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AlternativePunkrockRock

Live bei: Kraftklub in Frankfurt (03.12.2022)

Zurück in den großen Hallen dieses Landes.

VON AM 04/12/2022

Einige Jahre war’s still um die Herrschaften von Kraftklub. Nach Release des 2017er Albums „Keine Nacht für Niemand“ und einer darauf folgenden Tour durch die DACH-Region und wenigen Shows in Südamerika hielt sich die Kombo aus Chemnitz mit musikalischen Neuigkeiten zurück. Frontmann Felix Brummer war zuweilen mit seinem Projekt Kummer beschäftigt, doch aus Reihen der Truppe kam lange nichts. Bis zu diesem Jahr.

Mit einem Überraschungskonzert in Leipzig gab’s den Kick-Off zu „KARGO“-Ära. Ein gleichnamiges Album erschien im September und stieg natürlich sogleich auf Platz 1 der deutschen Albumcharts ein. Kurz danach ging’s dann auch endlich wieder auf Achse – die „KARGO Tour“ führt Brummer und Co. durch die großen Hallen dieses Landes.

Nach krankheitsbedingter Kurz-Pause stand am 03. Dezember einer der letzten Stopps der regulären Dates auf dem Plan, den Abschluss bildete eigentlich Erfurt. Die wegen Krankheit ausgefallenen Shows konnten mit neuen Terminen jedoch direkt hintendran gehangen werden.

Kraftklub rufen. Die Fans folgen.

Und wenn Kraftklub rufen, dann folgen die Fans. So kam es, dass der Löwenanteil der Tour 2023 ausverkauft war und ist – so auch das Konzert in der Frankfurter Festhalle. Ein ziemlich starkes Stück, wenn man bedenkt, dass sogar alle Sitzplätze auf beiden Rängen somit weg waren. Die Maximal-Kapazität der Venue beträgt 15.000 Zuschauer. Ob genauso viele den Weg zu Kraftklub fanden, können wir nicht mit Sicherheit sagen… doch zumindest die Auslastung der Garderobe war vollends erreicht.

Kraftklub

Zugegebenermaßen war die Verfasserin dieses Berichts nicht auf den Ansturm gefasst gewesen. Mit den Worten „Ach, wir kommen entspannt pünktlich an, wenn wir gegen 19 Uhr aufschlagen“ beruhigte ich noch meine Begleitung, die als großer Fan natürlich von Sekunde 1 dabei sein wollte. Pustekuchen! Nachdem es bei zwei Shows in den Wochen zuvor in der Festhalle noch relativ gemächlich zuging, ist der Andrang bei einem ausverkauften Kraftklub-Konzert wohl etwas anders.

Mia Morgan

Man hätte es dennoch pünktlich zum Support Mia Morgan geschafft, wäre da nicht das Garderoben-Problem gewesen. Nun gut, dann geht’s eben mit dem dicken Wintermantel und dem noch dickeren Schal unter’m Arm zum Getränkestand und anschließend als Packesel beladen in den Innenraum.

Den Abend eröffnete die Musikerin aus Kassel. Keine Fremde bei den Kraftklub-Fans, gastiert die Sängerin doch auf dem Song „Kein Gott, kein Staat, nur du“ von aktuellen KK-Album „KARGO“. Sie selbst brachte mit „FLEISCH“ dieses Jahr ebenfalls ihren ersten Longplayer an den Start und bot in einer halben Stunde die Stücke ihres Debüts dar.

Wenngleich es sich mit dem Wintermantel unter dem Arm und der Cola in der anderen Hand irgendwie nicht so gut mitrocken lässt, konnte Mia Morgen das Publikum überzeugen. Das Konzept hinter ihrer Kunst ist recht komplex: Statements zu politischen Problematiken und Mental Health Awareness geben sich die Klinke in die Hand. Gut so. Die Musik klingt nur irgendwie, als hätte man sie schon mal irgendwo gehört. Dennoch ist hier eine aufstrebende Musikerin am Start, die die Bühne auf der „KARGO Tour“ sicher gut für ihre Zwecke nutzen kann.

Kraftklub

Nach kurzer Umbaupause ging es dann schon vor 21 Uhr mit Kraftklub los. Glücklicherweise! Bei den letzten beiden Konzerten, die ich in den vergangenen Wochen in der Festhalle besuchen durfte, stand der Main Act nie früher als 21:30 Uhr auf der Bühne. Die „Rentner im Herzen“ unter uns sind also glücklich über einen frühen Start. Früher zu Ende war es dennoch nicht, denn was folgte, war eine mit 25 Songs gespickte Setlist der Extraklasse.

Den Anfang machten zwei Songs vom neuen Album: „In meinem Kopf“ und „Fahr mit mir (4×4)“ (im Original mit Tokio Hotel) eröffneten den Abend und das Publikum war direkt am Start. Eine Energie, die ihresgleichen sucht, griff im Innenraum und auf den Rängen um sich. Vermutlich geht man einfach nicht auf ein Kraftklub-Konzert, wenn man sie „ganz cool“ findet oder „so eins, zwei Songs kennt“. Nein, hier finden sich nur Fans, die textsicher jeden einzelnen Song mitsingen können. Egal, wie neu oder alt er ist.

Die neuen Stücke kamen hier übrigens besonders zum Tragen, denn Kraftklub schafften es, alle elf Songs ihres aktuellen Longplayers in der Setlist unterzubringen und dennoch genug Platz für Klassiker zu haben. Klar, bei 25 Songs.

Kraftklub

Kraftklub

Gastauftritte gab’s dann auch nochmal für den Opener Mia Morgan auf dem besagten Feature mit der Band sowie für Blond auf „So schön“. Bei Blond handelt es sich um die Band der beiden Schwestern von Felix und Till Brummer, die nicht zum ersten Mal mit ihren Brüdern auf der Bühne standen. Auch Support-Slots bei den zurückliegenden Touren waren schon drin – heute gab es leider nur eine gemeinsame Nummer, doch die gelang trotzdem. Family business from Karl-Marx-Stadt… äh Chemnitz.

Kraftklub

Kraftklub

Apropos: Auch wenn die Fans, wie bereits erwähnt, die brandneuen Stücke textsicher mitsingen konnten, so waren es eben doch die Klassiker, die den Boden der Festhalle zum Beben brachten. „Ich will nicht nach Berlin“, „Scheißindiedisko“, „Randale“, „Chemie Chemie Ya“ oder „Karl-Marx-Stadt“ luden dann auch ruhigen Konzertbesucher zum Kopfnicken ein.

Nach 23 Uhr (schon wieder so spät!) ging dann der Abend von und mit Kraftklub zu Ende. Und wer noch nicht genug bekommen hat, der hat kommendes Jahr bei einem exklusiven Open Air im Wiesbadener Schlachthof noch mal die Möglichkeit, lauthals mitzubrummern.

Foto: Philipp Gladsome / Offizielles Pressebild

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