News

News

Kritik: VITJA – „Digital Love“

Wenn Bands im Laufe der Zeit ihren Sound rapide ändern, ist das für den einen oder anderen immer ein Dorn ...

VON AM 25/02/2017

Wenn Bands im Laufe der Zeit ihren Sound rapide ändern, ist das für den einen oder anderen immer ein Dorn im Auge! Auf der einen Seite stehen die Kids, die dem alten Klang ihrer Lieblingsband nachweinen, auf der anderen Seite die Leute, die der Veränderung im Groben nur gutes abgewinnen können. Wir haben es vor einer Weile bei BRING ME THE HORIZON erlebt und in diesen Tagen rütteln SUICIDE SILENCE die Musikszene mit ihrer neuen Scheibe ordentlich durcheinander.

Und nun „schon wieder“ eine Band, die ihrem Sound einen Tapetenwechsel verpasst? Ja, schon wieder! VITJA haben es getan. Einmal den Pulli auf links gedreht und mit neuer Frisur raus auf die Straße. Doch gelingt dieser Wechsel? Wir haben es für euch rausgefunden!

Als ich zum ersten Mal die erste Singleauskopplung „SCUM“ (feat. Eskimo Callboy) hörte, war mir noch nicht klar, was mich mit dem neuen Album erwartete. Durch das Feature war der Sound entsprechend angepasst, ging aber durchaus noch in die Richtung der alten Sachen der Jungs aus dem Rheinland. Ich muss dazu sagen, dass mich „SCUM“ nicht wirklich beeindruckt hat. Ein relativ einfach gehaltener Song, der ohne viel Schnickschnack daherkommt, aber dafür gut Druck und Tempo mitbringt. Als ersten Song der Platte merkt man hier also noch nicht so viel vom neuen Sound der Band!

Ebenso präsentiert sich „D(e)ad“, der sich auch noch eher am alten Stuff der Jungs orientiert und sehr düster daherkommt. Ein paar Spielereien mit Samples geben dem Song aber durchaus einen interessanten Touch!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Spätestens ab „No One As Master No One As Slave“ sollte aber wohl jedem von uns klar, das VITJA auf „Digital Love“ neue Wege gehen. Und das liegt nicht nur daran, dass Sänger Dave nun plötzlich mit cleanem Gesang um die Ecke kommt.

Nein, auch der durchaus offenere und breitere Sound orientiert sich ordentlich Richtung Rock. Es soll sogar Menschen geben, die in dem Song eine ordentliche Portion Nu-Metal in Richtung P.O.D. raushören und ich gehöre zu diesen. Dave kann mich mit seinen Cleans hier wirklich überzeugen, vor allem die Strophen sind unheimlich interessant und toll arrangiert. In den höheren Gefilden zeigt er sich zwar noch etwas unsicher, aber das stört zumindest bei diesem Track nicht allzu sehr. Hinzu kommt ein schön im Vordergrund platzierter Bass und ein feiner Gitarrensound. Ich bin begeistert und kann euch schon jetzt sagen: Dieser Song ist eins meiner Highlights dieser Platte! Jetzt werden sicher einige von euch enttäuscht sein, aber keine Sorge. Es gibt durchaus noch andere nennenswerte Tracks, die etwas mehr den alten Sound der Jungs bedienen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

„Roses“ kann dem jedoch noch nicht gerecht werden. Cleane Strophen und Refrain sind für den einen oder anderen VITJA-Fan sicher gewöhnungsbedürftig. Manche Parts gefallen mir durchaus, jedoch kann mich der Refrain nicht wirklich überzeugen.

Dave bewegt sich da für mich leider an der Obergrenze seiner gesanglichen Fähigkeiten und presst quasi nur so die Töne raus. Das kann durchaus seinen Charme haben und ich finde mich da selbst als (ehemaliger) Sänger mehr als wieder, jedoch hätte man da vielleicht lieber anders agiert. „Digital Love“ ist dann wieder so ein Song, der eher an den alten Stuff der Jungs erinnert. Ordentlich Tempo, feine Shouts und drückende Gitarren. Die Jungs halten damit allerdings auch nur bis zum Refrain durch! Aber hey, dieser Pre-Chorus. Einfach geil! Da hab ich schon Lust, lauthals vor der Bühne mitzusingen. Im Refrain geht es dann gesanglich wieder arg nach oben. Muss ich nicht haben, aber der Rest des Songs kann mich vollends überzeugen.

Der folgende Track „Six Six Sick“ ist im Vergleich zur restlichen Platte dann ein wahres Groove-Wunder. Hat so mancher die Band mal in die Groove-Metal-Schublade gesteckt, darf er das bei diesem Song gerne weiterhin machen. Das Ding besticht durch seinen genialen Gitarrensound und kommt mit einem richtig starken Gang-Shout-Refrain um die Ecke. Spätestens bei diesem Song sollten die Leute vor der Bühne nicht mehr zu halten sein. Und einen ordentlichen Breakdown gibt es noch oben drauf. Sowas hört man doch einfach gerne!

„The Golden Shot“ kommt anschließend mit einem für die Band bekannten technischeren Sound und einem eindrucksvollem Gitarrenspiel um die Ecke. Aber auch hier heißt es wieder: Cleaner Refrain, der aber etwas tragend daherkommt und so dem Song leider seine Energie nimmt. Schade eigentlich! Aber keine Sorge, das nächste Highlight der Platte wartet schon mit „Heavy Rain“ auf uns. Ein unheimlich atmosphärischer Songaufbau, wo mir Daves Stimme richtig gut gefällt und sich gerade im Refrain nahezu perfekt in den neuen Sound der Band einklinkt. Aber seht selbst!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ihr merkt schon, ich mein es ernst, denn ich haue euch gleich mal meine Meinung zu allen Songs um die Ohren. „Find What You Love And Kill It“ kann vor allem mit schönen Harmonien überzeugen und Dave spielt ordentlich mit seinen neu entdeckten gesanglichen Skills. Für mich einfach interessant, welche Gedanken sich dort gemacht wurden. Der Refrain funktioniert ähnlich wie der von „Heavy Rain“ und macht gerade deshalb richtig Spaß!

„In Pieces“ und „The Flood“ beenden die neue Scheibe der Jungs, sind für mich aber Tracks, die mich nicht so ganz erreichen wollen. Bei „In Pieces“ fehlt mir etwas die musikalische Bandbreite, welche die anderen Songs der Platte nämlich so besonders machen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man so ruhige Songs von VITJA einfach nicht gewohnt ist und auch ich mir damit schwer tue, wer weiß. „In Pieces“ kann zwar wieder einen härteren Abschluss setzen, überzeugt mich aber trotzdem nicht so ganz. Das liegt vor allem am Refrain, der mehr Energie hätte vertragen können. Jedoch feiere ich bei beiden Songs die musikalischen Ideen, die sich die Jungs gemacht haben. Anstatt typischen Einheitsbrei zu produzieren, hört man hier quasi die Gedanken, die sich die Band beim Songwriting gemacht hat. Vielleicht zünden die Songs bei euch ja auch etwas mehr!

Fazit:

VITJA sind mit „Digital Love“ ein hohes Risiko eingegangen, denn viele von euch könnten von der neuen Platte der Jungs durchaus enttäuscht sein. Aber hier hilft ein ernst gemeinter Tipp von mir: Bitte hört mehrfach in das Album rein, denn dieses zündet wirklich erst nach mehrmaligen Hören. Ich habe so ungefähr drei bis vier Anläufe gebraucht! Mittlerweile sind aber vor allem Songs wie „No One As Master No One As Slave“, „Six Six Sick“ und „Heavy Rain“ nicht mehr aus meiner Playlist wegzudenken. Die Jungs haben ihren Sound nicht nur geändert, nein, sie haben ihn vor allem erweitert! Es galt, cleanen Gesang mit alten musikalischen Strukturen der Band zu vereinen. Und genau das ist den Herrschaften gelungen. Hier und da hört man sicher noch die ein oder andere musikalische Unsicherheit raus, aber auch die werden auf der kommenden Platte sicherlich Vergangenheit sein. Zur Produktion brauch ich eigentlich nicht viel zu schreiben, denn die schrappte schon bei der vorherigen Platte am Perfektionismus. Musikfreunde, die auch mal genauer hinhören, finden hier einen wahren Ohrenschmaus!

Ich zumindest ziehe meinen Hut vor dem Schritt der Band und freue mich schon riesig auf die anstehende Tour, auf der wir uns dann endlich von neuen Songs live überzeugen können. Tickets bekommt ihr hier!

Bewertung: 8/10

Band: VITJA
Titel: Digital Love
Genre: Rock/Metal
Songs: 11
Release: 03.03.2017

More

Feature

Billy Talent

Billy Talent melden sich endlich mit “Crisis Of Faith” zurück – sechs Jahre nach dem letzten Album der Alternative Rock-Band …

von