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Live

Hardcore

Live bei: Anxious in Bochum (08.07.2025)

Es wurde intensiv!

VON AM 17/07/2025

Anxious sehen aus wie fünf brave Jungs gekleidet im Gen Z-Stil und gelten als die neue Hoffnung der Emo-Szene in den USA. In diesem Sommer machen sie sich von Connecticut auf, um mit ihrem Mix aus Emo und Hardcore Europa und UK zu erobern, aber dafür müssen sie zunächst das Publikum in kleineren Clubs, wie Die Trompete in Bochum, überzeugen. Das ist ihnen aber ziemlich gut gelungen.

Der ein oder andere hat die Band bereits beim Vainstream gesehen und den Weg ins Ruhrgebiet auf sich genommen, um Anxious noch mal in sehr gemütlicher Atmosphäre mit etwa 140 Menschen in dem Kellerclub im bekannten Partyviertel Bermudadreieck zu sehen. Allerdings hat dann genau jenes Publikum beinahe dafür gesorgt, dass das Quintett aus den USA es verpasst, ihren bekanntesten Song zu spielen, um den Zuschauern dann während der Zugabe noch etwas ziemlich Überraschendes zu verkünden. Aber dazu später mehr.

Glow

Zunächst hatten Glow aus Köln die Aufgabe, für eine ordentliche Betriebstemperatur zu sorgen und das Quartett gab wirklich alles. Ihr Mix aus modernem Metalcore und Hardcore aus den 90ern kam zumindest bei einigen Zuschauern sehr gut an. In der ersten Reihe wurde ordentlich mitgemosht und man war auch sehr textsicher, als die Shouterin das Mikro in die Menge gehalten hat. Auch wenn es nur etwa zehn Leute waren, die für Stimmung sorgten, hat diese kleine Menge einen grandiosen Job mit Circle Pit und Windmühlen abgeliefert.

Ein Feature gab es auch noch, aber nach 20 Minuten war das überraschend wilde Spektakel auch schon vorbei und die Frontfrau gab zu, dass sie jetzt erst mal durchatmen müssten. Das galt zumindest auch für die positiv Verrückten in der ersten Linie, die jede Sekunde des Mixes aus Knocked Loose-artigen Gitarrenklängen und crossoverigem Hardore mitgemacht haben.

Anxious

Bandshirts sind immer ein guter Indikator, um zu sehen, was von einer Liveband zu erwarten ist. Aber bei Anxious war das Bild sehr breit gefächert, denn es waren Shirts von süßen Pop-Punk-Bands wie With Confidence zu sehen, Emo-Leute trugen My Chemical Romance, aber es ging auch in die Core-Ecke mit Architects, Polaris und Bring Me The Horizon. Einer outete sich dagegen als Fan der Hardcore-Band Slapshot und der stand auf der Bühne. Es war der Gitarrist von Anxious, Tommy Harte, und damit gab er wohl den besten Ausblick. Anxious führen die Tradition des alten Hardcore weiter, vermischen ihn aber mit Midwest Emo von Bands wie Senses Fail oder Taking Back Sunday.

Anxious bringen den Mix

Mit dem neuen Album „Bambi“ im Gepäck ging es mit „Counting Sheep“ los und gleich wurde klar, dass viel interessiertes, aber eher ruhigeres Publikum vor Ort ist, aber auch einige Fans der Band, die sich schon ab Minute 1 um Sänger Grady Allen formierten, bei jedem Shout einen Arm in die Höhe pumpten und direkt ins Mikro singen wollten, was ihnen der Frontmann von Anxious auch sehr gerne gestattete. Aber Allen war nach dem ersten Song nicht ganz zufrieden mit der Perfomance des Restes und holte gleich mal den gesamten Laden nach vorne zu sich an die Bühne. Und das zeigte sogleich Wirkung.

Bei „Bambi’s Theme“, bei dem Lead Gitarrist Dante Melucci die meisten Vocalparts übernimmt, war die Stimmung noch besser. Aber spätestens beim dritten Song „In April“ brachen alle Dämme und zumindest die Hälfte des Ladens sprang wie die komplette Band – außer Drummer Jonny Camner natürlich – zum Takt der Hardcore-Riffs in die Höhe. Das wird noch krasser bei „Small“, einem Song von 2019, als Anxious noch deutlich härter waren.

Nach diesem furiosen Auftakt nahm sich die Band etwas Zeit, um ihre Instrumente zu stimmen und Sänger Allen nutzte dies, um das obligatorische „What’s up, Stadt X (in diesem Falle Bochum)“ rauszuhauen. Anschließend ging es mit „Some Girls“ etwas ruhiger weiter. Es tat vor allem dem wilden Haufen vor der Bühne gut, etwas durchzuschnaufen und dann holten auch diejenigen, die gerade noch gepogt und mitgegröhlt haben, mal ihre Handys raus, um sich einen kurzen Mitschnitt des Konzerts zu sichern. Danach gab es kollektives Kopfnicken zum Takt des schönen Songs vom neuen Album.

Die Setlist von Anxious ist eine gelungene Mischung aus ihrem Debütalbum und neuen Songs. „Your One Way Street“ vom ersten Longplayer „Little Green House“ entpuppte sich als so etwas wie ein Publikumsliebling, denn plötzlich waren nicht nur viele Handys in der Höhe zu sehen, sondern das Gejumpe erreichte neue Rekordwerte. Bevor zu viel Nostalgie aufkam, schossen Anxious den neueren Song „Head & Spine“ hinterher, bei dem die Menge noch einen Zahn zugelegt hat. Mehr noch, erste Moshpit-Versuche wurden gestartet, allerdings aufgrund der Enge des Raumes sofort wieder abgebrochen und auf später verschoben.

Es wird schwitzig!

Der Opener des neuen Albums ist „Never Said“, der anschließend bei dem wirklich spaßigen Konzert zu hören war. Screamo-Strophen wechseln sich mit einem schönen Refrain ab. So leiteten Anxious den Endspurt ein. Und der wurde noch mal richtig heiß. Bei „Call From You“ war es nicht nur unter den Zuschauern chaotisch, sondern auch auf der wirklich sehr kleinen Bühne. Beide Gitarristen und auch Bassist Sam Allen sowie der Sänger sprangen unkoordiniert umher, ließen ihre Instrumente am Körper kreisen und es grenzte fast an ein Wunder, dass nicht zumindest irgendein Bandmitglied diese Aktionen mit einer Platzwunde bezahlen musste. Das sah schon ziemlich gefährlich aus, aber Anxious bilden insgesamt mit ihrer momentan noch kleinen, verrückten Fanbase eine perfekte Symbiose.

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„Noch zwei Songs haben wir“, sagte dann Sänger Allen, nachdem sich alles wieder beruhigt hat, um mit „Next Big Star“ die Zukunft der Band etwas zu prognostizieren, wenn auch vielleicht etwas zu euphorisch, wenn man bedenkt, dass sie momentan auch in ihrer Heimat noch Underground sind. Aber Anxious haben Potenzial und schließen das Konzert mit dem schon bekannten „Grown Up Song“ ab. Dabei wurden kolletkiv alle Kräfte gebündelt und nun traute sich auch einer in der Menge, zum Crowdsurfing anzusetzen. Es dauert zwar etwas, aber dann wird er tatsächlich von den Fans getragen, bis sich die Band verabschiedet und große Schlücke aus den bereit gestellten Wasserflaschen nimmt.

Wer noch bleibt, wird belohnt

Da fehlt doch noch etwas, dachte sich der Autor dieser Zeilen, während sich die Hälfte des Publikums schon Richtung Ausgang machte. Und auch Anxious wussten nicht so recht, wie es nun weitergehen soll, Musik vom Band lief jedenfalls noch nicht. Nach einigen Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, erbarmte sich einer und forderte lautstark eine Zugabe, andere stimmten sofort mit ein. Sänger Allen sprang nach vorne und versicherte direkt, dass sie gerne noch einen Song spielen können und alle Besucher, die schon gehen wollten, kamen direkt wieder zurück. Und dann kommt tatsächlich der Song, auf den sicher viele gewartet haben: „Down, down“. Überraschenderweise meinte Allen, dass sie ihren wohl bekanntesten Titel auf dieser Tour noch gar nicht gespielt hätten, so als wolle er im Vorfeld um Verzeihung bitten. Aber das war der Performance nicht anzumerken und es wurde ein sehr rundes Ende. Ob Anxious tatsächlich die Next Big Stars werden, bleibt abzuwarten, dafür fehlt ihren Kompositionen wahrscheinlich noch die Massenkompatibilität, aber zumindest kam das Gefühl auf, dass diese Band in einer so kleinen Location wohl nicht mehr zu sehen sein wird.

Foto: Anxious / Offizielles Pressebild

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