Live

Heavy Metal

Live bei: Bruce Dickinson (Iron Maiden) in Köln (24.01.2023)

Geschichten aus dem Leben des Sängers.

VON AM 29/01/2023

Bruce Dickinson, seines Zeichens Fronter der Heavy Metal-Band Iron Maiden, kann einfach nicht stillstehen. Zwar hat er mit Maiden noch in diesem Jahr eine Live-Tour auf dem Plan, doch bis dahin ist ja schließlich noch Zeit und so entert der 64-Jährige vorab die Bühnen Europas mit seiner Spoken-Word-Performance.

Schwarze Vorhänge umranden die große Bühne des Theaters am Tanzbrunnen in Köln, auf dem Boden ist ein großer Teppich ausgebreitet und im Hintergrund leuchten im Laufe des Abends Fotos und teils auch Videos auf der Leinwand auf. Wer jetzt ein ruhiges Programm erwartet, bei dem Bruce Dickinson sich entspannt auf einem Sessel zurücklehnt und in Geschichtsonkel-Manier aus seiner aktuellen Autobiografie „What does this button do?“ vorliest, der irrt sich. Denn an Hinsetzen denkt der Sänger gar nicht und rennt schon fast in gewohnter Maiden-Art über die Bühne.

Bruce Dickinson live: Eine Reise durch die Geschichte des Iron Maiden-Sängers

Viele Sitzplätze sind nicht mehr frei, als der Sänger zur Primetime die Bühne in roten Sneakern stürmt. Im Publikum sammeln sich vor allem Iron Maiden-Fans, die die Band teils seit Jahrzehnten hören. Bruce Dickinson gesteht zu Beginn, dass er aufgrund der neuen Pronomen nicht mehr weiß, wie er die Menschen ansprechen darf und versprüht damit direkt Alter-weißer-Mann-Vibes. Allerdings sind auch die Fans mit dem Sänger älter geworden und so stoßen solche Kommentare auf zustimmendes Gelächter. Ansonsten ist der Metaller mit seinen Themen am Zahn der Zeit. So macht er sich über die zuletzt häufigeren Premierminister:innen-Wechsel in Großbritannien lustig oder greift auch ernste Themen wie den Krieg in der Ukraine auf.

Unter dem Namen „An Evening with…“ ist der in Worksop, Nottinghamshire, geborene Rockmusiker für zehn Termine im Januar in Europa unterwegs und macht dabei auch in der Stadt am Rhein Halt. Das Abendprogramm ist zweigeteilt. Zuerst berichtet er mit amüsanten Anekdoten aus seinem Leben, bei denen er Personen imitiert und auf die Reaktionen aus dem Publikum eingeht. Und das man muss Bruce Dickinson lassen: Nicht nur hat er in seinem Leben viel erlebt, er kann es auch noch unterhaltsam rüberbringen.

Bei seinen Erzählungen fängt er von vorne an und arbeitet sich chronologisch durch die Jahrzehnte. Von der schwierigen Geburt über die von der Kirche geprägten Jugend bis hin zur Uni-Zeit, während der er nicht nur den vom Namen her in sich widersprüchlichen Studiengang Modern History absolvierte, sondern auch mit Samson und später Iron Maiden an seiner musikalischen Karriere feilte. Wenn man seinen Erzählungen glauben darf, können wir uns glücklich schätzen, dass Bruce Dickinson Sänger und nicht Bongo-Spieler oder gar Drummer geworden ist.

Bruce Dickinson
Bild: Offizielles Pressefoto / Bruce Dickinson

Zur Karriere als Musiker gehören auch Live-Auftritte und so begaben sich die Bandmitglieder am Anfang ihrer Karriere mehr oder weniger nüchtern mit dem Auto auf einen Trip nach Schottland. Unterwegs machten sie Halt und Bruce Dickinson betrat einen Waffenladen, in dem er allerdings keine Schusswaffe, sondern eine etwas gruselig dreinblickende Ente kaufte. Schmunzelnd berichtet er: Falls sich jemand fragt, warum die Metaller Angst vor dem Dunkeln haben, hatten sie nicht, sie hatten „Fear of the Duck“ – aber wer sollte ihnen das glauben?

Untermalt werden seine witzigen Berichte durch Fotos, allen voran solche in knapper Kleidung oder mit Design-technisch fragwürdigen Hosen. Neben wilden Outfits waren darauf auch sämtliche Frisuren- und Barttrends der letzten Jahrzehnte zu erkennen. Gerade der (Schnurr-)Bart beschäftigte Dickinson seit der frühen Jugend und spielte zu Zeiten seiner Krebserkrankung wieder eine Rolle.

Doch der Brite ist nicht nur Musiker, sondern hat sich auch dem Fechten und Fliegen gewidmet. Durch seinen Bandkollegen Nicko McBrain fühlte sich der Sänger inspiriert und wurde Pilot. Als Schlüsselerlebnis berichtet er von einem waghalsigen Flug, der im Nachhinein eine gute Geschichte abgibt, die für viel Gelächter sorgt. Generell nimmt Dickinsons Piloten-Karriere einen größeren Raum ein, auch bei der anschließenden Fragerunde.

Bruce Dickinson
Bild: Offizielles Pressefoto / Bruce Dickinson

Fans fragen, der Musiker antwortet

Nach einer Pause stellt der geborene Bühnen-Mensch sich in der zweiten Hälfte des Abends der Neugierde der Fans, die vor dem Auftritt ihre Fragen auf Zettel schreiben und einreichen konnten. Der Stapel an Karten in den Händen von Bruce Dickinson lässt darauf schließen, dass sie das Angebot gerne annehmen, und der Sänger beantwortet jede der auf die Bühne mitgebrachten Fragen. Und bevor noch jemand fragt: Ja, wir können mit einem weiteren Solo-Album rechnen. Aber wann genau, das verrät er nicht.

Für spontane Gesangseinlagen oder Impros ist sich Bruce Dickinson nicht zu schade. Als Entertainer ist er mit vollem Herzen bei der Sache und zeigt sich dabei menschlich. Ein paar flapsige Witze dürfen genauso wenig fehlen wie das Rezept für seinen morgendlichen Porridge. Danach kann er seine Fans guten Gewissens in die Nacht verabschieden.

Bild: Offizielles Pressefoto / Bruce Dickinson

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