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AlternativeRock

Live bei: Puscifer „Existential Reckoning“ Livestream (30.10.2020)

Einmal in die Wüste und zurück.

VON AM 09/11/2020

Mit ihrem frisch erschienenen Album „Existential Reckoning“ hat das Kollektiv Puscifer wieder einmal mehr einen kreativen Kanal gefunden, den es zuvor noch gar nicht gab. Passend zum Album-Release setzt die Gruppe um Tool– und A Perfect Circle– Frontmann Maynard James Keenan noch einen drauf.

Mit „Existential Reckoning: Live At Arcosanti“ bietet die Band einen einmaligen Live-Stream von einem Ort, wie er unwirklicher gar nicht sein könnte. Wo, wenn nicht hier, sollten sich die im Album beschriebenen Außerirdischen besser unter das menschliche Volk mischen? Aus den Tiefen Arizonas wurde die Darbietung in die ganze Welt verbreitet und wer schon einmal ein Puscifer-Konzert gesehen hat, der weiß, dass hier einiges passieren kann. Daher ging ich mit ebenso großen wie auch gar keinen Erwartungen in den Stream. Wer weiß schon, was passiert, wenn drei selbsternannte Special Agents auf Alien-Jagd gehen.

Puscifer schicken ihre Fans in die Wüste

So hockte ich mich am 30. Oktober 2020 um 23 Uhr MET passend zum Release des gleichnamigen Albums in Begleitung vor den heimischen Laptop und bekam noch vor Beginn des Streams die Meldung, dass alle Zuschauer doch bitte davon absehen sollten, sich während der Darbietung von anderen technischen Geräten ablenken zu lassen und den Moment genießen sollen. Diese Aufforderung erinnerte sogleich an ähnliche Wortlaufe, wie man es beispielsweise auch von Tool-Konzerten gewohnt ist.

Der Stream begann mit bereits veröffentlichten Videosequenzen aus der Wüste von Arizona. Darin sieht man den im Puscifer-Album angesprochenen Billy D., welcher durch die staubige Wüste der Vereinigten Staaten irrt. Die drei Special Agents um Maynard James Keenan präsentieren sich dabei in charmantem 60s-FBI-Look und versprühen das entsprechende Feeling, welches sich durch den Stream ziehen sollte.

Puscifer
Credit: Mitra Mehvar
Puscifer
Credit: Mitra Mehvar
Puscifer
Credit: Mitra Mehvar

Die einzelnen Stücke werden der Reihe nach namentlich genannt und stellen somit jeweils voneinander getrennte Filmpassagen dar. Es handelte sich demnach nicht um einen durchgängigen Konzert-Stream, sondern vielmehr um eine visualisierte Performance in insgesamt zwölf Akten. An diesem Abend wurde jeder Song des neuen Albums gespielt.

Der Bühnenaufbau in einem Setting, welches an ein Amphitheater erinnert, hätte futuristischer kaum sein können. Die einzelnen Musiker befanden sich getrennt voneinander in einzelnen Teilen der Bühne. Diese wurde von einer x-förmigen semi-transparenten LED-Leinwand getrennt. Die Musiker standen demnach mit dem Rücken zueinander und konnten sich nicht sehen.

Puscifer
Credit: Mitra Mehvar
Puscifer
Credit: Mitra Mehvar
Puscifer
Credit: Mitra Mehvar

Eine futuristische Show

Der mehrstimmige Gesang, der glasklar erkennbar und nahe an die Album-Version herankommt, wird allerdings in seiner Ausfertigung spätestens beim Song „Apocalyptical“ entzaubert. Die abwechselnd gesungenen Wortfragmente wirken in ihrer Ausführung nicht so harmonisch und das Gefühl, dass durch die beiden Stimmen ein menschliches Instrument geschaffen wird, verfehlt leicht das Ziel. Die kurzen Tanzeinlagen, die an mechanische Bewegungen erinnern, in Kombination mit den sonderbaren Mikrofonständern sorgen allerdings für ein gewollt bizarres Bild.

Letztere ermöglichen es, das Mic wie ein Saxophon am Körper zu tragen. Mit Blick auf die Instrumente fällt besonders die Hi-Hat auf. Diese besteht aus einem Kettenring, der bei Betätigung des Pedals auf einen Metall-Block prallt und für einen ganz eigenen Sound sorgt. Zur Mitte der Darbietung marschieren Keenan und Sängerin Carina Round durch das Gewölbe und wechseln auf eine Hebebühne in der Mitte der Band. Dort stehen sich die beiden Musiker gegenüber und werden diesen Ort bis zum Ende der Show, geweckt von der aufgehenden Sonne, nicht mehr verlassen. Der finale Shot ist ein Zoom-Out mit Blick auf die Bühne und der beeindruckenden Wüstenkulisse.

Puscifer
Credit: Mitra Mehvar
Puscifer
Credit: Mitra Mehvar
Puscifer
Credit: Mitra Mehvar

Durch das eigensinnige Thema von Puscifers „Existential Reckoning“ und die besondere Location, wie sie abstrakter nicht sein könnte, hatte man sich dann doch ein wenig mehr Show, mehr Kreativität und vielleicht auch mehr visuell dargebotene Geschichtenerzählung gewünscht. Die Darbietung der Band ist tiefgehend an diesem Abend, lässt die Zuschauer allerdings ruhig auf ihren Hockern sitzen.

Den Abschluss des Streams bietet erneut eine Videosequenz, welche die beiden Sänger in einer heruntergekommenen Bar zeigt, in der sie betrunken auf der Bühne performen und anschließend aus der Bar geleitet werden. So müssen Helden aussehen, die die Welt gerade noch vor Aliens beschützt haben.

Beitragsfoto: Mitra Mehvar

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