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Duchamp: Track-by-Track von Frontmann Ingo (Donots) zum ersten Album „Slingshot Anthems“

Die Scheibe erschien am Freitag.

VON AM 23/08/2021

Mit Duchamp launchte Donots-Frontmann Ingo Knollmann vor kurzem eine neue Oldschool Hardcore-Band. Mit von der Partie sind obendrein Christian Kruse (Adam Angst), Benni Thiel (Ex-Schrottgrenze) und Peter Tiedeken (Ex-Robocop Kraus/Pale) und schon am vergangenen Freitag brachte die Supergroup ihr erstes Album an den Start.

Worum genau sich die Sonst auf dem Debüt „Slingshot Anthems“ drehen, hat uns Ingo Knollmann himself verraten. Den ausführlichen Track-by-Track zur Scheibe findet ihr nachfolgend.

Der Track-by-Track von Ingo Knollmann (Donots) zum ersten Album von Duchamp

I Wanna Be Your Tool

Der Opener des Albums sollte ja im besten Falle direkt mitreißen, ein wenig das Pacing für den Rest der Platte setzen und in einer perfekten Welt direkt alle Trademarks der folgenden Songs gebündelt ausspielen. Daher bin ich sehr froh, dass wir mit „I Wanna Be Your Tool“ einen Startsong auf „Slingshot Anthems“ haben, der auf der einen Seite sehr melodisch, auf der anderen Seite durchaus rotzig ist und zwischen Uptempo und Midtempo changiert. Der Song war in meinem Kopf direkt der perfekte Autounfall aus einem Lifetime- und einem Descendents-Lied. Daher auch die klassischen Loser-Lyrics. MIt dem Song konnten wir übrigens im Studio direkt ausprobieren, wo die Reise gesanglich hingehen soll. Wir haben das komplette Album in fünf Tagen eingespielt und in einer Marathon-Session von 16 Stunden am Stück eingesungen. Bei „I Wanna Be Your Tool“ haben wir mit Produzent/Engineer Phil Meyer ausprobiert, wieviel Rotz und wieviel Herz die Vocals von DUCHAMP am Ende wirklich benötigen.

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The Art Of Defiance

Wir können es immer noch nicht fassen, dass wir Jason Shevchuk von Kid Dynamite für unsere Platte und diese erste Debüt-Single von DUCHAMP gewinnen konnten. Der Song atmet die Ungestümheit von Kid Dynamite, hat den meisten Old School-Faktor der Platte, ist eine textliche Verbeugung vor der Punk/HC-Subkultur und ihrem Ethos – und Jasons Gastvocals passen da halt wie Ellenbogen ins Gesicht. Lustigerweise sind wir mit Jason in Kontakt gekommen über Dave Hause von den Loved Ones, der früher Roadie von Kid Dynamite war. Er meinte auf eine SMS von mir: „Ich hab Jason über 10 Jahre nicht gesehen. Das hier ist seine damalige Mailadresse. Probier’s einfach mal aus!“. Keine 24 Stunden später hatte ich Antwort von Shevchuk und der war direkt begeistert von der Anfrage. Und wie der im Song und Video zu „The Art Of Defiance“ abliefert, macht uns einmal mehr klar: Kid Dynamite waren eine absolute Ausnahmeband des Genres und sind zurecht seit Jahren die meistgehörte Old School Hardcore-Band im DUCHAMP Mixtape der Herzen.

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Non-Exister

Ein Song, der im Intro-Teil von 25 Cent Giraffes von Lifetime inspiriert ist. Danach wird von unserem Drummer Benni Thiel (Ex-Schrottgrenze) am Schlagzeug geballert, dass es eine wahre Pracht ist. Der Song vereint, ähnlich wie der Album-Opener Drive und Melancholie. Die Lyrics versteht glaube ich jeder Mensch, der hin und wieder mal misanthrophische Anwandlungen oder den Wunsch hat, sich einfach mal komplett aus der Gesellschaft auszuklinken, weil alles zu oberflächlich, zu schnell, zu kapitalistisch, zu unmenschlich und zu viel von zuviel ist. Wir freuen uns sehr, dass Stephen Egerton von den mächtigen Descendents eines seiner ikonischen Gitarrensolos zu dem großen Finale des Songs beigetragen hat. Den konnten wir direkt fragen, weil die DONOTS Ende der 90er mal für ein paar Wochen mit ALL auf Tour waren. Bester Typ!

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Teeth Gone Missing

Und talking about beste Typen: Für die Single „Teeth Gone Missing“ konnten wir niemand geringeren als Dave Smalley von ALL, Down By Law und Dag Nasty gewinnen. Bereits bei dem Demo, welches unser Gitarrist Peter Tiedeken (früher bei One Man And His Droid, Pale, Robocop Kraus, Station 17 und einigen anderen) geschrieben und rumgeschickt hat, war klar, dass der alte Sänger von Dag Nasty der perfekte Kandidat für ein Gast-Feature sein würde bei dem Song. Mit seiner anderen Band Down By Law haben wir Donots mal Mitte der 90er gespielt und nach einer Show 2018 bin ich mit Dave in Kontakt geblieben, weil ich seine Stimme liebe und unbedingt mal was mit ihm gemeinsam machen wollte. Was soll ich sagen? Ich könnte heulen, wenn er ab der zweiten Strophe von „Teeth Gone Missing“ einsetzt. Mehr Sehnsucht und Melancholie geht nicht. Textlich hängt sich der Song übrigens an dem großen thematischen Überbau unserer Band auf: Das Buch „Die Leiche“ von Stephen King bzw. der dazugehörige Film „Stand By Me“, der unlängst 35 Jahre alt geworden ist: Die vier Freunde Teddy, Gordie, Chris und Vern machen sich auf die Reise, eine Leiche zu suchen. Teddy Duchamp ist unser Lieblingscharakter aus der Geschichte und der vielleicht sympathischste Verlierer aller King Romane. Ein echter Freund, geparkt am Rande des Wahnsinns, das Herz stets auf der Zunge und immer eine Schippe drüber. Ein verdienter Namensgeber für DUCHAMP.

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Video Games And Coffee

Dieser Song erinnert mich musikalisch immer sehr an Saves The Day aus New Jersey. Whoohooo-Singalongs im Chorus, Drive in der Strophe und ein Jawbreaker-Zitat in der Bridge. Fertig ist ein Song über zu viel Kaffee, Videospiele und beste Nächte mit Freunden. Da muss man nicht mal Videospiel-Core Gamer wie ich sein, um zu verstehen, dass das die perfekte Konstellation und Grundlage für endlos gute Gespräche ist! Auch eine Art von Coming Of Age irgendwie…

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Black Water

Das hier ist textlich unser „Coffee Mug“ von den Descendents. Kaffee ist nicht nur ein Grundnahrungsmittel. Kaffee sollte ein Grundrecht sein. Da macht’s dann auch musikalisch totalen Sinn, dass nach dem geilen Prolo-Riff für’s Geldstücke im Pit Aufheben am Anfang direkt nur noch auf die Koffeintube gedrückt wird. Auch hier waren Kid Dynamite unterbewusst glaube ich sehr große Inspiration für das Riffing des Songs.

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Train Dodge

Das hier ist der andere Song mit direktem textlichen Bezug zu Teddy Duchamp und „Stand By Me“. Es gibt in dem Buch und dem dazugehörigen Film die legendäre Szene, in der die vier Freunde auf den Bahngleisen einer Brücke unterwegs sind und plötzlich ein Zug herannaht. Teddy Duchamp dreht in diesem Moment durch und will „Train Dodge“, zu Deutsch „Zug ausweichen“ spielen: Wer bleibt auf der Strecke stehen und wer springt zuerst von den Gleisen? Der Zug oder ich? Diese Szene haben wir textlich umgesetzt in einem Song, für den Christian Kruse, Basser von DUCHAMP und Mitglied von Bands wie Adam Angst, Waterdown, Pendikel oder Schrappmesser, die Ballergrundlage geschrieben hat. Im Chorus ziehen wir musikalisch den Hut vor Avail aus Richmond und mit Brian McTernan, der nicht nur Sänger von den famosen Battery ist sondern auch Produzent von u.a. Hot Water Music oder Strike Anywhere, haben wir wieder einen Gast für ein Feature gewinnen können, der nicht besser hätte passen können. Mehr Verzweiflung pro gesungerer Silbe geht kaum. Und natürlich auch End Hits Familien-Mitglied mit seiner neuen grandiosen Band Be Well!

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Old Dogs Don’t Die

Das hier war das erste Demo, welches Peter mir im Mai 2020 zugeschickt hat mit der Frage: „Haste nicht Bock, eine Band im Stil von alten Jade Tree Posi HC Bands mit mir zu machen?“. Ich entgegnete: „Gerne, aber ich sehe wegen der Pandemie derzeit nicht mal die DONOTS für Songwriting oder Proben. Wie soll das gehen?“ Er hat mich dann überredet, im heimischen Badezimmer, wenn meine Frau und unsere Tochter schon geschlafen haben, via Garageband einzusingen, was mir zu seinen Instrumentals einfiele. „Old Dogs“ hat ganze 2 Stunden gedauert vom Anhören über das Schreiben der Lyrics bis hin zum ersten fertigen Demo. Danach war uns klar: Das ist zu gut, um das einfach in einem Demo Giftschrank versauern zu lassen. Das haben dann auch alle Beteiligten unseres Donots eigenen Labels SOLITARY MAN RECORDS gesagt und entschieden, das Album zu veröffentlichen. END HITS RECORDS fand’s aber genauso super, so dass wir „Slingshot Anthems“ am Ende auf 2 Labels mit verschiedenen Covers und verschiedenen limitierten Vinyl Versionen, auf CD und digital veröffentlichen. „Old Dogs“ ist übrigens die erste Doppelsingle des Albums gewesen und hat ein Video bekommen, welches Dennis Dirksen geschnitten hat aus Zeichnungen von mir. Textlich spiegelt glaube ich kein Song so sehr das Lebensgefühl von allen in unserer Band wieder: Als Fourty-Something immer noch nicht zu wissen, ob man wirklich jemals der Definition nach erwachsen ist oder sein wird und was man eigentlich genau für ein Ziel hat. Aber das schöne ist: Bis hierhin hat’s geklappt – und zwar so gut, dass man vielleicht sogar die beste Wahl getroffen hat, keine wirkliche Wahl zu treffen. Irgendwie kommen alte Hunde schon durch. Unbeeindruckt, unbelehrbar, mit vielen Selbstzweifeln aber auch dem gewachsenen Vertrauen, dass das alles schon ganz gut so ist, wie es ist oder manchmal eben auch nicht.

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Nobody Ever Said Fuck The Fire Department

Hier waren Minor Threat und ähnliche Old School Bands geistiger Pate des Songs, denn manchmal braucht es gar nicht mehr als 20 Sekunden, um alles gesagt zu haben. Und dann reicht meistens auch ein einziger Minimal-Take, um das maximale Ergebnis zu erzielen. Der Kruse hat den Song in einem Bass-Take eingezockt. Textlich endlich mal Punk hier: Song gegen Bullengewalt. Kennste, ne? Das Intro übrigens aus „Ein Ausgekochtes Schlitzohr“: Sheriff Buford T. Justice himself!

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Don’t Pass The Torch

Der einzige langsame Song auf „Slingshot Anthems“. Wer „Hey Catrine“ von Lifetime kennt, der weiß, wohin die Reise geht: Gefühle. Durchatmen. Lyrisch geht’s darum, dass Punk und HC eigentlich nicht neu erfunden werden müssen. Das ist perfekt so, wie es ist. Das ist ein Zuhause für uns alle seit Jahrzehnten und das ist etwas, dass wir immer noch unbezahlbar großartig finden.

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50 Seconds Of PMA

Wenn schon eine Old School Scheibe, dann doch bitte auch mit einem klassischen PMA Text. Machen statt Warten. Selbermachen statt Machen lassen. Aus Kruses Demo haben wir einen H20-mäßigen fingerpointenden Crew-Mitgröler gemacht, der auch nach – wie der Titel schon suggeriert – gerade mal 50 Sekunden ins Ziel kommt.

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The Good Fight

Die andere poppige Nummer des Albums, aber mit gutem Uptempo dabei. Hat ein wenig was von alten Face To Face und zieht textlich in einer klassischen Beziehungskrise hier und da den Hut vor Bands wie Knapsack. Vielleicht musikalisch am ehesten im Chorus auch mit Dag Nasty zur „Four On The Floor“ Zeit zu vergleichen. Und eingekleidet mit Intro und Outro in den Sound eines alten Erziehungsvideos aus Atomkrieg-Angst-Zeiten in den Staaten. Immer schön unter dem Tisch in Deckung gehen, wenn die Bombe explodiert! Duck and cover, kids!

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Chopper, Sic Balls!

Der härteste Song als Rausschmeisser der Platte. Zum Schluss nochmal Old School, zum Schluss nochmal direkter Textbezug zu einer weiteren Szene aus „Stand By Me“. Der Schrottplatz, auf dem die vier Freunde vom Schrottplatzhund Chopper gejagt werden, dessen Besitzer ihn abgerichtet hat, „die Eier abzubeissen“. Die vier Freunde bemerken erst später, dass Chopper ein liebes Schoßhündchen ist und nicht so gruselig wie die Geschichten über ihn vermuten ließen. Ich freue mich sehr, dass dieser Song das Album textlich wie klanglich perfekt abschließt mit einem finalen Crew-Mittempo-Teil, der Melodie UND Rotz hat! Zack – so schnell gehen nicht mal 30 Minuten vorbei…

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Foto: Dennis Dirksen / Offizielles Pressebild

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