Live
Groove Metal Progressive
LIVE BEI: JINJER IN STUTTGART (12.02.2026)
Dreifach Progressive für die Ohren.
VON
Leonie Zöller
AM 18/02/2026
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Ein regnerischer, kalter Donnerstagabend in Stuttgart lud nicht gerade zum Verweilen im Freien ein. Umso besser, dass das LKA-Longhorn seine Türen öffnete und Jinjer auf ihrer Duél-Tour mit brachialer Wucht für steigende Temperaturen sorgten. Den Grundstein für diesen schweißtreibenden Abend legten jedoch zunächst ihre Progressive-Kollegen Textures und Unprocessed, die das Publikum bereits früh in Bewegung versetzten.

TEXTURES
Die niederländische Band Textures eröffnete den Abend in tiefblauem Licht mit einem atmosphärischen “Void”-Intro aus ihrem brandneuen Album “Genotype”. Zunächst mit dem Rücken zum Publikum gewandt, drehten sich Frontmann Daniel de Jongh und die beiden Gitarristen energisch um und setzten mit “Closer to The Unknown” ein erstes Ausrufezeichen. Während sich synchrones Kopfnicken durch die Reihen zog, füllte sich das LKA-Longhorn zusehends.
Mit “Timeless” vom älteren Album “Phenotype” bediente die Band zudem die Fans der früheren Phase vor Auflösung und Comeback von Textures und sorgte für spürbare Begeisterung in der Halle. Zum Beginn von “Measuring the Heavens” flog schließlich das Handtuch des Bassisten in die Menge, der immer wieder den Kontakt zum Publikum suchte. Mit einem energiegeladenen Finale lieferten Textures einen starken Auftritt und bereiteten den Boden für den weiteren Verlauf des Abends.
UNPROCESSED
Deutlich jünger als ihre niederländischen Kollegen, aber kein Stück weniger selbstbewusst, brachten die Jungs von Unprocessed die Halle zum Beben. Blaue Blitzlichter zum Opener “111” tauchten die Bühne in pulsierendes Licht, während die ersten Reihen sofort im Takt mitgingen.
Bereits bei “Sleeping with Ghosts” vom aktuellen Album “Angel” öffnete sich ein großer Moshpit, der die Energie spürbar nach oben schraubte. Frontmann Manuel Gardner Fernandes suchte immer wieder den direkten Kontakt zur Crowd und versprach zu Beginn eine “riesen fette Metal-Party”.
Auch Bassist David John Levy griff oft zum Mikrofon, sowohl für Backing Vocals und Screams, als auch für klare Ansagen ans Publikum. Er forderte ein Meer aus Handylichtern bei “Glass”, initiierte eine gewaltige Wall of Death bei “Lore” und rief zum Crowdsurfen auf.
Für einen besonderen Moment sorgte schließlich seine Übernahme des Parts von Paleface Swiss bei “Solara”, den er mit spürbarer Wucht und Präsenz in die Halle schleuderte. Mit dieser geballten Ladung Energie von Unprocessed war der Boden bereit für den Hauptact des Abends: Jinjer.
Jinjer
Als sich die Lichter erneut senkten, war die Halle restlos gefüllt. Ausverkauft, aufgeheizt und bis in die hintersten Reihen gespannt, wartete das Publikum auf Jinjer. Ganz in Weiß gekleidet, während ihre Bandkollegen in Schwarz auftraten, eröffnete Frontfrau Tatiana Shmayluk mit “Duél” vom gleichnamigen neuen Album das Set und gab damit die Richtung für die kommenden 90 Minuten vor. “Are you doing good? Are you in a good mood? I can’t wait to have lots of fun with you tonight”, rief sie der Menge entgegen, bevor grünes Licht und Schlangenvisuals die Bühne dominierten und die ersten Riffs von “Green Serpent” einsetzten.
“You love hardcore, I see. Want to hear some hardcore from Jinjer?” schrie sie ins Mikrofon und leitete damit “Fast Draw” ein. Patronenhülsen und Würfel fielen im Hintergrund über die Leinwände, während sich ein gewaltiger Moshpit öffnete. Mitten im Chaos wurde ein Schuh hochgehalten, den jemand verloren hatte, was Tatiana kurzerhand kommentierte: “Who lost a shoe?”, und das Publikum zum Lachen brachte.
Sowohl bei “Vortex” als auch im weiteren Verlauf des Abends überzeugten die detailreichen Visuals, die das Erlebnis neben der musikalischen Performance zusätzlich steigerten. Überhaupt wirkte jede Projektion durchdacht, jedes Licht auf den Punkt gesetzt.
Die Frontfrau von Jinjer interagierte intensiv mit Blicken und Gesten, bewegte sich unermüdlich über die Bühne, kickte ihr Bein in die Höhe und wechselte mühelos zwischen Clean Vocals und kraftvollen Screams. Songs wie “Disclosure”, “Tantrum” und “Teacher, Teacher!” hielten das Energielevel konstant oben. Beim Instrumentalteil von “I Speak Astronomy” verwandelte sich die Halle kurzzeitig in atmosphärisches Disco-Licht, was dann in einen eskalativen Moshpit überging. Einen Stagediver winkte die Sängerin dabei grinsend noch weiter nach vorne.
Zwischen den Songs wurde nicht viel erzählt, doch die Performance der ukrainischen Band sprach für sich. “All my ladies here, make some noise. This song goes out to you”, kündigte sie “Someone’s Daughter” an und setzte damit ein klares Zeichen. Von der nassen Kälte draußen war drinnen nichts mehr zu spüren: Jinjer und ihre Support-Acts hatten die Halle in eine kochende Metal-Party verwandelt.
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)
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