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HardcoreMetalcore

Live bei: Impericon Festival in Oberhausen (31.03.2024)

Das etwas andere Ostern.

VON AM 09/04/2024

In Oberhausen ist das Impericon Festival nun schon seit einigen Jahren zuhause. Auch in diesem Jahr nutzt das Festival wieder die Tatsache, dass die Turbinenhalle mit ihren zwei Bühnen perfekte Bedingungen für ein Indoor-Festival bietet. Mit dem Ostersonntag hat man sich allerdings einen Tag ausgesucht, der sicher nicht völlig frei von Risiken ist. Natürlich überschneiden sich die Zielgruppen von Ostergottesdiensten und dem Impericon Festival nicht gerade. Aber auch Fans von Heavy Metal und Hardcore verbringen gerne Zeit mit der Familie oder verreisen über das Wochenende.

Bestes Osterwetter beim Impericon Festival

Hinzu kommt an diesem Ostersonntag, dass sich das Wetter von seiner besten Seite zeigt – da wünscht man sich fast schon, dass die Bühnen wie von Zauberhand von drinnen nach draußen verlegt werden könnten. Aber die Zeit der Sommer-Festivals kommt bekanntlich noch früh genug. Und drinnen ist es ja auch schön. Auch dann, wenn wie zu Beginn des Festivals vor den Bühnen hier und da noch reichlich Platz ist. Das Festival beginnt zwar erst um 14:30 Uhr, viele Besucher:innen nehmen aber wohl doch als Kompromiss zwischen Ostern und dem Impericon Festival zumindest noch das Mittagessen mit der Familie mit. Bei Mental Cruelty ist aber dennoch schon einiges los. Die Band, gerade erst von einer ausgiebigen USA-Tour zurück, gibt aber auch alles, um schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Stimmung anzuheizen. Stimmung anheizen – das ist sicher nicht die Paradedisziplin von Casey. Die Waliser um Frontman Tom Weaver sind eher etwas für einen intimen Rahmen. Auf der Bühne der großen Turbinenhalle wirkt die Band trotz aller erkennbarer Mühe hin und wieder etwas verloren. Dass der Sound nicht zu 100 % überzeugt, kommt noch erschwerend hinzu.

Mental Cruelty

Mental Cruelty

Mental Cruelty

Casey

Casey

Casey
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Metalcore en masse beim Impericon Festival

Mit fortschreitender Zeit wird es in der Turbinenhalle immer voller. Unangenehm eng ist es aber bis zum Ende des Festivals nicht – nicht ganz ausverkaufte Hallen sind zumindest für die Fans nicht immer ein Nachteil. Apropos Fans: Die gehören in Oberhausen mehrheitlich der Hard & Heavy-Fraktion an, was bei dem Line-Up auch nicht überrascht. Thornhill machen es zum Beispiel auf der kleineren Bühne wirklich gut, sind aber sicher nicht die Band mit den meisten Fans im Publikum. Das sind wohl auch Neaera nicht, aber die Münsteraner können sich gerade bei den Impericon Festivals immer auf eine frenetisch feiernde Menge freuen. 2018 feierte die Band an dieser Stelle ihr umjubeltes Comeback, 2024 ist die Stimmung nicht minder positiv. Schade, dass auch bei Neaera der Sound nicht allerhöchsten Ansprüchen genügen kann. Generell hat die größere Bühne der Turbinenhalle in dieser Hinsicht das Nachsehen gegenüber der kleinen Schwester.

Thornhill

Breakdown Of Sanity

Breakdown Of Sanity
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (stray.view)

Kleine Bühne, großer Sound

Wer auf der kleineren Bühne spielt, darf sich also über besseren Sound freuen, muss aber im Laufe des Abends in Kauf nehmen, dass es immer dann, wenn die Bands nebenan starten, ziemlich leer wird. Die Überschneidungen hatte im Vorfeld bei einigen Fans schon für reichlich Frust gesorgt. Aber mal ehrlich, allen kann man es eh nicht recht machen. Keine Überschneidungen, aber dafür weniger Bands? Keine Überschneidungen, aber dafür zwei Stunden früher starten? Kompromisse gehören zum Festival-Alltag eben dazu. Nur schade, dass Bands wie Future Palace oder Silent Planet dadurch vor einer sich immer mehr leerenden Halle spielen müssen. An deren Shows liegt das nämlich keinesfalls.

Silent Planet

Silent Planet

Silent Planet
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Fulminantes Finale

Aber Landmvrks ziehen eben alle in ihren Bann und auch Polaris zeigen eine mächtige Show. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Turbinenhalle in Sachen Stimmung auf dem Höhepunkt. Und mit August Burns Red und As I Lay Dying kommen zwei absolute Schwergewichte der Metalcore-Szene erst noch. Gerade was Metalcore angeht, ist das Impericon Festival wirklich hervorragend besetzt. Über As I Lay Dying als Headliner hatte es vor den Festivals im Übrigen auch die ein oder andere Debatte gegeben. Kann man die Band aus Kalifornien angesichts der Vorgeschichte von Tim Lambesis wirklich als Headliner einladen? An dieser Stelle könnte man sicher eine längere Abhandlung über Resozialisierung, das Trennen von Werk und Künstler oder die Frage, ob die Band generell in würdiger Headliner ist. Letztlich muss und sollte sich aber jede:r diese Fragen selbst stellen und beantworten. Beim Impericon Festival in Oberhausen sind Shirts von As I Lay Dying jedenfalls ein ziemlich beliebtes Kleidungsstück. Und auch der Auftritt der Band ist beeindruckend und ohne Frage eines Headliners würdig.

Landmvrks

Landmvrks

August Burns Red

Polaris

Polaris

Polaris

As I Lay Dying ft. ABR
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

So verlassen die Fans nach dem Verklingen des letzten Tones müde, aber glücklich die Turbinenhalle. Auch 2024 ist das Impericon Festival wieder eine rundum gelungene Veranstaltung. Verbesserungsbedarf und -wünsche gibt es natürlich immer – aber wie schon erwähnt, ist jedes Festival am Ende auch ein Kompromiss. Im Fall des Impericon Festivals ganz sicher kein fauler.

Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (stray.view)

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