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Interview

Awolnation: „Ich zolle verschiedenen Liedern Tribut, die mir ein gutes Gefühl geben.“

Aaron Bruno im Interview zum Coveralbum "My Echo, My Shadow, My Covers & Me"

VON AM 18/05/2022

Vermutlich hätten Awolnation selbst nicht damit gerechnet, dass ihr zweites Album „My Echo, My Shadow, My Covers & Me“ unter Better Noise Music ein Coveralbum sein würde. Wir haben uns für euch Aaron Bruno geschnappt und ihn ein wenig über die fast schon seltsam zusammengestellte Tracklist ausgefragt. Welche Motivation er aus dieser Arbeit zog und warum er insbesondere ein Cover in seiner Gestalt von Grund auf änderte, verrät der Musiker im Interview.

Awolnation-Frontmann Aaron Bruno im Interview

Hier in Europa neigte sich der Tag allmählich dem Ende, während der Sänger in den Vereinigten Staaten gerade aufgestanden war und noch völlig übermüdet am Telefon hing. Wenige Sekunden zuvor spielte noch das aktuelle Album „My Echo, My Shadow, My Covers & Me“, welches mit seinen groovigen Elementen zum Tanzen einlädt. Die Auswahl der Tracklist ist auf jeden Fall ungewöhnlich, wenn nicht sogar erfrischend. „Ich würde es als eine zufällige Zusammenstellung von lustigen Liedern beschreiben, die zufällig eine leichte Tendenz zu Traurigkeit und Isolation haben. Als ich anfing, diese Lieder zusammenzustellen, habe ich sie nicht systematisch aufgeschrieben.“

Aufgrund des anhaltenden Stillstandes wurden neben Alben auch Touren verschoben oder gar gecancelt. Die Tätigkeiten der Musiker waren daher limitiert – damit war es die perfekte Zeit, um Kollegen nach einer Zusammenarbeit zu fragen. „Ein Album mit verschiedenen Sängern zu machen und sich nicht sehen zu müssen – es war die ultimative soziale Distanzierung. Es war das, was einem Treffen am nächsten kam. So etwas wäre vor 10-25 Jahren nicht möglich gewesen.“

Für Sänger Aaron war es auf jeden Fall die bessere Möglichkeit auf Cover auszuweichen, anstatt originale Lieder zu produzieren. Denn sein vergangenes Werk „Angel Miners & the Lightning Riders“ ist 2020 aufgrund der Pandemie mehr oder weniger „untergegangen“. Trotzdem hat ihm dieser Arbeitsprozess neue Kraft gegeben, um sich ebenfalls frischen Awolnation-Songs zu widmen – daraus wurde ein neues Album. Bruno hofft darauf, dass noch Ende des Jahres mindestens zwei neue Singles erscheinen werden: wir lassen uns überraschen!

Ein weiteres Coveralbum wird zumindest in nächster Zeit nicht mehr in Betracht gezogen – davon habe er wohl vorerst genug. Mit seinen Versionen wollte der Sänger einfach ein wenig Spaß haben und sich der dunklen Zeit entgegenstellen. Die Originale wolle er auf jeden Fall nicht revolutionieren: „Bei keinem dieser Coversongs erwarte ich, dass irgendjemand sie besser als das Original hält. Das ist nicht das, was ich hier suche oder erwarte. Ich zolle verschiedenen Liedern Tribut, die mir aus verschiedenen Gründen ein gutes Gefühl geben.“

Insbesondere an die Entdeckung von „Just A Friend“ von Bis Markie erinnert er sich gerne – als die Single in den späten Achtziger-Jahren veröffentlicht wurde, hatte Aarons Bruder Vince die Platte in seiner Musiksammlung stehen. Heimlich hörte er sich seine Musik an und kam somit zum ersten Mal mit Rap und Underground-Musik in Berührung. Die Version von Awolnation klingt dem Original ziemlich getreu. Damit bleibt er allerdings nicht der Einzige – beinah jeder Song blieb dem Original sehr getreu. Dafür wurden sie in die Gewänder von Awolnation gesteckt und erhielten einen poppigeren Touch. Nur die Version von „Flagpole Sitta“ tanzt völlig aus der Reihe!

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„Der Grund dafür ist, dass ich den Song aufgenommen habe, bevor ich überhaupt wusste, dass ich dieses Coveralbum machen würde. Ella [Elohim] schickte mir ihre Stimme als Acapella und erklärte mir, dass sie manchmal während ihrer Auftritte Coversongs spiele. Es klang so schön und verletzlich. Außerdem unterstrich es den intensiven Text des Liedes. Also habe ich den ganzen Sound, die Produktion und das Instrumentarium um ihre Stimme herum aufgebaut. Deshalb klingt es auch so anders und ungewöhnlich.“

Damit haben die Alternativen Rocker ein Album kreiert, auf das man fast durchgängig zu tanzen kann. Hin und wieder laden langsamere Balladen zum Innehalten und nachdenken ein. „My Echo, My Shadow, My Covers & Me“ zeigt ein Teil der Persönlichkeit von Aaron Bruno – wie das wohl auf dem kommenden Album aussehen mag?

Foto: Kari Rowe / Offizielles Pressebild

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