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ProgressiveRock

Live bei: Opeth & The Vintage Caravan in Wiesbaden (14.11.2019)

“In Cauda Venenum” ist möglicherweise das Opeth-Album, das sich viele gewünscht haben. Statt einer Repetition dessen, was auf „Heritage“ angefangen, ...

VON AM 21/11/2019

“In Cauda Venenum” ist möglicherweise das Opeth-Album, das sich viele gewünscht haben. Statt einer Repetition dessen, was auf „Heritage“ angefangen, auf „Pale Communion“ weitergespinnt und auf „Sorceress“ ausgeschlachtet wurde, fokussieren sich Opeth auf die „progressive“, bzw. technische Seite ihrer Musik, bleibem irgendwie ihrem Retro-Sound treu, fassen aber auch neue Elemente in ihren Blick. So ist „In Cauda Venenum“ das wohl spannendste Opeth-Album der letzten Jahre und sorgte am 14.11 nicht zufällig für ein fast-ausverkauftes Konzert in Wiesbaden.

The Vintage Caravan

Irgendwie bezeichnend, dass Opeth eine Band wie The Vintage Caravan mit auf Tour nehmen. Alleine das Vintage im Namen der isländischen Band spricht doch sehr für den Sound, den Opeth ab „Heritage“ an den Tag gelegt haben. The Vintage Caravan jedoch sind eine vergleichsweise junge Band, die sich zwar einem gewissen Retrosound verschrieben hat, diesen aber dennoch mit modernen Elementen anreichert. So strukturiert sich das 45 minütige Set der Isländer mit harten, treibenden Songs, wie auch ruhigeren Tracks, die alle durchweg rockig, teils bluesig, aber auch eingängig sind.

Insbesondere Tracks wie „Reflections“, „Innerverse“ und „Babylon“ fanden großen Anklang im Publikum, das bereits so früh in großer Zahl vorhanden war, dass man den Eindruck hatte, das sie The Vintage Caravan auf keinen Fall verpassen wollten. So hatten die Isländer zwwar das unglückliche Los des Openers, aber auf der anderen Seite auch das Glück auf ihrer Seite, denn bereits zu Beginn um 1:45 war die Halle zu geschätzt ¾ gefüllt. Eine Größe, die The Vintage Caravan abseits von Touren mit Bands wie Opeth wohl eher selten bespielen können. Mit jeder Menge Power haben die drei Musiker sichtlich Spaß auf der Bühne und genießen ihr Set vollends, ein schöner Act, der passend auf das bevorstehende vorbereitet.



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Rodney Fuchs (Rodney Fuchs)

Opeth

„Garden Of Earthly Delights“ läuft als Playback und fungiert, wie auf dem Album, als Opener für das Konzert. Langsam macht sich eine Stimmung breit, die Kennern von „In Cauda Venenum“ bekannt ist und auch wie auf dem Album fortgesetzt wird. Die wabernden Synthesizer bereiten den triumphalen Beginn des Konzerts vor. Als Opeth die Bühne betreten beginnt ein Lichtermeer auf der LED Leinwand hinter der Bühne an zu blinken. Mit „Dignity“, bzw. dem schwedischen Pendant „Svekets Prins“ beginnt das Set der schwedischen Progressive Death Metal Veteranen. Rhythmisch fokussiert und mit jeder Menge Groove überzeugen Opeth schnell das Publikum von den Klängen des neuen Albums „In Cauda Venenum“. Insbesondere der fulminante Beginn wirkt wie ein Knall, wenn auch die Härte im Song eher einen untergeordneten Aspekt einnimmt.

Doch auch ein wahrer, harter Gassenhauer wird mit „The Leper Affinity“ direkt hinterher gefeuert. Gleich zu Beginn zeigen Opeth, dass sie eben auch noch die alten, harten Songs ihrer Karriere auf dem Kasten haben und auch, dass sich an Mikael Akerfeldts unfassbar fettem Organ nichts geändert hat. Dennoch verzichten Opeth seit Jahren auf den Einsatz von Growls, was auch im folgenden „Heart In Hand“ wieder offensichtlich wird.

Opeth
Opeth
OpethFotos im Auftrag von MoreCore.de: Rodney Fuchs (Rodney Fuchs)

Ein bunter Mix

Die folgenden Tracks der Setlist umfassen einzelne Stücke von Watershed, Heritage, Pale Communion, Ghost Reveries und Damnation. „Reverie / Harlequin Forest“ greift erneut den Progressive Metal Aspekt der frühen Opeth auf. Erfrischend auch, dass die Wahl eines „Ghost Reveries“ Songs nicht erneut auf „Ghost Of Perdition“ fiel, sondern den 11minütigen Doppeltrack wählte. Vielleicht auch aufgrund des ruhigen und experimentellen zweiten Teils. Songs von „Heritage“ fanden in den letzten Jahren eher selten Einzug in die Setlist von Opeth. Dabei hat das Album eine unfassbar bestechende Ruhe und Geduld zu bieten, die auch in „Nephente“ klar erfahrbar ist. Mit jazzigem Touch und der Verwendung von Hot Rods an den Drums, schraubt sich der Track enorm zurück und wird zu einer gefühlvollen Erfahrung, die dem Publikum nichts als pure Sinnlichkeit abverlangte.

Opeth bauen sich schleichend wieder auf und liefern mit „Moon Above, Sun Below“ einen Track, der nach „Cusps Of Eternity“ und „Eternal Rains Will Come“ prädestiniert war, im Schatten zu stehen. Tatsächlich greift „Moon Above, Sun Below“ teilweise aber perfekt auf, was The Vintage Caravan zuerst ablieferten, wenn auch die Hammond-Orgel einen klaren Opeth Anstrich verpasst. Wer jetzt wieder etwas hartes erwartet hat, wurde auch erstmal mit einem „Damnation“-Track belohnt. Auch „Hope Leaves“ ist ein Track der hinter „Windowpane“ und „In My Time Of Need” eher im Schatten steht, aber dennoch mit einer ähnlich intimen Atmosphäre begeistert.

Es zeichnete sich Stück für Stück ab, dass Opeth sich auf Songs konzentrierten, die in Vergangenheit eher weniger zum Zuge kamen. Darüber hinaus wurde die Mitte des Sets überraschend ruhig und ausgeglichen konzipiert. Im Kontrast dazu stehen einzig „Reverie / Harlequin Forest“ und „The Lotus Eater“, die die Ruhe der vorangehenden Tracks einklammerten. „The Lotus Eater“ knallte erneut fiesen Prog-Death-Metal um die Ohren, bot schnelle Blast Beats, abgefahrenes Riffing und einen treibenden Beat, der das Publikum in Bewegung zu versetzen wusste.

Opeth
Opeth
OpethFotos im Auftrag von MoreCore.de: Rodney Fuchs (Rodney Fuchs)

Das große Finale

Eine positive Überraschung war das Ende, das mit „Allting Tar Slut“, der schwedischen Version von „All Things Will Pass“, eingeleitet wurde. Wie auch auf „In Cauda Venenum“ beendete dieser Song das reguläre Set von Opeth mit seiner träumerischen Melodie und hinterlässt ein nostalgisches Gefühl, das fast schon für ein komplett zufriedenstellendes Konzerterlebnis gereicht hätte. Doch, dass Opeth nicht von der Bühne gehen ohne den einen Track von „Sorceress“ zu spielen, hätte man sich denken können. Etwas dröge wirkte der Titeltrack im Vergleich zum magisch anmutenden Vorgänger. Dass Opeth ihre Zugabe mit „Deliverance“ vollendeten, ließ „Sorceress“ noch unspektakulärer wirken. „Deliverance“ ist am Ende der einzige ältere Song, den man sich von Opeth hätte versichern lassen können. Mit dem Live-Dauerbrenner gelang es den Schweden das Publikum vollends von sich zu überzeugen. Ließ neben grinsenden Gesichtern aber auch erschöpfte Ohren zurück. Knappe zwei Stunden Set werden dem Preis, vor allem durch die spektakuläre Liveproduktion des Konzerts, allemal gerecht.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Rodney Fuchs (Rodney Fuchs)

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