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Interview

Cadet Carter im Interview: „Wir zielen auf Herz und Magengrube“

Zu ihrem neuen Album “Anthems For The Weak”.

VON AM 17/07/2022

“Die Stimmung ist super, Stimme ist nicht so super!”. Nick Sauter – Sänger der deutschen Emo/Pop-Punk-Band Cadet Carter – musste zwar vor Kurzem aufgrund einer Infektion mit dem Kultvirus krankheitsbedingt einige Shows absagen, freut sich nun aber sichtlich auf den Release ihrer dritten Platte “Anthems For The Weak”, die am 15. Juli erschienen ist. Nach “Perceptions” (2020) bildet diese bereits ihr zweites Corona-Album, das mit durch den puren Kampfgeist der Münchener entstanden ist. “Wir konnten ‚Perceptions‘ nicht so wirklich betouren, haben uns davon aber nicht unterkriegen lassen.”

In der Zwischenzeit hat sich im Emo und Pop-Punk einiges getan: Angeführt von Acts wie Machine Gun Kelly, KennyHoopla oder Rückkehrerin Avril Lavigne erlebt der Sound der 2000er aktuell ein großes Revival. Als Band, die ebenfalls aus der Zeit kommt und diese auch stark in ihrer DNA verankert, sieht Nick großes Potenzial in der aktuellen Entwicklung: “Ich bin jetzt nicht der größte Machine Gun Kelly Fan, aber er funktioniert super als Einstiegsdroge für jüngere Leute, die wissen wollen, was es in diesem Genre noch so an Bands und Künstler*innen gibt, die etwas mehr Tiefgang haben. Ich hoffe, dass Cadet Carter eine dieser Bands sein werden.”

Soundtrack für High School-Movies?

Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist das Wort “Nostalgie”. Auch Cadet Carter kommen um das ein oder andere seltsame Kompliment nicht herum: “Vor ein paar Jahren lief ein Song von uns im Radio und da hat wirklich ein Bekannter von mir gesagt: ‚Ach cool, das erinnert mich voll an American Pie‘.” Als reiner Nostalgie-Act für Ü30er möchte Nick seine Band auf jeden Fall (zurecht) nicht abgestempelt bekommen. Auch wenn ihre Musik dieser Zielgruppe gefällt, steht vollkommen fest: “Unser Sound kommt im Hier und Jetzt an. Es ist 2022 und nicht 2004.”

Und genau das spürt man auch auf “Anthems For The Weak”. So zählt Nick nicht nur Jimmy Eat World & Co. als Einflüsse auf, sondern auch Indie-Bands wie The 1975, The BRKN oder Nightly. “Die Szenepolizei kommt bei manchen Soundgeschichten und wirft dir Verrat vor oder dass du nicht authentisch Pop-Punk machen würdest. Wir finden das ziemlich lustig, da wir ja unseren eigenen Sound haben wollen.” Ihre Affinität für etwas mehr Groove und die Integrierung von funkigen Beats wurde vor allem von George Perks (Enter Shikari, You Me At Six) entscheidend gepusht.

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Dass sich die Zusammenarbeit mit dem renommierten Produzenten ergab, wäre fast am eigenen Spamordner gescheitert. So hielten Nick und seine Kollegen seine initiative Anfrage zunächst für einen Scherz: “Wir haben den Namen irgendwann dann doch registriert und geguckt, was er so gemacht hat und waren dann eigentlich schockiert, dass er mit uns arbeiten will.” Schlussendlich hat es aber doch geklappt, und auch Drummer Benny Paska freute sich über die externe Hilfe und räumte mit Vergnügen den Produzentensessel für “Anthems For The Weak” frei. Songs wie “Pieces” schafften es auch erst durch Georges’ Hilfe in die Tracklist.

Keine 180-Grad-Wendung

Nick beschreibt die Herangehensweise an ihre neue Platte wie folgt: “Wir haben versucht auf den Sound den wir haben noch den ein oder anderen Farbklecks mit draufzubringen.” Im Zwei oder Drei-Jahresrhythmus dieselbe Platte rausbringen; das war noch nie eine Option für Cadet Carter. Auch ihr vermehrter Einsatz von Samples und Synths zeigt ihr stetiges Bestreben, sich von der restlichen Szene abzuheben: “Es gehört im Prinzip zur Standardausstattung. Es wird nicht darüber diskutiert, ob der Song Samples oder Synths braucht. Es wird grundsätzlich probiert, um auszutesten, wie weit man das treiben kann.”

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Letztendlich zählt für die Münchener sowieso nicht, ob sie mit ihrer Musik Normen erfüllen, sondern dass sie ihre Hörerschaft erreichen und genau an der richtigen Stelle treffen: “Unsere Songs sollen ins Herz und die Magengrube gehen und nicht zwangsläufig in den Kopf und in die Beine.” Auch für Cadet Carter stellten sich die letzten drei Jahre als große Herausforderung dar; diese sollten aber einfach nicht wie ein schwarzes Tuch über “Anthems For The Weak” liegen. So wählten sie einen optimistischeren Ansatz: “Wir wollten mit dem Album ein Licht am Ende des Tunnels signalisieren.”

Cadet Carter haben viel vor

Diese Zuversichtlichkeit sehen wir auch auf dem Artwork der Platte, für den die Band extra einen Bekannten mitten im kalten März im Neoprenanzug in den Starnberger See scheuchte. Und auch für die nächsten Monate hat sich das Quartett viel vorgenommen und blickt mit Freude in Richtung von Festivalauftritten und geplanten Touren im Herbst 2022 und Frühjahr 2023. Diese sollen sie unter anderem auch wieder ins Vereinigte Königreich führen, wo sie auch planen, ihre nächste Platte aufzunehmen. Mit George Perks seien sie auf jeden Fall schon wieder in “heftigen Liebestalks”, was das Thema angeht.

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Zum Abschluss eines wirklich schönen und langen Interviews habe ich mich mit Nick nochmal über den eingangs erwähnten Machine Gun Kelly und seine teuren Ticketpreise unterhalten. Daraufhin bat ich ihn, mir doch einfach mal ein paar Alternativen zu nennen, die man sich für weniger Geld in den nächsten Monaten reinziehen könnte. Demnach empfiehlt der Cadet Carter-Frontmann anstatt dem teuren Ausflug in die Lanxess Arena folgende 6 Bands: The Deadnotes, Attic Stories, The Bottom Line, Jetty Bones, The Colour Fred (Ex-Taking Back Sunday) und The Dangerous Summer.

Einen ganz persönlichen Gruß für die treue MoreCore-Leserschaft hat er ebenfalls noch da gelassen: “Ich wünsche mir, dass ihr MoreCore treu bleibt, weil es nicht mehr so viele Medien in Deutschland gibt, die genau das hier machen. Die sind sehr wichtig und sollten nicht weiter aussterben.”

Foto: Cadet Carter / Offizielles Pressebild

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