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CrossoverHardcoreRap

Live bei: Moscow Death Brigade in Köln (24.04.2022)

Alerta, Alerta Antifascista!

VON AM 29/04/2022

Auch wenn der Bandname unter den aktuellen Umständen etwas unglücklich ist, setzen sich Moscow Death Brigade sowohl auf ihren Alben als auch live gegen Rassismus, Faschismus, Homophobie und allem weiteren Mist ein. So auch beim Gig in der Kölner Live Music Hall, der nun nach über zwei Jahren Verschiebung aufgrund der Pandemie endlich über die Bühne gehen kann.

Einlass ist laut Facebook-Veranstaltung um 18 Uhr, laut Homepage der Venue um 18:30 und tatsächlich dann erst gegen 19 Uhr. Auf Nachfrage eines Fans, der seit zwei Jahren sehnsüchtig auf das Konzert gewartet hat, wie der Zeitplan des Abends aussieht, lautet die Antwort aus den Reihen der Security: „Zeitplan gibbet nich, auf 20 Minuten hin oder her kommt es nach zwei Jahren auch nicht an“. Jop, so kann man das auch sehen. Insgesamt sind Security und Personal vor Ort freundlich und gut drauf und auch der Gang zur Theke oder an den Merch-Stand lässt das Fan-Herz höherschlagen, denn die Preise sind fair geblieben. Das haben wir bei „Post-Corona“-Veranstaltungen auch schon anders erlebt.

Lena Stoehrfaktor

Passend zur Primetime geht’s los und Rapperin Lena Stoehrfaktor betritt die Bühne. Mit ihrer Berliner Schnauze macht die Hip-Hop-Künsterlin den Anheizer des Abends. Bestimmt kein einfacher Job, aber sie liefert solide ab und die Leute in der ordentlich gefüllten Halle kommen dank eingängiger Beats in Stimmung. Sie hat eine geballte Ladung an system- und gesellschaftskritischen Texten im Gepäck. Insgesamt acht Songs haut sie am laufenden Band und ohne großartige Verschnaufpausen raus. Da muss auch Lena selbst zwischendurch lachen: „Rappen ist anstrengend“.

Lena Stoehrfaktor

Lena Stoehrfaktor

Lena Stoehrfaktor
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Für ihren Auftritt hat die Rapperin eine halbe Stunde Zeit, in der sie am Mikrofon performt sowie gleichzeitig die Djane mimt und zwischen den Songs zu ihrem Notebook spurtet. Abgesehen von dem Tisch, auf dem ihr DJ-Pult steht, bleibt die Bühne leer und auch in puncto Show konzentriert sie sich aufs Wesentliche. Beides lässt schon darauf schließen: Es geht ihr vor allem um den Inhalt der auf Deutsch gehaltenen Texte.

Lena Stoehrfaktor

Lena Stoehrfaktor

Lena Stoehrfaktor
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

So lässt Lena Stoehrfaktor in „Mama“ quasi die Mütter von Rappern zu Wort kommen und übt damit Kritik an ihren Genre-Kollegen. Ihr Name ist also Programm, denn sie sieht sich als einen „Störfaktor“ in den eigenen Reihen. Neben ihren bekanntesten Tracks wie „Betonung auf Fak“ gibt es auch neues Material zu hören. Zum Beispiel gibt sie von ihrer neuen EP „Essenz“ den gleichnamigen Song zum Besten. Alles in allem ein guter Auftritt.

Moscow Death Brigade

In der Umbaupause entsteht ein Bühnenbild aus Bannern und Flaggen. Neben dem Backdrop mit Bandlogo wurden die Regenbogen-Fahne als Zeichen gegen Homophobie sowie eine Flagge mit Peace-Symbol als Ausdruck gegen den Krieg (auch gegen den in der Ukraine) und für Völkerverständigung aufgehängt.

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Von Beginn an hat die Setlist Mitsing-Potenzial und bietet sich perfekt zum Moshen an – eine Einladung, der die Fans ohne Umschweife gerne nachkommen. Respekt, wer am Ende des Abends noch eine Jacke an hat, denn der Laden heizt sich kräftig auf. Das merkt auch der Trupp auf der Bühne und legt im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin vernünftigerweise Trinkpausen ein. Dadurch machen dann auch ihre Stimmen den ganzen Abend mit.

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Moscow Death Brigade treten niemals ohne ihre Sturmhauben in Erscheinung, so auch an diesem Abend. Musikalisch präsentiert die Kombo einen Mix aus Hardcore-Punk und 90er-Jahre Hip-Hop. Letzteres spiegelt sich auch in der Wahl der Kleidung, insbesondere der Jacken wider. Nicht fehlen darf außerdem der Auftritt des Band-Maskottchens. Das Krokodil trägt wie die Bandmitglieder eine schwarze Sturmmaske sowie eine auffällige bunte Jacke in 90s-Farben und bringt die Menschenmenge noch einmal mehr zum Ausrasten.

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Im gut einstündigen Set untermauern Moscow Death Brigade ihre Wertvorstellungen musikalisch. Für den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl haut das russische Trio dem Publikum Songs wie „Brother and Sisterhood“ und „Never Walk Alone“ um die Ohren. Die Mannen verweisen mit „Bad Accent“ außerdem darauf, dass wir alle die gleiche Sprache, nur mit unterschiedlichen Akzenten sprechen. Mit linken Parolen á la „Kein Mensch ist illegal“ kündigen sie Songs wie „Papers, Please!“ an, in denen sie Staatsgrenzen und Abschiebungen kritisieren. Die Mannen machen ihr selbst gewählten Bezeichnung „Antifascist Circle Pit Hip-Hop“ an dem Abend also alle Ehren und beenden einen Abend, der sich wieder nach einem Stück Normalität anfühlt.

Moscow Death Brigade

Moscow Death Brigade
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Setlist:

Renegade Stomp
It’s Us
Brother and Sisterhood
Anne Frank Army, Pt. II
Bad Accent
Feed the Crocodiles
Ghettoblaster
Megaphone
Never Walk Alone
What We Do
Sound of Sirens
Boltcutter

Papers, Please!
Brother and Sisterhood

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

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