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Interview

Karnivool im Interview: „Wir wollen dieses Album fertig bekommen.“

Sänger Ian Kenny über den Status eines vierten Albums.

VON AM 24/01/2023

Karnivool-Sänger Ian Kenny scherzt über das deutsche Wetter, als wir ihn in der Frankfurter Batschkapp treffen. Waren es in Perth, Australien sonnige 36°C bei Beginn der Reise nach Frankfurt, so ist es in Deutschland nur knapp über dem Gefrierpunkt, windig, nass und regnerisch. Von diesem Temperaturschock scheint sich die Band allerdings schnell erholt haben, zu groß war die Vorfreude auf eine Tour, von der man zwischenzeitlich denken konnte, sie würde gar nicht mehr stattfinden.

Karnivool – Back to Europe

Die Idee wieder nach Deutschland auf Tour zu kommen existierte seit dem Ende 2017, wie sich Ian Kenny erinnert. „Es hat damals nicht geklappt, also haben wir weiter an neuem Material geschrieben und damit geplant, 2020 zurück nach Europa zu kommen. Natürlich hat das nicht geklappt… 2023 ist es nun die erste Chance für uns, wieder hier zu sein.“

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Die Pandemie spielte Karnivool bei den Tourplänen nicht in die Karten. Mit Lockdowns musste sich die Band aus Perth ebenfalls weniger auseinandersetzen als der Osten des Landes. Trotzdem war es schwer, sich bandintern zu treffen.

Ein neues Album in Sicht?

Doch wie ist der Stand der Dinge um ein neues Album, nachdem man bereits 2021 eine neue Single veröffentlichte? „Wir haben ein Album, also zumindest genug Songs dafür. Aber die Songs sind alle noch nicht vollständig und in verschiedenen Stadien. Es wird noch etwas Zeit benötigen. Manchmal sind wir im Studio und kommen gut voran, manchmal tritt man auf der Stelle und hat noch nicht das, was es benötigt.“ Ein Grund dafür, warum das Songwriting des vierten Albums so lange dauert, ist dass Karnivool keine Vollzeitband ist.

Wie Ian Kenny erzählt, treffen sich die fünf Musiker nur ein paar Mal im Jahr, um an neuer Musik zu werken. „Wir leben nicht in derselben Stadt und arbeiten gleichzeitig an einem neuen Album, das passiert bei uns nicht mehr. Wir haben alle andere Dinge in unserem Leben, Familien und all das. Natürlich hätten wir gerne die Zeit, wie wir sie früher haben, aber das hat sich über die Jahre geändert.“

Verzerrte Wahrnehmung

„Ich glaube jeder denkt, dass Karnivool keinen Fick gibt ein neues Album zu veröffentlichen. Das Missverständnis dabei ist, dass wir nicht Vollzeit daran arbeiten. Wir versuchen uns ein paar Mal im Jahr zu treffen, jedes Jahr ist anders. Aber ‚Assymetry‘ ist zehn Jahre alt, was zur Hölle. Das ist verrückt. Wir bleiben am Ball.“

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Aufgrund dieser Tatsache fühlen sich Karnivool allerdings befreit. Druck? „Nein“, so Kenny. „Ich denke, wir fokussieren uns darauf, was wir an unserer Musik mögen und versuchen unseren eigenen Anspruch in unserer Musik zu vereinen. Dieser Anspruch liegt auf einem gewissen Level. Wir kümmern uns nicht allzu sehr um das, was im Peripheren liegt. Wir haben unseren natürlichen Anspruch und wissen, wie hoch dieser liegt. Wenn wir diesen Anspruch nicht erreichen, dann ist es nicht gut genug, aber das ist unser Anspruch, nicht der von Außenstehenden.“

Einfluss

Mit ihrer Musik haben Karnivool viele Bands beinflusst, darunter auch Bands wie Northlane, die einen viel härteren Sound aufweisen als der von Karnivool. „Wir denken nicht allzu viel über unseren Einfluss nach. Es gibt Parts, bei denen Karnivool auf den Instrumenten ziemlich heavy wird, aber andere Parts sind weniger heavy.“ Auffällig ist jedoch, dass die Australier auf Tour oft Bands als Support mitnehmen, die härter sind als ihre eigene Musik: „Vielleicht turnt das andere Bands an – unsere härtere Seite.“

„So kamen Monuments als Support für die Tour im Jahr 2015 über das Management und wir dachten, dass sie ganz gut finden. Ein Faktor ist auch, welche Crowd ein Support mit sich bringt. Wir wollten, das es gut mit unserer Musik funktioniert und Monuments waren super coole Leute und eine coole Band. Mit The Ocean verhält es sich etwas anders. Sie klingen anders als wir, aber haben eine starke eigene Crowd, die etwas anders ist als unsere, unser Booking Agent kam mit der Band auf uns zu, wir haben uns sie angehört und mochten den Vibe, weil er gut zu uns passt und etwas Eigenes mit sich bringt.“

Ob sich Ian Kenny manchmal wünschen würde, einfachere Musik zu machen?

„Manchmal, ja das wäre gut, haha“, scherzt der Sänger. “Manchmal haben wir versucht uns diesen Schuh anzuziehen und damit einen Weg zu bestreiten, aber je tiefer wir im Prozess waren, desto mehr haben wir gefühlt, dass es nicht der Weg ist, den wir gehen wollen. Wir suchen noch immer nach dem besten Weg für unser neues Album und fuck, da ist echt verdammt guter Kram drauf. 10 oder 11 Stücke, die alle auf verschiedenen Leveln komplettiert sind. Sie brauchen eigentlich nur noch etwas Spannung und Zeit bis sie fertig sind.“

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Wieder auf Tour zu sein fühlt sich für Ian Kenny an wie eine Work & Travel Experience. „Es ist ziemlich komfortabel in unserem Bus und es tut gut, mal aus Australien rauszukommen. Gerade weil wir zweieinhalb Jahre in unseren eigenen Kreisen bleiben mussten, fühlt es sich großartig an wieder rauszukommen. Wir dachten für eine Weile, dass es nie dazu kommt.“

„Ich denke wir sind einfach nur aufgeregt und froh hier zu sein. Es gab viel Frust und Zweifel, die mit unserem Selbstbewusstsein gekämpft haben. Aber der Fakt, dass wir hier sind und es real ist, ist großartig.“

Was zukünftig passiert, ist offen.

„Wir drücken uns weder Erwartungen noch Druck auf, aber wir wollen dieses Album fertig bekommen, auch wenn wir keine Deadline dafür haben. Ich weiß nicht wann, aber sobald wir zurück in Australien sind, werden wir wieder ins Studio gehen und am Rest der Songs arbeiten.“

„Mal sehen, wie weit wir kommen. Es wird immer etwas fertiger und der Fokus ist es auch, neue Musik zu veröffentlichen – wir sind aber besorgt, dass wir nicht das Album bekommen, das wir wollen. Wir müssen also sicher sein, dass es das ist, was wir wollen. Und das braucht Zeit – das nervt – ich wünschte wir wären einfacher, haha. Aber wir gehen in die richtige Richtung und schauen, was danach passiert.“

Auch während dem Auftaktkonzert in der Frankfurter Batschkapp, merkt man Karnivool eine gewisse Dankbarkeit an. So etwa, als Kenny zu lächeln beginnt, während er singt, sich aber schnell wieder fangen kann. Spätestens aber, als die halbe Halle die Worte von „New Day“ mitgesungen haben, ist das Eis gebrochen: Karnivool sind zurück auf Tour, die Bitte um Verzeihung, dass man sich so lange nicht hat blicken lassen, mit Dankbarkeit angenommen.

Foto: Kane Hibberd / Offizielles Pressebild

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