Live

Metalcore

Live bei: Wage War in Köln (09.10.2022)

Ein herrliches Bundle.

VON AM 13/10/2022

Wenn die altehrwürdige Live Music Hall in diesen Zeiten an einem Sonntagabend schon kurz vor Beginn so gut wie komplett voll ist, dann hat man als Veranstalter:in definitiv etwas richtig gemacht. Offensichtlich trifft das Package aus Wage War, The Devil Wears Prada und Siamese den Geschmack vieler Metalcore-Fans.

Siamese

Als die Dänen von Siamese pünktlich um 20 Uhr die Bühne betreten, fühlt sich das dann auch gar nicht nach Support-Act an. Der Sound ist zum einen sehr klar und zum anderen auch extrem wuchtig. Das Auftreten der Band tut sein Übriges. Man merkt der Band um Sänger Mirza Radonjica an, dass sie inzwischen auch schon seit über 10 Jahren unterwegs sind. Das ist keineswegs negativ gemeint. Vielmehr gelingt es der Band, auch diejenigen zu überzeugen, die ihr Ticket vielleicht nicht unbedingt wegen Siamese gekauft haben. Spätestens mit der emotionalen, weil authentischen Ansage zu „Sloboda“, dem Song, in dem Radonjica die Geschichte seiner Flucht von Bosnien nach Dänemark verarbeitet, schafft es die Band, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Band wird – so viel steht nach der halben Stunde Spielzeit fest – einige Fans hinzugewonnen haben.

The Devil Wears Prada

Die Umbaupause für The Devil Wears Prada ist erfrischend kurz. Dass es nun gerade vorne schon kuschelig eng wird, zeigt, dass TDWP jedenfalls für einen Teil der Anwesenden das Highlight des Abends sein werden. Und als die Band um 20:50 Uhr mit „Sacrifice“ von ihrem neuen Album Color Decay loslegen, gibt es kein Halten mehr. Einziger Wermutstropfen: Anders als bei Siamese passt der Sound noch nicht so wirklich.

Und besser wird es im Verlauf der etwa 40-minütigen Show auch nicht. Die Gitarren drücken nicht so wie sie sollten. Die Bassdrum macht auch nicht wirklich das, was sie soll. Der Gesamtsound ist an vielen Stellen zu sehr Mischmasch. Schade, denn so geht einiges der Energie, die TDWP definitiv auch an diesem Abend auf die Bühne bringen, verloren. Zum Glück wirkt sich der allenfalls mäßige Sound nicht auf die Stimmung in der Crowd aus. Die Setlist ist eine gute Mischung aus inzwischen 17 Jahren Bandgeschichte. Gerade das Ende mit „Chemical“ hat noch einmal Gänsehautpotential.

Wage War

Nach The Devil Wears Prada findet nicht nur auf der Bühne ein – erneut angenehm zügiger – Changeover statt. Nein, ein solcher vollzieht sich auch im vorderen Bereich der Halle. Die TDWP-Fans machen Platz für diejenigen, die vor allem für Wage War hier sind. Es mag oberflächlich sein, aber jedenfalls in Sachen Optik und Alter unterscheidet sich die TWDP-Fraktion von den Wage War-Ultras. Einerseits die Metalcore-Fans mittleren Alters – sozusagen mit der Band gewachsen. Andererseits die deutlich jüngeren und optisch metallastigeren Fans des Quintetts aus Florida.

Und dass Wage War inzwischen ein würdiger Headliner einer solchen Tour sind, wird von der ersten Minute ihres etwa 75-minütigen Sets klar. Der Sound ist klar definiert und wuchtig, wobei die Clean Vocals von Gitarrist Cody Quistad hier und da etwas deutlicher herausstechen könnten. Dafür zeigt sich gerade Fronter Briton Bond in Höchstform und zieht das Publikum in seinen Bann.

Es ist schon bemerkenswert, welche Massen die Band inzwischen bewegt. Gerade wenn man bedenkt, dass Wage War 2020 bei ihrer letzten Tour gerade einmal das Gloria in Köln gefüllt haben. Die Band ist ein gutes Beispiel dafür, dass man offensichtlich auch in der Pandemie wachsen kann. Ein wesentlicher Baustein für diesen Erfolg wird das 2021er-Album Manic sein. So verwundert es wenig, dass ungefähr die Hälfte der 15 Songs starken Setlist eben von diesem Album stammt. Das trifft dann auch den Geschmack des – wie schon erwähnt – überraschend jungen Publikums. Wage War müssen ganz offensichtlich erst einmal keine große Angst haben, dass ihre Fans allzu schnell „aussterben“ werden.

Ein nahezu perfekter Abend

Die ein oder der andere wird vielleicht auf etwas mehr Kommunikation zwischen den Songs gehofft haben, doch hier hält sich Briton Bond weitgehend zurück und lässt die Songs sprechen. Dem Großteil des Publikums macht das aber gar nicht aus und so bleibt die Stimmung in der Halle auch bis zum Ende kurz vor 23 Uhr konstant gut. Als die Band dann diesen Abend mit der Zugabe – „Stitch“ vom Album Deadweight – beendet, entschwinden ausschließlich zufriedene Gesichter in die Ehrenfelder Nacht. Wie gut, dass auch in diesen schwierigen Zeiten ein Konzertabend – von ganz kleinen Schönheitsfehlern abgesehen – so rundum perfekt verlaufen kann.

Wage War

Wage War

Wage War

Wage War

Wage War

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

More

Feature

Acres

Lange Zeit war es fast schon besorgniserregend still um Acres. Die Band aus Südengland veröffentlichte 2019 das Album „Lonely World“. …

von