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Interview

I Prevail: „Es ist eine wirklich schöne Erfahrung in einer unglücklichen Situation.“

Über die Tour ohne Brian, zehn Jahre Bandgeschichte und persönliche Entwicklungen.

VON AM 13/06/2024

Nach überstandener Pandemie, neuem erfolgreichen Album und zahlreichen Headline-Touren und weltweiten Shows, dürfen wir I Prevail im Rahmen ihrer kleinen EU-Tour im Mai auch zurück bei uns in Deutschland begrüßen. Allerdings sind die Boys etwas dezimiert, da Sänger Brian Burkheiser aufgrund gesundheitlicher Probleme leider aussetzen musste. Die Tour abzusagen, war keine Option und wir alle wissen, moderne Probleme erfordern moderne Lösungen.

I Prevail im Interview

Aber wie sehen denn Tourvorbereitungen für Arenashows aus? Dazu haben wir uns Eric Vanlerberghe und Dylan Bowman vor ihrem Auftritt in Düsseldorf geschnappt.

Go big, or go home

Natascha | MC: Gestern Abend war Tourauftakt in Berlin für euch. Erzählt mal, wie war es und was ist da für ein Gefühl jetzt ganze Arenen zu füllen?

Eric: Die Show war absolut großartig! Wir spielen jetzt größere Shows in größeren Hallen und können endlich all die coolen Sachen zeigen, die wir zu Hause in den Staaten so draufhaben. Dazu gehören richtig fette LED-Wände und wir können jetzt endlich all das mitbringen, was wir brauchen. Wir wollen Shows spielen, die wir auch wirklich visuell so umsetzen können, wie wir uns das vorstellen, anstatt uns in eine Halle mit 300 Plätzen zu quetschen. Da kommt einiges zusammen, mehr Equipment, eine größere Produktion, eine größere Crew, mehr Busse… aber es ist einfach aufregend zu sehen, wie wir in den letzten sieben Jahren gewachsen sind. Es ist ziemlich verrückt und befriedigend zu wissen, dass wir so weit gekommen sind.

Natascha | MC: Der Release von „True Power” liegt ja jetzt fast ein Jahr zurück und die Fans und auch ihr konntet euch, vor allem live, bestens mit den Songs vertraut machen. Und gab es im Nachhinein irgendwelche Überraschungen, welcher Song live am besten performen würde?

Dylan: Ich muss sagen, nachdem sich der Staub gelegt hatte und ich Tracks wie „Self Destruction“ gehört habe und dachte, der wird live Spaß machen, stellt sich heraus: Das ist der absolute Wahnsinn! Es ist so viel besser, als ich erwartet habe! Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als wir darüber sprachen und „Self Destruction“ gemeinsam hörten. Ich sagte: „Das Ende des Songs hört sich an, als wärst du ein Superschurke, der sich in eine andere Welt teleportiert“. Und dieses Gefühl habe ich jeden Abend auf der Bühne. Ich glaube, das geht allen anderen auch so. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn der Song live gespielt wird.

Eric: Ja, es ist absolut cool zu sehen, welche Songs hier, in den USA oder in Australien stärker sind. Es macht so viel Spaß zu sehen, welche Tracks außerhalb der Singles ihr eigenes Leben haben. Sie wachsen und gedeihen, ohne dass wir jeden einzelnen Song pushen müssen, sie entwickeln sich einfach ganz natürlich. Es ist so großartig, hierher zu kommen und zu sehen, welche Songs die Leute lauter singen als andere.

I Prevail Interview Eric Vanlerberghe Dylan Bowman

Natascha | MC: Welcher I Prevail-Song wäre denn eurer Meinung nach der Song, der Deutschland repräsentieren würde?

Dylan: Für mich ist es ganz klar „Dead On Arrival“! Wir waren total begeistert von der super Stimmung, die der Song erzeugt. Deshalb haben wir ihn für diese Tour wieder in die Setlist aufgenommen.

Eric: Und weißt du was? Das war einer der ersten Songs, die wir aus der „Trauma“ Tour-Setlist gestrichen haben. Wir dachten: „Jetzt sind wir gerade beim ‚True Power‘-Zyklus, also lass uns ein paar Alte streichen, um die Neuen einzubauen” und dann kamen wir hier rüber und dachten, dass wir „DOA“ noch ein letztes Mal spielen, und es wurde einfach lauter mitgesungen als alle anderen Songs. Wir konnten ihn also einfach nicht von der Setlist schmeißen.

Ein Doppelpass zwischen Kollegen

Natascha | MC: Über eins müssen wir noch sprechen: Brian. Wie ist es ohne ihn auf der Bühne zu stehen? Wie sahen eure Vorbereitungen aus? Und wie haltet ihr dieser Doppelbelastung stand?

Eric: Brian hat vor Jahren eine Operation und wir sind 2017 für ihn eingesprungen. Zwischen unserer letzten Tour in Japan und Australien und der Heimreise hatte er eine Operation wegen einer seltenen Krankheit namens Eagle-Syndrom. Es war nichts Schwerwiegendes, das gemacht werden musste, nur etwas, damit er nicht ständig Schmerzen hatte und die Ärzte sagten: „Er wird wieder gesund.“ Und dann hatten wir noch etwa einen Monat Zeit, bevor wir zu dieser Tour aufbrachen. Die Stimmbänder und Muskeln machten Probleme, und er ist einer der ersten Sänger, von denen man weiß, dass sie betroffen sind, daher hatten also keinen genauen Zeitplan, waren aber guter Dinge. Und dann, ein paar Wochen vor der Tour, erfuhren wir, dass er leider nicht in der Lage war, die Tour zu spielen. Also haben wir zwei Wochen lang geprobt, die Proben verdoppelt und ein Springseil zwischen mir und Dylan gespannt, um herauszufinden, wer welche Parts übernehmen sollten. Ich bin einfach begeistert und stolz auf uns und die Band, dass wir das so großartig hinbekommen haben!

Dylan: Eric würde das nie sagen, weil es um ihn selbst geht, aber der Unterschied, den ich von 2017 bis jetzt sehe, ist einfach krass! Er hat so viel tolle stimmliche Arbeit mit seinem cleanen Gesang und auch mit den Screams hingelegt. Er kann mich bei einigen der höheren cleanen Parts unterstützen, was wirklich Spaß macht. Natürlich würde ich Brian gern dabei haben – keine Frage, aber es macht so viel Spaß, sich den Ball hin und her zu spielen. Wir sehen uns an und unsere Blicke sagen: „Du schaffst das“. Es ist einfach toll, wie wir uns gegenseitig unterstützen und wie unsere Fans uns so sehr unterstützen. Es ist eine wirklich schöne Erfahrung in einer unglücklichen Situation.

I Prevail Interview Eric Vanlerberghe Dylan Bowman

Zehn Jahre I Prevail: What’s next?

Natascha | MC: Den deutschen Festivalsommer lasst ihr ja dieses Jahr soweit aus. Im August seid ihr mit Halestorm und im Herbst mit Parkway Drive unterwegs. Und danach, wie sieht die Planung bei euch aus?

Eric: Wir sind diesen Sommer mit Halestorm in den Staaten unterwegs. Im Herbst geht’s für uns nach Australien, wo wir mit Parkway Drive auf Tour gehen. Darauf freuen wir uns jetzt schon ganz besonders! Viele von uns sind schon ewig Fans von ihnen, also ist es absolut cool, ein Teil dieser Zwanzigjahresfeier zu sein! Aber danach, im Dezember, wird I Prevail zehn Jahre alt! Das ist ein Grund zum Feiern, und wir haben schon ein paar coole Überraschungen geplant. Wir wollen mit unseren Fans feiern, wie weit wir in den zehn Jahren gekommen sind. Und dann starten wir voll durch ins nächste Jahr! Wir haben noch viel vor in Europa! Wir werden in noch mehr Städten spielen und hoffentlich auch in Ländern, in denen wir noch nicht waren.
In den nächsten Monaten haben wir ein paar richtig coole Collabs und Features in petto, die euch umhauen werden!

Natascha | MC: Ihr seid schon so weit gekommen in den vergangenen zehn Jahren und habt schon vieles erlebt und erreicht. Gibt es denn noch so ein paar Meilensteine die ihr für euch mitnehmen wollt?

Dylan: Neben den vielen Ländern in denen wir bislang noch nicht getourt haben, gibt es so viele großartige Bands, mit denen ich gerne auf Tour gehen würde. Und ich weiß, das klingt vielleicht etwas simpel, aber ich habe das Gefühl, dass das Wachstum unserer Band uns in die Lage versetzt hat, in einer Situation zu touren, in der wir Leute als unsere Kollegen bezeichnen würden, die früher Poster an unserer Wand waren. Aber das Beste daran, mit diesen Jungs zusammenzuarbeiten, ist, dass jeder von uns total motiviert ist und wir immer das nächste große Ding wollen. Wir geben immer 100 Prozent und wollen immer mehr! Wir spielen eine Show mit Staind, was meine erste Show war, zu der ich je gegangen bin. Solche Dinge werden für uns nie langweilig, denn wir sind einfach immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Es ist wirklich wichtig, nicht selbstgefällig zu sein.

I Prevail Interview Eric Vanlerberghe Dylan Bowman

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

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