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Interview

„Die Erde ist das Einzige, was wir alle gemeinsam haben“ – In Hearts Wake-Frontmann Jake Taylor im Interview

Der Sänger über das neue Album "Kaliyuga" und besondere Maßnahmen, die beim Fertigungsprozess ergriffen wurden.

VON AM 11/08/2020

Am vergangenen Freitag haben unsere australischen Freunde von In Hearts Wake ihr neues Album „Kaliyuga“ auf den Markt gebracht. Was die meisten sicherlich nicht wissen dürften: Hinter den Songs steckt nicht nur eine Menge Arbeit, sondern auch eine ganz bestimmte Botschaft.

Dies mündete sogar darin, dass sich die Band dazu entschieden hat, den Longplayer so umweltfreundlich wie nur möglich zu gestalten. Eine Maßnahme, die als leuchtendes Beispiel in der Branche Gehör finden sollte.

Wir haben uns mit Frontmann Jake Taylor über die Beweggründe, die australische Metalcore-Szene und natürlich das Album als solches unterhalten.

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Euer neues Album heißt „Kaliyuga“. So bezeichnet der Hinduismus das letzte Zeitalter in ihrem Kosmos. Sind wir als Menschheit im aktuellen Zeitalter des Zerfalls, so wie es dort beschrieben ist?
Kaliyuga ist das letzte Zeitalter im Zirkel. Es ist wie der Winter vor dem Frühling, also kein wirklicher Zerfall, sondern eher ein Schritt in eine tiefere Ebene des Rads. Wir müssen diese Zeit zur Selbstreflektion nutzen; was hat und was hat nicht funktioniert? In gewisser Weise bestimmen wir, wie lange der Winter anhält.

Das Artwork von „Kaliyuga“ greift die Hindu-Kultur auf und zeigt darüber hinaus Symbole, die für Probleme unserer aktuellen Gesellschaft stehen. Ist der Hinduismus etwas, womit ihr euch verbunden fühlt oder ist es mehr ein Weg, um eine Perspektive zu finden, die aktuellen Situationen unserer Welt darzustellen?
Mehrere Völker des Altertums sprachen von vier Zeiten. Die Hindus nannten ihre vierte „Kaliyuga“. Sie wurde als eine Zeit voller Unterdrückung, Zerstörung, Krankheit, Gier und Angst beschrieben. Es ist eine kraftvolle Perspektive auf das, was wir zur Zeit durchleben. Eine Zeit mit Pandemien, tobenden Feuern, schlagartig wechselndem Wetter – so muss es sich wohl anfühlen, wenn man sich in „Kaliyuga“ befindet.

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Du bist auf die Suche nach einer Vision in der Wildnis gegangen. Weshalb hast du dich dazu entschieden und was hat es für dich persönlich bedeutet?
Es war eine besondere Möglichkeit, sich physisch und spirituell weiterzuentwickeln. Bei dem stressigen Leben, das ich führe, ist es selbst für mich schwierig, mich der Natur für ein paar Tage vollständig hinzugeben. Vier komplette Tage, lediglich ausgestattet mit Wasser, um sich seinen Ängsten zustellen, ohne Zelt, Telefon oder gar die Ablenkung durch Nahrung. Es hat mir gezeigt, dass mein Körper so viel mehr aushält, als ich zuvor dachte und das ist auf der einen Seite bekräftigend, gleichzeitig aber auch demütigend.

Eure vergangenen Alben haben sich alle jeweils auf ein natürliches Element fokussiert. War es seit längerem ein Plan, dass diese Platte das Feuer behandelt; ein Thema, das momentan sehr gut passt?
Es hat sich alles irgendwie natürlich gefügt. Dadurch, dass Plastik und Umweltverschmutzung im Vordergrund stehen, wenn wir über Leben mit dem Ozean sprechen, nahm „Ark“ (Wasser) seinen eigenen Lauf. Das letzte Element, das wir noch nicht behandelt hatten war Feuer, wir wollten dieses Thema allerdings nicht forcieren, dann brachen überall Feuer aus und es beeinflusste unsere Musik maßgeblich. Wir konnten uns dem Feuer nicht verschließen, auch wenn wir es versucht haben.

Die Feuer im Musikvideo zu „Worldwide Suicide“ erinnern an die katastrophalen Waldbrände, die Anfang des Jahres in Australien wüteten. Wie erinnerst du dich persönlich an dieses Desaster, das in deinem Heimatland stattfand?
Es war das erste Mal in unserem Leben, das Australien die Folgen des Klimawandels direkt vor der eigenen Tür erfuhr. Das Haus unseres Drummers war nur Kilometer von den Flammen entfernt, die tausende Häuser zerstörten. Sie wüteten für Monate. Er hatte großes Glück, dass sein Haus unversehrt blieb.

Das Intro dieser Single beinhaltet unter anderem eine Rede von Greta Thunberg. Wie kamt ihr zu der Idee, die Ansprache auf einen Song zu packen?
Ich nahm an den Klimastreiks in NYC teil und fand heraus, dass Greta sie anführte. Am Ende des Marsches packte ich mein Aufnahmegerät aus und schaffte es, Teile der Rede „Our House is on Fire“ aufzunehmen. Eine Woche später war ich im Studio und aus dieser Aufnahme wurde unser Intro-Song „Crisis“.

Du bist offensichtlich sehr im Kampf gegen den Klimawandel engagiert. Im vergangenen Jahr brachte die Fridays For Future-Bewegung eine Menge Aufmerksamkeit zu diesem Thema. Denkst du, dass es noch Hoffnung gibt, diese Katastrophe abzuwenden?
Das tue ich. Die Erde ist das Einzige, was wir alle gemeinsam haben. Der Klimawandel wird nicht einfach so aufhören zu existieren. Wir sind alle ein Teil dieser Krise, ob wir wollen oder nicht. Wir sind großartig darin, Dinge zu adaptieren. Sieh dir an, was wir schaffen können, wenn wir alle gemeinsam an einem Thema arbeiten. Aber wir müssen zuerst die Demut besitzen, zu akzeptieren, dass wir das Problem sind.

Ihr habt es geschafft, sehr genau herauszufinden, wie hoch der CO2-Ausstoß ist, der durch euer neues Album ausgestoßen wird. Ist dies ein Weg, auf dem die gesamte Musikindustrie gegen den Klimawandel vorgehen könnte?
Absolut! Und jedes Individuum oder jede Gruppe kann dies durch die Verwendung eines CO2-Rechners tun. Wenn du einmal die Bereiche kennst, in denen dein Emissionsausstoß am größten ist, kannst du beginnen, ihn zu reduzieren. Das ist der erste Schritt, Lösungen zu finden, die besser für uns alle sind, den Planeten eingeschlossen. Wir haben mit einer Berater-Firma zusammengearbeitet, um unseren Fußabdruck so genau wie möglich zu errechnen. Den Ausgleich haben wir in ein australisches Aufforstungsprojekt gesteckt.

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Die Verpackung eures neuen Albums ist komplett plastikfrei und darüber hinaus habt ihr eine Vielzahl an Maßnahmen getroffen, um die Vinyl umweltfreundlich produzieren zu lassen. Ist es schwierig, ein solches Projekt zu realisieren? Viele Produzenten nutzen wahrscheinlich andere Produktionswege.
Zu Beginn war es eine Mammutaufgabe. Aber es wurde deutlich leichter, als wir erst einmal die Verbindungen zu Partnern hatten, die wussten, was sie tun. Unser Plattenlabel (UNFD) fand eine unglaubliche Firma in den Niederlanden, die Deep Grooves heißt. Sie schmelzen ungenutztes Vinyl ein und nutzen recycelte Materialien als Verpackung und vegane Farben, außerdem wird bei der Herstellung Bio-Kraftstoff verwendet.

Das Musikvideo zu „Son Of A Witch“ ist ein animierter Clip, der nicht als solcher geplant war, allerdings aufgrund der Corona-Krise so produziert werden musste. Haben diese verrückten Zeiten, in denen wir uns befinden, deine Kreativität erweitert?
100% – auch wenn es herausfordernd war, nicht die gewohnten Wege zu gegen, so hat uns diese Zeit dazu gebracht, neue Wege zu entdecken, um Videos, Bilder und den gesamten operativen Prozess neu zu gestalten. Ich war so begeistert, meinen ersten Cartoon schreiben und produzieren zu dürfen.

Durch die Corona-Krise ist das Touren und Konzerte spielen aktuell nahezu unmöglich. Was bedeutet das für eine Band wie In Hearts Wake, die in der Vergangenheit durch intensive Tour-Marathons gegangen ist?
Es bedeutet, dass es ein Zurück zur Normalität gibt. Wir hatten es eine Zeit lang sehr gut und in gewisser Weise haben wir es alle als selbstverständlich angesehen. Wir müssen uns nun komplett neu aufstellen. Die Zukunft ist niemals sicher, allerdings haben wir einen Willen, um zu lernen.

Mit Bands wie Parkway Drive, Northlane oder The Amity Affliction besitzt die australische Metalcore-Szene eine hohe Relevanz für das Genre weltweit. Was denkst du, macht die Bands aus Australien so interessant für ein so großes Publikum?
Wenn du aus einem der abgelegensten Teile der Erde kommst, dann gehört viel Arbeit dazu, sich eine Fanbase aufzubauen und genügend Ressourcen zusammenzubekommen, um die Welt zu bereisen. Wenn deine Band es also endlich soweit geschafft hat und in Europa auftreten kann, wollen die Künstler natürlich alles daran setzen, eine perfekte Show darzubieten. Jetzt zählt es. Das merkst du, wenn eine Band es dann geschafft hat und dort auf der Bühne steht. Schon lustig, dass Bands aktuell alle Bühnen bespielen würden, egal wo. COVID lehrt uns dies gerade gnadenlos.

„Hellbringer“ wird von Jamie Hails von Polaris gefeatured. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Wir sind gute Freunde. Wir nahmen Polaris 2017 mit auf Tour, nun spielen sie größere Locations als wir! Das ist so beeindruckend. Die Kollaboration hat wirklich Spaß gemacht, wir haben via Zoom gearbeitet. Es war ein tolles Isolationsprojekt während des Lockdowns.

Wir danken dir für das Gespräch!

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Foto: In Hearts Wake / Offizielles Pressebild

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