielles Pressebild

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