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MoreCore präsentiert

Bands im musikalischen Wandel – Themenreihe „Core-Relations“ (Teil 2)

Angeschnallt und die Sitze in eine aufrechte Position für die zweite Ausgabe unserer musikalischen Reisebegleitung.

VON AM 30/04/2020

Nachdem ihr im ersten Teil der Themenreihe “Core-Relations” Details über den musikalischen Wandel von unter anderem Parkway Drive und Bring Me The Horizon erfahren habt, widmen wir uns im zweiten Kapitel nun fünf weiteren Bands, die man bei einer akustischen Blindverkostung heute vielleicht kaum mehr wiedererkennen würde.

MoreCore Themenreihe „Core-Relations“ (Teil 2)

Gute Unterhaltung und Überraschungen mit Incubus, Hundredth, Emarosa, Tides Of Man und Asking Alexandria.

Core-Relations Analyse: Asking Alexandria

Ähnlich wie BMTH haben wohl Asking Alexandria einen extremen stilistischen Wandel vollzogen, wenngleich hierbei im Fokus eine gesangliche Weiterentwicklung des Herrn am Mikro steht. Aber vorab ein klitzekleiner Exkurs, denn 2008 startete die Band final aus den aufgelösten Amongst Us und nahm sich ersteinmal dem härteren Metalcore-Sound an.

2013 überraschte dann Sänger Danny Worsnop nach seinem Stimmbandriss Ende 2012 auf dem dritten Album “From Death to Destiny“ mit einer professionellen rauen Melodiestimme samt Tremolo, die charakteristisch locker den männlichen Gegenpart zu Künstlerinnen wie Bonnie Tyler oder Doro Pesch darstellen könnte und Anleihen aus dem Blues und der Countrymusik widerspiegelte. Auch Lead-Gitarrist Ben Bruce erklärte, dass der Sound des Albums mit Absicht “radiotauglich” geworden und die Band erwachsen geworden sei.

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2015 hatte der ukrainische Interimssänger Denys Schaforostow aka Denis Stoff (Ex-Make Me Famous) ein kurzes Intermezzo auf dem 2015er “The Black”, der Worsnop nach seinem Ausstieg wegen einer Refokussierung auf die Hard Rock-Supergroup We Are Harlot ersetzte. Stoffs Stimme rezitierte dabei eher wieder frühe Werke der Band, als dass sie mit dem warmen, souligen Timbre Worsnops hätte mithalten können.

Ben Bruce erklärte sich erneut zum stilistischen Wechsel und verwies auf Guns N‘ Roses und Van Halen als Einflüsse des Songwritings. 2016 stieß der originale Sänger nach einigen Querelen mit Stoff innerhalb der Band wieder zum Line-Up hinzu. Das selbstbetitelte 2017er Album markierte dann den deutlichsten musikalischen Wandel bis hin zum Stadion Rock-Charakter. Asking Alexandria wollten ein breites Spektrum abdecken und das schafften sie. Zur 2019er Single „The Violence“ erschien gar ein Dubstep-Remix aus der Feder Sikdopes.

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Core-Relations Analyse: Tides Of Man

Auch schon seit 12 Jahren mit dabei sind Tides Of Man. Eine Besonderheit der Band ist dabei aber, dass sie nur wenige Jahre ihrer Karriere einen Sänger ihr Eigen nennen konnten. Genau genommen stand Tilian Pearson (der die Band bereits 2010 für seinen Posten bei der Post-HC Band Saosin verließ) nur zwei Jahre am Mikrophon und Keyboard. Zusammen nahmen sie die zwei Alben “Empire Theory” (2009) und “Dreamhouse” (2010) auf und orientierten sich an atmosphärischen Post-HC Klängen mit einer gewissen tristen Grundstimmung.

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Nach dem Ausstieg von Pearson dauerte es vier Jahre, bis die Band 2014 ihr erstes instrumentales Album “Young and Courageous” veröffentlichte. Tides Of Man wendeten sich fortan von hektischen Post-HC Riffs ab und fanden eine neue Heimat im cinematischen Post Rock mit experimentellen und teils progressiven Elementen, was sie 2019 – dann auch mit ihrem 2018er Album “Every Nothing” – auch zum Kölner Progressive Music-Festival Euroblast nach Köln brachte. Klangwelten und Gitarrenmelodien ersetzten den bis zum Weggang Pearsons im Vordergrund stehenden Gesang.

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Core-Relations Analyse: Incubus

Incubus stachen einst im Fahrwasser von Bands wie Korn, 311, The Urge und Faith No More mit ihrem frischen und Funk basierten Sound heraus aus der Welle der 90s Crossover-Bands. Lateinamerikanische Drumbeats, ein stimmlich unglaublich talentierter und charismatischer Sänger, der nebenbei Djembe auf der Bühne spielte, ein groovender Slap-Bassist, der sich nach einem Porno-Darsteller benannte, ein DJ, der mit seinen Samples den Sound der Band anstatt sein Ego bereicherte und ein Gitarrist mit einer unbeschreiblich lockeren Fingerfertigkeit – das waren die Incubus der ersten Stunde.

Die 1997er EP “Enjoy Incubus”, auf die schon bald das epische “S.C.I.E.N.C.E.” folgen sollte war – um ein paar persönliche Worte zu verlieren – der beste Motivationsschub für mein damaliges Bass-Spiel und Bandproben. Um ihre Wurzeln im Funk, vertracktem Jazz und HipHop machte die Band nie ein Geheimnis. So coverten Incubus u. a. die 1990er Debütsingle “John The Fisherman” der abgedrehten Funk Metal-Band Primus, Kool and the Gangs “Joanna”, Herbie Hancocks “Rockit” oder “Still Not A Player” von Big Pun.

Der Funk wurde jedoch bereits auf dem Nachfolger “Make Yourself” deutlich zurückgefahren,. Dennoch wies die Platte klare Alternative Metal und NuMetal-Charakteristika und eine gewisse Grundaggression auf.

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Über die Jahre sammelte die Band mit jedem neuen Werk massenweise Gold- und Platinalben und entwickelte sich immer mehr in Richtung Ambient und Alternative Rock. “Morning View” war 2004 das bis dato softeste Werk der Band, was sich besonders in den Songs “Wish You Were Here”, „Echo“ und „Are You In?“ zeigte. 2004 landeten Incubus mit ihrem Alternative/Art Rock-Album “A Crow Left of the Murder…”, dem ersten Album nach dem Ausstieg von Dirk Lance, der am Bass von Ben Kenney (Ex-The Roots) ersetzt wurde sogar auf Platz 2 der deutschen Albumcharts und damit erstmals überhaupt in den deutschen Top 10.

Mit dem 2017er Alternative/Indie/Pop Rock-Album “8”, an dem auch Skrillex u.a. als Co-Produzent und Gitarrist maßgeblich mitwirkte konnte die Band nicht mehr an internationale Erfolge anknüpfen.

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Core-Relations Analyse: Emarosa

Seit 14 Jahren sind Emarosa mittlerweile im Geschäft, haben einst als Post-HC Band angefangen und verzeichnen mit Lead-Gitarrist ER White nur noch ein einziges Gründungsmitglied in ihren Reihen. Über die Jahre gaben sich sage und schreibe fünf Sänger die Klinke in die Hand, darunter Charaktere wie Jonny Craig (Ex-Slaves, Ex-Dance Gavin Dance uvm.) und Tilian Pearson (Ex-Tides Of Man, Dance Gavin Dance uvm.).

Das 2008er “Relativity” stach einst heraus aus der Masse der Mitte 2000er Post-HC Alben und Songs wie “The Past Should Stay Dead” oder „Set It Off Like Napalm“ sind auch heute noch kleine Meisterwerke.

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Seit 2013 steht nun Bradley Walden am Mikro, der eingangs auch optisch noch auf den gefeuerten Craig getrimmt wurde, auch wenn die Band laut eigener Aussage keinen zweiten Jonny Craig gesucht hatte. Und was sich auf dem 2014er Album “Versus” – dem Debüt von Walden – ankündigte, setzte sich auf dem 2016er “131” fort. Emarosa entsagten nach und nach dem Post-HC und öffneten ein neues Kapitel der Bandgeschichte hin zum Alternative Rock, dem sie mit dem akustischen 2017er Mini-Album “131 Reimagined” ein klares Statement verliehen.

Scheinbar war es den Herren aber hier schnell langweilig und man veröffentlichte 2019 mit “Peach Club” (US Indie Charts Platz 2) überraschend eine Mischung aus Synth Pop mit 80s-Flair und Pop Rock, was ihnen in Europa einen Support-Slot auf der Don Broco-Tour einbrachte. Und auch die aktuelle Single “Ready To Love”, bei deren Musikvideo Kingdom Of Giants-Frontmann Dana Willax die Art Direktion übernahm führt diese musikalische Linie fort.

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Core-Relations Analyse: Hundredth

Ach, was war das Geschrei einst groß, als Hundredth, die Lieblinge der Melodic Hardcore-Gemeinde es sich erlaubten, plötzlich Clean-Gesang und Schrammelgitarren einzusetzen. Aber einmal von vorn: Nach dem 2010er “When Will We Surrender” hatten Hundredth um Frontmann Chadwick Johnson spätestens ein Jahr später mit “Let Go” ihren Durchbruch in der Melodic Hardcore-Szene.

Nicht umsonst wurde die Platte in einem öffentlichen Voting, das vom Label Mediaskare veranstaltet wurde zum “Best Hardcore Album”gewählt. Songs wie “Weathered Town” oder “Remain & Sustain” oder auch das Johnny Cash-Cover “Hurt” waren und sind Hymnen einer Generation, die auf dem 2015er “Free” mit der Single “Break Free” noch einmal getoppt werden konnten.

Was sich musikalisch auf “Let Go” schon abzeichnete, aber niemand so richtig ernst nahm: “Soul” beinhaltet Auszüge des Outros des The Smiths-Songs „There is a Light that Never Goes Out“.

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2017 dann kam die große Herausforderung für Fans und “Fans”. Mit “Rare” veröffentlichte die Band ein Album mit nahezu komplett überarbeitetem Sound, der nun eher weicher und verträumt klang und eher dem Shoegaze und Indie Rock als irgendeiner Hardcore-Spielart zuzuschreiben war. Chadwick sang. Er sang clean. Und das sogar ziemlich gut. In Songs wie “Neurotic” finden sich noch klare Relikte der Melodic Hardcore-Vergangenheit der Band, wobei “Vertigo” den Schwermut der 70er/80er Dark Wave-Bewegung zitierte.

Während sich viele “Fans” vor den Kopf gestoßen fühlten und sich von der Band abwandten, lobten Kritiker das Album beinahe durchweg und das Magazin Stereogum wählte es in seine Top 50 Albums Of 2017. 2018 erfuhr die Platte dann sogar einen Remix in Form von “Ultrarare”,der auf sieben Songs Neuinterpretationen bot, produziert gemixt und gemastert von Chadwick Johnson selbst. Die hundertprozentige Synth Pop-EP verzichtete dabei auf verzerrte Gitarren, die durch Synthesizer und elektronische Soundeffekte ersetzt wurden.

Nachdem die Band sich Ende 2018 von ihrem Label Hopeless Records trennte und seitdem selbstverwaltet agiert, haben Hundredth mit “Whatever”, “Iridescent”, “Leave Yourself” und “Cauterize” vier weitere unabhängige Singles veröffentlicht, welche die Konsequenz des beabsichtigten Wechsels eindrucksvoll verdeutlichen. Anfang 2020 konnte man sich auf einigen wenigen Shows in Europa – darunter auch in Köln – davon überzeugen, dass die Band weiterhin live vollkommen glaubwürdig ist.

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Ein stilistischer Spagat kann wehtun – oder ein Schritt nach vorn sein

So manche der in dieser Folge erwähnten Bands haben mit ihrem musikalischen Wandel wahrlich überraschen können und teilweise einen stilistischen Spagat hingelegt, der andere Musiker schon im rechten Winkel erzittern lassen würde. Wir haben gesehen, dass es nicht mal das Alter einer Band sein muss, das zum Wunsch, sich zu verändern führen kann. Manchmal ist es ein simpler Besetzungswechsel oder der Mut, persönlichen Vorlieben den Raum zu geben, den man ihnen vielleicht schon immer geben wollte.

In der kommenden dritten und vorerst letzten Folge der Themenreihe “Core-Relations” erfahrt ihr, was ein toter Bachelor mit Weezers Rivers Cuomo zu tun hat und wie man den Weg aus dem Horror-Punk in Synth Pop-Gefilde findet.

Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore: Quinten Quist

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