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Kommentar: Auf welchen Bühnen sollen die Stars von morgen denn überhaupt stehen?

Die aktuelle Zeit ist an Brisanz nicht zu überbieten.

VON AM 14/09/2020

Die Corona-Pandemie trifft die Veranstaltungsbranche mit am stärksten. Seit März sind die meisten Veranstalter, Techniker, Logistiker etc. ohne Beschäftigung, oder gar einen Lichtblick auf Besserung. Einige Clubbetreiber haben bereits aufgegeben. So vor allem kleinere, privat geführte Clubs und Venues. Doch auch die großen, etablierten Konzerthäuser halten sich mit Spendenaktionen über dem Wasser und hoffen auf eine Besserung.

Dass diese Clubs und Venues unter normalen Bedingungen in diesem Jahr nochmal eröffnen können, ist undenkbar. Die Hoffnung liegt auf 2021, doch ob bis dahin genug geschehen ist, damit man wieder Veranstaltungen, wie Konzerte stattfinden kann, bleibt unklar.

Es haben sich Alternativen gefunden, die insbesondere großen Clubs eine Option bietet. Wer genug Platz hat, kann Leute auf Abstandsregeln basierend einlassen. Meist finden sich solche Formate in Form von Open Air Veranstaltungen, Biergärten oder ähnliches. Auch bestuhlte Konzerthäuser, wie Theater haben die Möglichkeit, mit dem nötigen Abstand Leute zu empfangen. Dass die dadurch erreichten Kapazitäten meist aber nicht reichen, um schwarze Zahlen zu schreiben, spricht für sich.

Es ist nun fast Mitte September und während für die Bundesliga bereits erste Zuschauerzulassungen erfolgen, sieht es in der Konzertbranche noch kritischer aus als je zuvor. Bald wird es zu kalt, um Open Air Veranstaltungen durchzuführen. Konzerte können dann nur noch in begrenzter Anzahl in wirklich großen Venues stattfinden. Währenddessen sterben die kleinen Clubs aus. Auch, weil keine ausreichenden Hilfen vom Bund angeboten werden.

Das Clubsterben schreitet voran

Der Hamburger Musik-Club Logo, in dem ich selbst schon auftreten durfte und der schon immer lokalen Acts eine Bühne bot, steht kurz vor dem Aus. Vor kurzem haben sogar Papa Roach eine eigene Spendenaktion ins Leben gerufen, da das Logo eine der ersten Venues in Deutschland war, die die Band im Jahr 2000 bespielen durften.

Doch was ist, wenn eine solche Venue fehlt?
Wo werden die nächsten Papa Roach auftreten können?
Wo wird Subkultur geschehen und wo entstehen soziokulturelle Zentren, wenn nicht in Venues wie dem Logo?
Auf welchen Bühnen wird man die Acts der Zukunft entdecken, oder bleiben sie für immer unbekannt?

Ich glaube kaum, dass sich eine Band, wie Papa Roach, ohne Konzerte eine solche Reputation aufbauen könnte. Die digitalen Alternativen sind eine mittelfristige Lösung, die unter hohem finanziellen Aufwand funktioniert.

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Doch für Newcomer und Nachwuchsbands sind Streams in einer professionellen Qualität nicht zu tragen. Diese wären aber vonnöten, um überhaupt mitmischen zu können.

Es ist durchaus möglich gute, hochwertige Streams durchzuführen, wie Behemoth, die das Geld einer ganzen Albumproduktion (Das entspricht dem Äquivalent zu fünf (!) großen Festivalproduktionen) in einen einzigen Livestream steckten, bewiesen haben. Doch kann dieses Event kein Maßstab sein, um die kleinen, die in der Krise stecken zu retten.

Auch unabhängig von der filmischen, sowie klanglichen Qualität eines solchen Streams, wird dieses Event niemals die selben Gefühle wie ein Livekonzert kreieren. Die Bindung zwischen Musikern und Fans, das Bauchkribbeln bei Lieblingssongs oder etwa Gänsehautmomente voller Euphorie.

Das alles sind Dinge, die ein Livestream nur bedingt befriedigen kann und auf Konzerten, vor allem in kleinen, intimen und gemütlichen Venues, am meisten Wirkung entfalten.

Auch wenn man zwischenzeitlich das Gefühl hatte, dass bessere Zeiten bevorstehen, ist noch immer so viel unklar. Wenn wir jetzt nicht reagieren, haben wir bald eine große Lücke in der Kultur. Eine Lücke, die auch mit Arbeitsstipendien oder Darlehen nicht gestopft werden kann und Deutschland und die Qualität, Kreativität und Vielfalt der deutsche Musikszene im internationalen Vergleich noch weiter nach hinten schießen wird.

Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

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