Live

Melodic HardcorePost-Hardcore

Live bei: Casey in Oberhausen (18.01.2023)

Ein emotionales Comeback.

VON AM 21/01/2023

Wirklich angedeutet hatte sich ein Comeback von Casey nicht. Die Band war nach ihrem unerwartet frühen Abschied im Sommer 2019 zunächst einmal von der Bildfläche verschwunden. Und so kam es für viele äußerst überraschend, dass die Waliser Anfang Dezember ihr Comeback ankündigten. Und das nicht nur mit zwei neuen Singles, sondern auch mit einer kleinen, aber feinen Auswahl an Live-Shows.

Neben insgesamt drei Shows im UK waren auch jeweils ein Konzert in Leipzig und eines in Oberhausen geplant. Die Shows waren aber so schnell ausverkauft, dass in Oberhausen kurzerhand noch ein weiterer Termin gebucht wurde. Womit wir dann auch zur Sache kommen können.

Der Kulttempel – seit jeher das Nonplusultra, wenn es um Veranstaltungen aus dem Hause Positive Records geht – ist an diesem Mittwochabend, also dem Zusatztermin zwar nicht restlos ausverkauft, doch es zeigt sich definitiv, dass die Extraschicht von vielen Fans honoriert wird. Zumindest anhand der Kfz-Kennzeichen lässt sich dann auch erahnen, dass einige Zuschauer:innen an diesem Abend durchaus längere Anfahrtszeiten in Kauf genommen haben.

The Nightmares

Bevor Casey ihre Rückkehr zelebrieren können, stehen pünktlich um 20 Uhr aber erst einmal The Nightmares auf der Bühne. Der Name ist Programm – nicht, was den Sound angeht, sondern vielmehr in Sachen Optik und Ausstrahlung. Das wie Casey aus South Wales stammende Quartett steht an diesem Band zum ersten Mal auf einer Bühne außerhalb ihrer britischen Heimat. Das lässt sich aber insbesondere Fronter Adam Parslow nicht anmerken. Souverän und sympathisch führt er die Band durch die 30 Minuten Spielzeit.

Mit ihren Dark Pop-Klängen sorgen sie mehr und mehr für höflichen Applaus und zustimmendes Nicken im Publikum. Viel mehr als das ist dann aber doch nicht drin. Letztlich ist die Band den allermeisten Anwesenden zum einen überhaupt nicht bekannt und zum anderen musikalisch zu weit weg von Casey.

Stichwort Casey: Sie hätten es sich natürlich auch leichter machen können und musikalisch besser passenden Support mitbringen können. Dass sie The Nightmares die Chance geben, sich in Deutschland zu präsentieren, ist aber ein äußerst sympathischer Schachzug. Und auch wenn der Funke nicht vollkommen aufs Publikum überspringen mag, wird die Band einigen sicher im Gedächtnis bleiben.

The Nightmares

The Nightmares

The Nightmares

The Nightmares

The Nightmares

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Pia Böhl (piaboehl)

Casey

Als es gegen 21 Uhr im Kulttempel dunkel wird und Casey endlich die Bühne betreten, ist die Mischung aus Vorfreude und Dankbarkeit überall im Publikum zu spüren. Wie schon bei der Wahl des Supportacts nimmt die Band auch bei der Setlist nicht den leichtesten Weg und beginnt mit wohlbekannten Klassiern. Nein, den Anfang machen direkt die beiden neuen Singles „Great Grief“ und „Atone“.

Dass die treuen Fans Casey nicht vergessen haben, zeigt sich dann aber sehr schnell. Denn auch die Lyrics der neuen Songs, zu denen es überwiegend positives Feedback gab, werden von vielen Fans schon beherrscht. Die Band scheint einen guten Mittelweg gefunden zu haben, die Rezepte der alten Songs zu konservieren und ihnen einen neuen und vor allem moderneren Anstrich zu passen. Wenn die Band es will, steht einer positiven Zukunft jedenfalls nichts im Wege.

Die Casey-Atmosphäre ist zurück

In Oberhausen geht es aber natürlich noch einmal hinein in die Vergangenheit der Band. Der Schwerpunkt der insgesamt 16 Songs starken Setlist liegt auf dem 2018er-Album „Where I Go When I’m Sleeping“. Das war bekanntlich noch einmal etwas ruhiger und melancholischer als die ersten Singles und das Debütalbum „Love Is Not Enough“. Und so verwundert es nicht, dass die Show in weiten Teilen weniger von Pogo und Circle Pits geprägt ist als von bloßen Zuhören und Genießen.

Aber genau das machte Casey auch vor dem Hiatus schon aus – und es ist offensichtlich, dass Casey immer noch in der Lage sind, einer Show diese besondere Atmosphäre zu verleihen. Das gelingt so gut, weil auch in Sachen Sound und Licht keine Wünsche übrig bleiben. Gesanglich ist bei Fronter Tom Weaver hier und da zwar noch Luft nach oben, aber es klingt nie falsch oder schief, sondern vor allem authentisch.

Casey

Casey

Casey

Casey

Casey

Casey

Casey

Casey

Casey

Casey

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Pia Böhl (piaboehl)

Zum Schluss dürfen die Tanzschuhe dann aber doch noch einmal hervorgeholt werden. Bei „Hell“ verwandelt sich der Bereich vor der Bühne in einen einzigen, sich von links nach rechts und von vorne nach hinten schiebenden Pulk. Und ein besseres Ende als das gemeinsame Schreien von „Someday you will ache the way I ache“, der letzten Zeile von „Little Bird“ könnte man sich wohl nicht vorstellen. Band und Publikum sind jedenfalls restlos begeistert. Fortsetzung folgt? Man kann es nur hoffen.

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