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AlternativePop-PunkRock

Live bei: Neck Deep, Boston Manor & mehr in Köln (07.06.2022)

Das nächste Pop-Punk-Schlaraffenland.

VON AM 13/06/2022

Nachdem im Mai bereits State Champs die Essigfabrik in Köln in ein wahres Pop-Punk-Schlaraffenland verwandelt hatte, stehen nun Neck Deep bereit, um nachzulegen oder sogar noch eine weitere Eskalationsstufe zu zünden. Hierfür haben sie mit Happy Daze und den für einen Support-Act eigentlich schon viel zu großen Boston Manor ein äußerst attraktives Gesamtpaket – und dann noch quer über das UK verteilt – geschnürt. Das sehen die bereits früh zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher offensichtlich genauso.

Happy Daze

Den Anfang machen die Schotten von Happy Daze. Deren erste große Europatour begann leider mit einigen Komplikationen terminlicher Art, durch die sie den Tourauftakt in Paris am Vortag leider verpassten, sodass Köln für sie Konzert Nr. 1 ist.

Happy Daze

Happy Daze

Happy Daze
Fotos von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Dementsprechend euphorisch gibt sich die Band dann auch auf der Bühne, was vom Publikum äußerst wohlwollend honoriert wird. Und auch wenn Band und Songs noch nicht allen vertraut zu sein scheinen, hat es die Band am Ende ihres knapp halbstündigen Sets sicher geschafft, einige neue Fans zu gewinnen.

Boston Manor

Darauf hoffen auch Boston Manor, wobei sie ohne Frage in Sachen Bekanntheit schon ein ganz anderes Kaliber als Happy Daze sind. Musikalisch fällt die Band aus dem englischen Blackpool, einst als Pop-Punk-Band gestartet, aber noch am ehesten aus dem Rahmen. Schließlich hat sich der Sound der Band in den letzten Jahren deutlich mehr in Richtung Alternative Rock entwickelt. Dementsprechend ist es auch nicht überraschend, dass nicht jede*r im Publikum direkt warm mit der Band um Sänger Henry Cox wird.

Boston Manor

Boston Manor
Fotos von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Mit der Zeit können Boston Manor aber einen Großteil des genre-typisch jungen Publikums auf ihre Seite ziehen. Die Setlist, deren Schwerpunkt auf den letzten beiden Alben „Welcome to the Neighbourhood“ und „Glue“ liegt, endet dann auch mit dem Überhit „Halo“ und – als Hommage an die Veranstaltung – mit „Laika“, dem ersten großen Hit vom ersten Album „Be Nothing“, das noch eindeutig dem Pop-Punk zuzuordnen ist. Boston Manor zeigen in 30 Minuten Konzert jedenfalls, dass sie vielmehr Co-Headliner als Support-Act sind.

Boston Manor

Boston Manor

Boston Manor
Fotos von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Neck Deep

Dennoch sind natürlich die meisten Besucherinnnen und Besucher vor allem für Neck Deep da. Nach dreieinhalb langen Jahren sind die Waliser endlich wieder auf deutschem Boden und als sie mit ihrer neuen Single „STFU“ das Set eröffnen, gibt es in der Essigfabrik kein Halten mehr. Neck Deep sind in der Folgezeit sichtbar bemüht, die Energie aufrechtzuerhalten, doch leider macht die Technik ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der Laptop streikt, was aber auf der Bühne wesentlicher kritischer aufgenommen wird als im Publikum. Zum Glück kann Fronter Ben Barlow die Verzögerungen mit seinem Charme gekonnt überspielen und mit etwas Anlaufzeit rollt der Pop-Punk-Express aus Wrexham dann auch wieder durch die Essigfabrik.

Neck Deep

Neck Deep

Neck Deep
Fotos von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Die Band, die ohne den kürzlich ausgestiegenen Drummer Dani Washington, aber dafür mit Ben Barlows Bruder Seb am Bass unterwegs sind, haben eine äußerst kurzweilige Best-Of-Setlist zusammengestellt. Etwas überraschend ist, dass das jüngste Album „All Distortions Are Intentional“ keine allzu große Rolle spielt, doch wahrscheinlich konnte die Band nur schwer einschätzen, wie bekannt das Album, das mitten in der Pandemie erschien, überhaupt schon ist. Also lieber auf Nummer sichergehen und die bekannten und bewährten Hits spielen – das Publikum ist hiermit auf jeden Fall mehr als einverstanden. Der eben erwähnte Seb Barlow ist übrigens nicht nur als Bassist und Songwriter ein großer Gewinn für die Band, er übernimmt auch zahlreiche Zweitstimmen und harmoniert gesanglich perfekt mit seinem Bruder.

Neck Deep

Neck Deep
Fotos von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Zum Ende des Sets legen Neck Deep stimmungsmäßig noch einmal eine Gang zu und feuern Hits wie „Can’t Kick Up The Roots“ und „Gold Steps“ raus, bevor nach etwa 75 Minuten Schluss ist. 1, 2 Songs mehr wären sicher auch im Sinne des Publikums gewesen, doch letzteres geht am Ende auch so glücklich und beseelt nach Hause – in der Gewissheit, dass ein solches UK-Package nur schwer zu toppen ist.

Neck Deep

Neck Deep
Fotos von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

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