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Live bei: Staind „20th Anniversary Of Break The Cycle“ (08.05.2021)

Metalcore- statt Alternativ-Band?

VON AM 18/05/2021

Nachdem sich Fans am Streaming-Event des neusten Live-Albums „Live: It’s Been Awhile“ von Staind erfreuen konnten (hier geht’s zum Bericht), gab es auch noch einen Teil 2. Zum zwanzigjährigen Jubiläum des Albums „Break The Cycle“ gab es einen Livestream, während die Band das Album in voller Länge spielte. Dies brachte die Truppe zu ihren Wurzeln in Western Mass, genauer gesagt zum Mill 1 am Open Suare in Holyoke, zurück.

“Our first show together in 1995 was at a now defunct bar called the Waterfront in Holyoke. We played mostly covers, because that’s what you had to do back then. Turns out The Waterfront is two miles from where we did this. Here we are, two miles down the road, 26 years later, celebrating the anniversary of the album that helped us break though 20 years ago and altered our lives forever.”

Die letzten Sekunden des Countdowns verstrichen. Hoch über den Straßen und Häusern flog eine Drohne, die die alte Fabrikhalle in ihrem Gesamtpaket einfing. Ganz symbolisch flog diese durch die geöffneten Fenster, hinein in das Geschehen.

Es sah ganz so aus, als würden die Türen der Halle für die Fans geöffnet werden und die Band stünde bereits auf der Bühne, um die Familie herzlich zu grüßen. Eingetaucht in den Farben der LED-Lichter standen die Member bereit, um den ersten Song zu spielen.

Können Staind nach all den Jahren noch überzeugen?

Die Aufnahmen zum aktuellen Album und damit auch der vergangene Livestream stammen aus dem Jahre 2019. Daher ist noch gar nicht so viel Zeit vergangen. Jedoch bedeutet das viel Zeit für eine Stimme, um sich zu verändern, solange man sie nicht gewissenhaft trainiert. Auch wenn jeder aus dem Quartett sein Instrument beherrscht, die Drums eine stampfenden Beat erzeugen und die Gitarren kreischen, fällt doch ein wenig Sänger Aaron Lewis aus der Reihe.

Staind
Foto: Steve Thrasher

Auch er kann seine Gitarre noch immer beherrschen, doch seine Stimme lässt allmählich nach. Klar, nach 20 Jahren und einem gewissen menschlichen Alter verändert man sich und die Stimme gleich mit. So kam es dazu, dass Töne in den clean Vocals nicht mehr zu 100% getroffen oder bestimmte Höhen nicht erreicht wurden. Doch in Zweistimmigkeit mit dem Bassisten Johnny April wird die Harmonie immer wieder getroffen und der Alternative Charme der Band wird zum Leben erweckt.

Staind
Foto: Steve Thrasher

Trotz allem sollte die Hoffnung nicht aufgegeben werden! Auch wenn die Songs nicht mehr 1:1 so klingen, wie sie aufgenommen wurden, weiß die Band sich anzupassen. Aaron Lewis hat ein Ass im Ärmel. Nicht nur ich selbst, sondern auch viele andere Fans sind unglaublich von seinem Screaming und Growling überrascht, das er besser beherrscht als je zuvor. „Can’t Believe“ klingt dadurch eine Nummer härter, als sie im Original war. Außerdem ersetzt er immer wieder Clean Vocal-Passagen durch Screaming Einlagen wie zum Beispiel während „Suffer“. Neues Material wäre ja wirklich durchaus spannend!

Staind
Foto: Steve Thrasher

Doch wo der Rest der Truppe unaufhörlich auf- und abspringt und offensichtliche totale Leidenschaft und Spaß an der Sache zeigt, wirkt der Sänger stark in sich eingekehrt und verschmilzt mit dem Mikrofon zu einem Element. Ob er wirklich vor Ort sein wollte oder nicht, diese Frage hat man sich des Öfteren gestellt, als er dort stand und seine Playlist zum Besten gab.

Staind
Foto: Steve Thrasher

Livstream oder nicht Live-Stream, das ist hier die Frage

Zunächst war der Stream als ein „Livestream“ betitelt. Für manch einen Käufer ist dies ein Grund, um sich für den Kauf einer Karte zu entscheiden oder dagegen. Manch ein Fan hegt gewisse Erwartungen, wenn es dabei um eine „Live-Show“ geht. Doch relativ schnell nach Beginn wurde erkannt, dass es sich bei dieser Aufzeichnung nicht um einen Live-Stream handelte. Und dies wurde auch heiß in der Kommentarfunktion diskutiert.

Staind
Foto: Steve Thrasher

Die einen nahmen es hin, die anderen waren enttäuscht und hätten mehr von Staind erwartet, die bereits so lange im Musikbusiness beschäftigt sind.

Staind
Foto: Steve Thrasher

Zwischendurch gab es einige Storytelling-Einschübe, in denen sie über die Entstehung des Albums und den damit entstandenen Erfolg berichtet haben. Natürlich wurde auch über die Freundschaft zu Limp Bizkit-Frontmann Fred Durst berichtet, der einen großen Beitrag zum Song „Outside“ beigetragen hatte.

Staind
Foto: Steve Thrasher

Doch trotz allem war die Qualität im Gesamtpaket ziemlich vernünftig. Ton, Bild und Licht standen in einem guten Verhältnis zueinander und gaben kaum etwas zum Meckern. Manch ein Livestream artet in den vielen verschiedene Perspektiven der Kameras aus.

Hier legte man mehr Wert darauf, sich minimalistisch zu verhalten und ein wildes Umschalten zu vermeiden. Man fühlte sich als Zuschauer aus der Ferne eher wie vor Ort, als vor einem Fernseher oder Computer, der am Ende der Welt steht.

Beitragsbild: Steve Thrasher

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