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Live beim Jera On Air 2024 (27.-30.06.2024)

Die Jubiläumsparty im Rückblick.

VON AM 02/07/2024

Herzlich Willkommen zum Festival des Jahres – ohne Übertreibung hatte das Jera On Air zumindest in Sachen Line-up diesen Namen verdient. Was die Genres Punkrock, Hardcore, Metalcore angeht, ließ das Festivalposter Großes erwarten. Außerdem hatten die Veranstalter anlässlich der 30. Ausgabe des erstmals 1992 durchgeführten Festivals die diesjährige Ausgabe kurzerhand von drei auf vier Tage verlängert. Jera On Air XXL sozusagen. Aber der Reihe nach!

So war der Auftakt beim Jera On Air 2024

Der Donnerstag ist nun schon seit einigen Jahren fester Bestandteil des Festivals. Zwar geht es fanfreundlich erst am späten Nachmittag los. Doch mit Bands wie Bad Religion, Get The Shot oder dem Headliner Electric Callboy warteten schon am ersten Festivaltag einige Top-Acts auf die Besucher:innen. Und diese strömen dann auch wenig überraschend auf das Infield, das sich in diesem Jahr im Vergleich zur vorherigen Ausgabe nur unwesentlichen geändert hat. Glücklicherweise bleibt auch der nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre fast schon obligatatorische Starkregen am ersten Tag aus, sodass dieser Tag ohne das ganz große Chaos über die Bühne gehen kann. Erst am frühen Abend geht ein Schauer über Ysselsteyn herunter, der aber vor allem für eine willkommene Abkühlung sorgt.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

Bei dem weiter oben schon angerissenem Line-Up ist es wenig verwunderlich, dass das Jera On Air keine Aufwärmzeit benötigt. Die Stimmung ist ausgelassen, die Bands tun ihr Übriges. Da fällt auch nicht weiter ins Gewicht, dass Bad Religion nicht ihren allerbesten Tag erwischen. Imminence können – nachdem sie beim Full Force Festival vom Gewitter aufgehalten wurden – endlich zeigen, was sie drauf haben. Electric Callboy ist definitiv ein würdiger Headliner des ersten Tages. Die Band hat zwar in den Niederlanden noch nicht ganz den Kultstatus erreicht, den sie hierzulande hat. Doch zum einen ist die Band auch jenseits der Grenze inzwischen alles andere als unbekannt und zum anderen tummeln sich auch in diesem Jahr wieder einmal zahlreiche deutsche Fans auf dem Jera On Air.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

Der Freitag geht stark weiter

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Das gilt auch und vor allem für die Line-ups der Festivals. Insofern mag es eine streitbare These sein, doch der Freitag könnte in seiner Gesamtheit in diesem Jahr der beste Tag des Festivals sein. Auch, weil er von mittags bis spätabends richtig viel zu bieten hat. Mittags, weil Holding Absence etwas überraschend schon um 12.30 Uhr auf der großen Eagle Stage ran müssen. Davon ist die Band wohl selbst etwas überrascht, meistert die Show zur Mittagszeit aber souverän und gewohnt spielstark. Und das, obwohl Sänger Lucas Woodland nach eigenem Bekunden nur eine Pizza und eine Fanta als Frühstück hatte – und seine Stimme deutlich angeschlagen klingt. Ebenfalls aus Wales kommen Neck Deep, die einige Stunden später ebenfalls die Eagle Stage zum Beben bringen. Es ist bereits das vierte Mal, dass sich Neck Deep beim Jera On Air die Ehre geben. Wer sich die Show des Pop Punk-Quintetts anschaut, kann erahnen, dass 2024 noch längst nicht das letzte Mal gewesen sein wird.

Die etwas kleinere Vulture Stage ist an diesem Freitag fest in kanadischer Hand. Und zwar Genre-übergreifend. Es gibt nicht nur Post-Hardcore aus dem Hause Silverstein, sondern auch Melodic Hardcore von Counterparts und später am Abend Pop Punk von Simple Plan. Um das kanadische Quartett perfekt zu machen, sind auch Sum 41 im Rahmen ihrer allerletzten Festival-Tour auf der Eagle Stage zugegen. Wenn man sich die exzellente Show der Band um Frontman Deryck Whibley ansieht, fragt man sich wirklich, warum die Band ihre Karriere bald beendet. Andererseits soll man ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Keine Spur von Müdigkeit am Samstag

Der Samstag war bekanntlich bisher immer der große Finaltag. In diesem Jahr beginnt mittags erst die zweite Hälfte des Festivals. Doch von Müdigkeit ist zunächst noch keine Spur. Dafür sorgt auch eine Band wie Another Now. Der Modern Metal-Act aus Eindhoven hat beim Jera On Air ein Heimspiel und nutzt dieses äußerst überzeugend, um vor der Eagle Stage schon mittags das letzte bisschen Müdigkeit aus der Festivalgemeinde herauszuprügeln. Another Now bekommen übrigens den Slot von Annisokay, deren Gepäck nicht mit von Helsinki nach Amsterdam gekommen ist. Die Band aus Halle (Saale) muss daher auf den Sonntag ausweichen.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

Wer Kritik am Line-Up des Festivals üben möchte, sollte dies im Übrigen am ehesten hinsichtlich des Samstagnachmittags tun. Auch hier tummeln sich einige sehr interessante Acts, doch für die breite Masse entsteht doch etwas Leerlauf. Die Erholung wird aber spätestens am Abend gebracht, denn da präsentieren sich wieder zahlreiche Hochkaräter. Beispiele? Die gibt es zuhauf. While She Sleeps, Bane, Frank Carter & The Rattlesnakes, Bury Tommorow, Alpha Wolf. Die Liste könnte noch viel länger werden. Und auch das Finale des dritten Tages hat es in sich. Nachdem Architects 2019 dem Festival wieder abgesagt hatten, weil das Jera On Air Parkway Drive und nicht ihnen den versprochenen Headliner-Status zugebilligt hatte, kommt es also endlich zur großen Versöhnung. Zum Glück, denn das, was die Band aus Brighton and Hove darbietet, ist ganz einfach großes Kino. Zwar passt nicht das gesamte Setup auf die Eagle Stage, doch die 75 Minuten sind unabhängig davon ein überragendes Zeugnis dafür, was diese Band drauf hat.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

Das Unwetter kommt, die gute Stimmung bleibt

Leider bleibt es am Samstag nicht den ganzen Tag sonnig und trocken. Gegen 19 Uhr zieht die Unwetterfront, die später auch dem Vainstream Rockfest in Münster zu schaffen machen wird, über Ysselsteyn. Das Jera On Air wird zwar nur kurzfristig unterbrochen, die Regenmassen sind aber erst einmal gekommen, um zu bleiben. Und so verwandelt sich das Infield in eine schon aus den Vorjahren bekannte Schlammlandschaft. Das gilt auch für den Parkplatz. Drei Jahre in Folge mit Starkregen – der Klimawandel ist eben mehr als nur Hitzewellen. Den vielen Freiwilligen, die es mit aller Anstrengung schaffen, das Festivalgelände und den Parkplatz bis zum Sonntag wieder herzurichten, kann gar nicht lang genug gedankt werden. Das Infield ist am Sonntag wieder weitgehend einsatzbereit und auch der Parkplatz versinkt nicht im totalen Chaos. Wenn Autos doch einmal stecken bleiben, dann ist eine helfende Hand oder ein helfender Traktor nicht weit.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

Jera On Air: Ein anstrengedes, aber würdiges Finale

Musik gibt es am Sonntag natürlich auch noch. Mit Enter Shikari und The Prodigy hat das Festival für den Bonustag auch noch einmal zwei absolut würdige Headliner aus dem UK für die beiden großen Bühnen verpflichtet. Außerdem gibt es noch den ein oder anderen Leckerbissen. Zum Beispiel die Show von Caskets, die an diesem Tag ihren einzigen Festivalauftritt auf dem europäischen Festland haben. Das kann aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass am Sonntag ein wenig der Eindruck entsteht, dass zumindest bei einem Teil der Besucher:innen die Luft raus ist. Das Festivalgelände ist längst nicht leer, aber auch nicht mehr so voll wie an den vorherigen Tagen. Und auch vor den Bühnen ist es etwas luftiger. Da muss schon Boston Manor-Sänger Henry Cox zum Crowdsurfing-Weltrekord aufrufen, um das Publikum in Bewegung zu bringen. Es gelingt ihm allerdings erstaunlich gut. Enter Shikari und The Prodigy sind am Abend ohne Frage noch einmal eine Klasse für sich. Wer noch für den Sonntag geblieben ist, schaut sich zumindest eine der beiden Acts auch noch an – und wird dafür belohnt! Um 23 Uhr endet dann ein denkwürdiges Jubiläumsfestivals, das den hohen Erwartungen voll und ganz gerecht geworden ist. Im nächsten Jahr müssen – oder dürfen? – wir dann wieder mit drei Tagen auskommen, wenn sich vom 26. bis zum 28. Juni 2025 zum 31. Mal die Tore des Jera On Air öffnen werden.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Nico Kearns (nico_kea)

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