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Live bei: Southside Festival 2024 (21.-23.06.2024)

Ganz viel Matsch und ganz viel Nostalgie.

VON AM 26/06/2024

Es war eine Party, die sich gewaschen hat. Das Southside Festival fiel in diesem Jahr wettermäßig ins Wasser, konnte aber trotzdem dank einheizender Auftritte und einer feuchtfröhlichen Stimmung für jede Menge Sonnenschein in den Herzen seiner Besucher:innen sorgen.



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Der Freitag

Während am Anreisetag noch schönstes Zeltaufbau- und Flunkyball-Wetter herrschte, mussten Veranstalter, wie Besuchende am Freitag um den ersten Festivaltag bangen. Bereits im Vornerein sahen die Wetterberichte nicht gut aus, weshalb eine Gewitterwarnung am ersten Tag direkt dafür sorgte, dass der Einlass verschoben wurde. Für die ersten Besucher, die um Punkt 14 Uhr schon wartend vor den beiden Eingängen zum Gelände standen, vielleicht etwas enttäuschend und auch nervig, bedenkt man aber was dem Festival, dass bereits eine gewisse Unwetter-Geschichte hat („Was du findest das schlimm? Dann warst du 2016 aber nicht hier!“), komplett nachzuvollziehen. Gegen 15.15 Uhrgab es dann die vorläufige Entwarnung und das Festival startete in seine 23. Ausgabe.

Die beiden Starterbands Sea Girls und The Mysterines hatten Pech. Sie mussten aufgrund der Verspätung ihre Auftritte einkürzen, blieben aber (zum Glück der anderen) die einzigen Gruppen, denen dieses Schicksal an diesem Wochenende auferlegt wurde. Die Red Stage hingegen wurde pünktlich von der Punkrockformation Adam Angst eröffnet. Die sahen zwar schwarz für das Festival („Mal schauen wie lange hier das noch so geht…“), bescheren dem bereits eingekehrten, in buntes Plastik-gewickeltem Publikum aber dafür ihre ersten Moshpits.

Adam Angst Southside 2024
Adam Angst Southside 2024
Adam Angst Southside 2024Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Punk und Tränen

Auch der restliche Freitag stand im Zeichen des Punkrock – gegen 17 Uhr musste die schwere Entscheidung gefällt werden: Team Scheisse oder Feine Sahne Fischfilet? Und da man ja noch gar nicht richtig nass wurde, entschied man sich für letztere, die die grüne Hauptbühne rocken durften. Vor tausenden Menschen rissen die Vorpommeraner ihre deftigsten Hits herunter, sparten nicht an ihren gewohnten Ansagen gegen rechts und sorgten mal wieder für ordentlich (bunten) Rauch vor und auf der Bühne.

Feine Sahne Fischfilet Southside 2024
Feine Sahne Fischfilet Southside 2024
Feine Sahne Fischfilet Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Der Abschiedsauftritt von Sum41, welche in diesem Jahr ihre letzte Tour der Bandkarriere bestreiten werden, gestaltete sich zwar gerade dem Ende gegen, emotional, büßte aber dennoch überhaupt nichts an Live-Energie ein: Von den neuen poppigen „Heaven:x:Hell“-Nummern, wie „Landmine“ bis hin zu den Klassikern „Still Waiting“ und „Fat Lip“, welchen Sänger Deryck Whibley dem Publikum widmet, wurde einer der letzten Auftritte dieser Pop Punk-Ikone in Deutschland gebührend zelebriert.

Sum 41 Southside 2024
Sum41 Southside 2024
Sum41 Southside 2024
Sum41 Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Daran schließen sich die nächsten Szenegrößen an, die zwar noch etwas älter sind, aber noch nicht mal ans Aufhören denken. Tatsächlich haben The Offspring gerade erst ihr neues Album „Supercharged“ angekündigt. Daraus gab es am Freitagabend bereits die erste Single „Make it All Right“ zu hören – aber natürlich auch die typischen Banger, wie „Pretty Fly For A White Guy“, zu dessen Takt riesige Luftpuppen hin und her wedelten. Das erste Mal feierten auch die Konfetti-Kanonen ihren Einsatz – sowie die absolut schrecklichen Filter auf den nigelnagelneuen Großbild-Leinwänden.

Headliner Bring Me The Horizon begeistern die Nex Gen

Spätestens zum Auftritt vom Headliner des Abends – Bring Me The Horizon – musste sich das Publikum vor der Green Stage bereits drücken und schieben: es ist knüllevoll mit Fans und allen, die mitgeschleppt wurden. Trotz weniger technischer Probleme, die Oli Sykes nicht gerade begeistern konnten („I think we have gremlins here… This is not the way we wanted to headline Southside Festival the first time ever”), liefen die Laser, Nebelmaschinen und Feuerspucker quasi heiß und bescherten dem ersten Festivaltag einen gebührenden Abschluss aus emotionalen Videoeinspielern, dynamischer Bühnenbespielung und durchdringenden Modern Metal-Sounds.

Bring Me The Horizon Southside 2024
Bring Me The Horizon Southside 2024
Bring Me The Horizon Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Der Samstag

Was Freitag noch grün war (eher so am frühen Morgen) ist spätestens jetzt zu einer braunen Matsch-Pfützen-Pampe geworden. Wie in der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag nochmal verkündet wurde, waren die Böden durch den nassen Frühling bereits komplett gesättigt, so dass das Wasser sich seinen eigenen Weg bahnte. Aber das Southside war gut vorbereitet: Über 6200 Tonnen Schotter wurden gestreut, dazu unzählige Ballen Heu und Hackschnitzel. So konnte sich das Festival zwar nicht als Wacken 2.0 beweisen, dafür aber seine Infrastruktur auf dem Gelände soweit aufrecht erhalten, dass fast jeder Weg passierbar blieb (wir reden über den Matsch, nicht über die menschlichen Barrikaden).



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Punk – die Zweite

Dieser Sumpf machte einer Künstlerin aber nichts aus, ganz im Gegenteil sogar: Die Hamburger Punknudel Deine Cousine, verbrachte sogar eine kurze Weile von ihrem halbstündigen Auftritt in dessen Mitte und ließ die bereits eingekehrten Southsider Runden um sie drehen. Intensiv und kompakt gab es eindeutige Stimmungsmacher zu hören, gespickt mit politischen Ansagen und einem durchgängigen Dauergrinsen der energetischen Künstlerin.

Deine Cousine Southside 2024
Deine Cousine Southside 2024
Deine Cousine Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Während The Gaslight Anthem es ruhiger angingen und für einige romantische Momente vor der Green Stage sorgten, wurde mit Idles und ihrem Post-Punk wieder voll aufgedreht: Was zunächst vielleicht recht unscheinbar in seinem roten Winston-Regenmantel wirkte, konnte schnell für mächtig Stimmung im Publikum sorgen: Laut, intensiv, psychedelisch. Ein Jemand schaffte es sogar auf die Bühne – und wurde direkt von Sänger Joe Talbot auf die Schultern gestemmt – definitiv der wildeste und positiv überraschendste Ritt des Wochenendes.

The Gaslight Anthem Southside 2024
The Gaslight Anthem Southside 2024
Idles Southside 2024
Idles Southside 2024
Idles Southside 2024
Idles Southside 2024
Idles Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Britische Gemütlichkeit trifft auf englische Energiebündel

Danach streiften wir auf dem Weg zur Red Stage kurz an britischer Harmonie und Küsten-Sehnsucht vorbei: The Kooks sorgten an diesem Dauerregen verhagelten Tag mit ihren Feel Good-Hymnen „Ooh Lah“, „Naive“ und natürlich „Seaside“ für Seifenblasen-Stimmung und sonnige Gemüter.

Hitzig wurde es auch bei den guten alten Bury Tomorrow, die – vielleicht lag es auch an der sehr geringen Metal-Quote – einen sehr starken Auftritt hinlegten und jeden Nicht-Metaller, der sich an diesem Samstag-Nachmittag dorthin verirrt hatte in die „Heavy Music“-Szene einluden, die „more integrative is, than it looks“.

The Kooks Southside 2024
The Kooks Southside 2024
Bury Tomorrow Southside 2024
Bury Tomorrow Southside 2024
Bury Tomorrow Southside 2024
Bury Tomorrow Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Faszinierende One-Man-Show

Und nein. Natürlich konnten wir uns Ed Sheeran nicht entgehen lassen. Und ja. Sagen wir es wie es ist: Wer absichtlich auf so einen Weltstar verzichtet, kann mit seiner „True sonstwas“-Einstellung auch direkt im Zelt eingeschlossen bleiben. So eine Chance kommt nicht oft und man musste kein Experte sein, um von dem unscheinbaren Briten mit dem Southside-Pulli und seinen immensen musikalischen Fähigkeiten absolut sprachlos gemacht zu werden.

Ist es unsere Musik? Nein. Aber eineinhalb Stunden alleine auf einer Bühne ein Programm runter zu rocken, nur mit einer Akustik-Gitarre, einem Keyboard und einer Loop-Maschine, so dass jeder zu laute Atmer im Publikum auf allgemeine, gesellschaftliche Abstrafung mittels böser Blicke und „Pscht!“s trifft, ist an Rock‘ N Roll kaum zu überbieten.

Ed Sheeran Southside 2024
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Der Sonntag

Auf ein letztes – der Sonntag war dem Southside Festival gnädig und ließ dann endlich doch die Sonne raus! Aber nicht nur der Himmel lachte an diesem dritten Festivaltag, sondern auch die drei Briten von The Subways, die die Green Stage als erstes bespielen durften, brachten die beste Laune mit. Auch wenn um 12 Uhr noch nicht all zu viel auf dem Gelände los war, tat dies der Stimmung keinen Abbruch: Vor und auf der Bühne wurde getanzt, gesprungen und abgeliefert was Instrumente und körperliche Energiereserven zu bieten hatten.

The Subways Southside 2024
The Subways Southside 2024
The Subways Southside 2024
The Subways Southside 2024
The Subways Southside 2024Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Zum Auftritt der deutschen Rock-Combo Montreal musste das Southside nochmal ein paar Tropfen Restregen über sich ergehen lassen, was die Gruppe aus Hamburg prompt als Dauer-Gag missbrauchte. Aber halb so schlimm: Bekannte Mitgröler wie „Katharine, Katharine“ und „Max Power“ ließen graue Wolken in den Hintergrund rücken.

Montreal Southside 2024
Montreal Southside 2024
Montreal Southside 2024Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Back to Summer Paradise

Für Nostalgie-Schub Teil 1 des Tages sorgten dann Simple Plan auf der Green Stage – zu Bangern wie „Summer Paradise“, „Jet Lag“ und „I’m just a Kid“ wurden die zahlreich erschienenen Besucher:innen tatsächlich wieder in das Zeitalter zurückgeworfen, indem sie Musikvideos noch auf MTV konsumierten. Aber auch die Live-Cover von „Allstar“ und „Mr. Brightside“ trugen ihren Anteil bei.

Simple Plan Southside 2024
Simple Plan Southside 2024
Simple Plan Southside 2024
Simple Plan Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Ähnlich wie am Vortag die Idles, können uns am Sonntag besonders die jungen Wilden der Leoniden überzeugen – Was ging da bitte ab?! Eine Stunde lang wusste man nicht wo oben und unten ist (Sag das mal Sänger Jakob Amr, der mehrfach ins Publikum einkehrt um entweder Piano oder Percussion zu spielen), so psychisch und physisch animierend waren die Song- und Tanz-Einlagen der Kieler Indie Rocker. Faszinierend und einladend zugleich für jeden eingefleischten Fan und Erstlingshörer, der die Gruppe an diesem Nachmittag in ihrem offenen Proberaum besuchen durfte.

Leoniden Southside 2024
Leoniden Southside 2024
Leoniden Southside 2024
Leoniden Southside 2024
Leoniden Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

Finale mit Emo-Prinzessin Avril Lavigne

“God Save The Queen Lavigne” stand auf einem der Pappschilder, die im ersten Wellenbrecher aus der Menge ragten als kurz vor acht der platinblonde Grund auftaucht, weshalb sich hier viele überhaupt ein Festivalticket gekauft haben (– und dann ist es sogar noch hell und nicht mal die Hauptbühne!!). Die Platzierung von Avril Lavigne vor KIZ verstehen wohl nicht nur wir so ganz, sondern auch sie scheint nicht die beste Laune an diesem Abend zu haben. Es ist so, wie es oft mit diesen Mega-Artists ist: Toll sie einmal live gesehen zu haben, aber vielleicht belassen wir es auch einfach dabei. Von den gut 1:15h Show befindet sich Lavigne selbst wahrscheinlich gut zwanzig Minuten nicht dort, sondern irgendwo im Backstage und wartet darauf, dass die ewig langen und Nostalgie-versprühenden Video-Sequenzen ablaufen oder ihre Band, die 20. Reputation des nächsten Intros dann mal fertig gespielt hat.

Die Banger „Girlfriend“, „Complicated“ und „Happy Ending“ werden innerhalb der ersten 15 Minuten zusammen mit pink-schwarzem Konfetti verschossen; „Sk8er Boi“, der natürlich vorab als Highlight gesetzt wurde, wird lieblos eine Viertelstunde vor Schluss gebracht, was auch das sonst textsichere Publikum merkbar irritiert. Dafür wird dann noch Pierre Bouvier von Simple Plan für das Feature „Addicted“ auf die Bühne geholt, der zumindest etwas an der Stimmungsschraube dreht.

Zum Finale werden noch ein paar „I Love you Germany“-Floskeln ausgepackt und mit den Balladen „Drown“ und „I’m With You“ dieser kleine Ausflug ins Jahr 2002, so schnell wie er begonnen hat, wieder beendet – sogar noch schneller: Avril verlässt 6 Minuten vor Ende ihres Slots die Bühne. Naja, vielleicht war sie ja einfach nur von der intensiven Southside-Sonne an diesem Wochenende erschöpft – wir kennen es.

Avril Lavigne Southside 2024

Avril Lavigne Southside 2024

Avril Lavigne Southside 2024 Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

In the Mudd for Southside

Nein, das Southside Festival hatte in diesem Jahr leider kein Glück mit dem Wetter – aber alle, sowohl Veranstalter und Organisatoren, Artists und vor allem die Besuchenden haben das Beste draus gemacht und gemeinsam dafür gesorgt, dass es kein Schlamm-Massel wurde. Auch wenn stellenweise vielleicht etwas weniger auf dem Gelände und den Bühnen los war, hat man es meistens gar nicht gemerkt und die Stimmung war, gemessen an Matsch-Pits, Stroh-Pogos und brauner Kriegsbemalung, auf keinen Fall schlechter.





Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)

In der Hoffnung darauf, dass das Southside 2025 seinem Namen wieder alle Ehre macht und wir den neu angeschafften Pool auf der Campingplatz-Landebahn dann endlich nutzen können: Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

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