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Live bei: Lamb Of God – Livestream zum Selftitled-Album (18.09.2020)

DREADbanging mit Randy Blythe & Co. auf dem heimischen Sofa.

VON AM 23/09/2020

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Aktionen. Seit Mitte März 2020 ist diese Aussage fester Bestandteil der Veranstaltungs- und Konzertbranche. Konzerte finden nicht statt, Festivals sind abgesagt. Und somit versuchen Künstler, neue Wege zu bestreiten, um ihre Fans mit ihrer Musik die Pandemie wenigstens ein wenig ertragbarer zu machen. Streaming-Konzerte trenden. Und auch Lamb Of God reihen sich in der Riege der Bands ein, die eine Liveübertragung ihres Konzerts durchführen. Im Konzertraum – keine Gäste; die Fans – zu Hause vor dem PC oder Endgerät.

Für mich ist es das erste richtige Streaming-Konzert, welches ich als Teil von MoreCore.de reviewen darf. Ich sitze mit Stift und Zettel daheim auf dem Sofa und schaue auf den Bildschirm meines Rechners. Nichts deutet darauf hin, dass hier gleich ein Konzert stattfindet.

Es ist kurz vor 22 Uhr deutscher Zeit, es gibt Tee und Kekse und ich habe eine Pizza im Ofen. Alles also fertig für den gemütlichen Abend auf der Couch. Denke ich.

Pünktlich um 22 Uhr startet der Stream mit dem Moderator des Abends. Er stellt sich als Josè Mengen vor und erklärt, dass er heute Abend Host der Show ist und uns ein wenig durch den Abend begleitet.

Er scheint kein Unbekannter in der amerikanisch-mexikanischen Szene zu sein und durchaus bereits zuvor ähnliche Formate begleitet zu haben. Mir ist er jedoch völlig fremd.

Der sympathische Host fackelt nicht lange. Nach kurzer Einleitung gibt’s eine Schalte nach Schottland und zu Bleed From Within, welche heute Abend den Support Act geben. Tausende Kilometer voneinander entfernt und dennoch eine Show zusammenspielen, das ist ebenfalls neu.

Ein kleines Interview findet statt, in dem es in erster Linie um Bier geht. Für mich ein guter Zeitpunkt, den Tee beiseitezustellen und mir ein alkoholfreies Bier aufzumachen.

Bleed From Within

Und dann geht alles ganz schnell. Licht aus, Stream an. Bleed From Within starten ihr Set mit dem Song “Night Crossing”. Mensch, was hat es mir gefehlt, diese Jungs live zu sehen. Die quirligen Schotten performen, als hätten sie nie wochenlang allein in Quarantäne gesessen, sondern regelmäßig miteinander gespielt.

Der Aufbau der Bühnenpodeste ermöglicht es der Band, einander ins Gesicht zu schauen. Vier bzw. fünf Elemente sind im Kreis aufgebaut. Die Musiker können einander anschauen und starren nicht in einen leeren Raum. Was immerhin etwas menschliche Interaktion zulässt. Und sei es auch nur aus der Entfernung.

Der Sound ist erstaunlich gut und klar. Fast wie auf Platte hören sich die Tracks an, aber dennoch hört man klar den Hall des leeren Raumes heraus. Auch an Licht und Pyro hat die Band nicht gespart. Obgleich ich feststelle, dass nicht jede Lichtsituation, die in einem Konzertraum für den Zuschauer toll aussieht, auch am heimischen Gerät gut ausschaut.

Und so verschwimmt die Band oft in roten LED-Licht, nur Silhouetten sind erkennbar. Was dem Auftritt jedoch keinerlei großen Abbruch tut. Links unten im Bild werden die Songs mit jeweiligem Album eingeblendet. Hilfreich, wenn man den ein oder anderen Track zu seiner Spotify-Liste hinzufügen möchte oder dergleichen.

Leider gibt es keinerlei Ansagen oder Grüße von Sänger Scott. Die Band bleibt komplett stumm. Ich persönlich hätte mir ein paar Worte gewünscht und sei es nur ein “Hallo”. Aber die Schotten nutzen die wenige Zeit, die ihnen gegeben wurde, lieber für zusätzliche Songs. Trotzdem ist dann nach “Afterlife”, “Fracture” aus dem gleichnamigen Album sowie „The End of All We Know“ nach fünf Liedern bereits Ende. Schade.

Die Schalte geht zurück in die Pre-Show und zu Host Josè, der nun mit Lamb Of God-Sänger Randy Blythe in der Interview-Stream steht. Leider gelingt es dem Host nicht, einen roten Fanden im Gespräch zu finden und so hüpft das Interview von Bier zu Kindern, zur Fotografie und zurück zu den Windeln der Kinder. Dann verabschieden sich die beiden.

Lamb Of God

Jetzt heißt es Sitzfleisch beweisen, denn der Start des Streams verzögert sich. Allerdings nur um ca. 10 Minuten. Dann beginnen die Mannen von Lamb Of God mit dem Intro zu “Memento Mori” in dem sie direkt man eine Textpassage des Songs zu “… I think I’m drowning, this stream is killing me” umdichten. Humor haben sie. Und auch bei Lamb Of God überzeugt der Sound.

Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)

Die Lichtanlage wird hingegen eher stiefmütterlich bedient und erinnert an Jugendclubs. Licht an, Licht aus, such’ dir maximal eine Farbe aus. Dafür sind die Kameraführung und Schnitte on point. Besonders die Liebhaber von Nahaufnahmen der Gitarrenriffs dürfen hier heute Abend auf ihre Kosten kommen. Besonders bei den anspruchsvolleren Songteilen wird den Musikern genau auf die Finger geschaut.

Und auch Lamb Of God performen, als wäre es eine ganz normale Show. Vor allem der eben erwähnte Randy wirbelt über die Bühne und lässt die Dreadlocks kreisen.

Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)

Auch schön ist, dass die Band das Publikum begrüßt. Sie nennen diesen Auftritt allerdings nicht Konzert oder Show, sondern wollen ihn als “Protest” verstanden haben.

LOG spielen ihr neues Selftitled-Album in voller Länge. Die Platte erschien im Juni dieses Jahres, nachdem das Veröffentlichungsdatum dank Pandemie nach hinten verschoben werden musste. Nunmehr fünf Jahre haben die Fans auf die Platte warten müssen. Die Warterei war das Ergebnis aber allemal wert.

Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)

Spielerich anspruchsvoll, brachial, schnell und powergeladen komme die zehn Songs daher. Und heute Abend kommen die Zuschauer zusätzlich in den Genuss eines weiteren Songs, den die Band während des Lockdowns geschrieben hatte. Einen Namen trägt dieser scheinbar vorerst nicht.

Nach knapp über einer Stunde schließen Lamb Of God ihr Set mit dem Song “5-1-2″ aus dem 2015er Album “VII: Strum und Drang” ab. Eine Verabschiedung oder den Hinweis auf das nächste Streaming-Konzert mit Whitechapel, das am kommenden Freitag, den 25. September ebenfalls virtuell steigt, bleiben sie den Zuschauern leider schuldig.

Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Lamb Of God
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)
Bild: Bryce Hall (wheresbryce)

Im Folgenden laufen, wie im Kino, nun an meinem PC die Credits der Produktion ab. Man sieht, dass auch ein Stream wie dieser viele Leute in der Umsetzung benötigt.

Ich persönlich bin grade erst warm geworden und hätte mir gerne noch ein paar weitere Stunden Lamb Of God oder ähnliche Bands angeschaut. Es tut gut, einen Auftritt zu sehen und die Energie eines Konzertes vermittelt zu bekommen, auch wenn dies aktuell nur auf dem heimischen Sofa möglich ist.

Für alle, die den Auftritt mit Whitechapel nicht verpassen wollen, schaut bitte auf die Website www.lamb-of-god.com – dort findet ihr eine Weiterleitung zur einfachen Teilnahme am Konzert, welches abermals mit vorheriger Pre-Show am 25. September ab 22 Uhr stattfindet.

Dieses Mal performen die Mannen aus Virginia ihr Album “Ashes Of The Wake” in voller Länge. Es lohnt sich.

Bild: Bryce Hall (wheresbryce)

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