Kritik: Thrice stellen auf „Palms“ erneut ihre Virtuosität unter Beweis

Die bereits vor 20 Jahren gegründete und noch heute aus sämtlichen Gründungsmitgliedern bestehende Band Thrice hat in ihrer mittlerweile zwanzigjährigen Geschichte eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Während die Kalifornier mit ihrem Skater-Punk-Sound der frühen 2000er Jahre („The Artist in the Ambulance“) auf der Warped Tour-Welle mitritten, ließ sich ihr Stil in den folgenden Jahren immer seltener auf ein Genre festnageln. Von eher experimentellen Werken („The Alchemy Index Vols. I & II“), über Post-Hardcore-lastige Alben („Major/Minor“), bis hin zu rockigeren Scheiben (“To Be Everywhere Is To Be Nowhere”) bedienten Thrice ein breites, abwechslungsreiches Spektrum. Nur zwei Jahre nach ihrer letzten LP veröffentlicht die Band nun Album Nummer 10. „Palms“ ist eine Platte, die die mittlerweile naturgemäßen Erwartungen an einen genreübergreifenden Sound übertrifft, sich beim Indie Rock und Blues ebenso bedient wie beim Post-Hardcore, aber auch vor Balladen oder Synthie-Sounds im Stile der 80er nicht zurückschreckt.


Thrice bestechen erneut durch Vielfalt

Ja, richtig gehört. Mit den Synthies in „Only Us“, dem Opener von „Palms“, wecken Thrice direkt zu Beginn des Albums Erinnerungen an die Soundtracks von Serienhits wie „Stranger Things“ oder „Halt & Catch Fire“, die in den 1980er Jahren spielen und auch in diesem Stil erklingen. „The Grey“ macht anschließend einen Schritt zurück und wartet mit den typischen melodischen Vocals und groovigen Gitarrensounds auf, nur um im folgenden, düsteren „The Dark” einen weiteren Stilwechsel vollziehen. Hier paaren Thrice die Gitarre, die den Takt des gesamten Liedes wie ein Metronom vorzugeben scheint, mit bedrohlich wirkenden, elektronischen Samples. Besonders stechen aber die letzten Sekunden des Tracks hervor, in denen ein Chor, der aus über 1000 von Fans eingesandten Aufnahmen zusammengesetzt wurde, für ein atmosphärisches Ende sorgt. „Just Breathe“ wendet sich schließlich wieder einem gemäßigten Post-Hardcore-Sound zu und vermischt den hervorragend ausgereiften Gesang von Frontmann Dustin Kensrue mit den harmonischen Hintergrund-Vocals von Gastsängerin Emma Ruth Rundle.




Die zweite Hälfte von „Palms“ schaltet zunächst einen deutlichen Gang herunter: Mit „Everything Belongs“ bekommen die Hörer es zunächst mit einer Ballade zu tun, die ihre Wirkung in inspirierenden Piano-Klängen entfaltet, während in „My Soul“ der Gesang und die Lyrics von Sänger Kensrue im Mittelpunkt stehen – begleitet von Instrumentals, die ebenso aus dem Blues wie aus dem Indie Rock stammen könnten. Das rauere „A Branch In The River“ legt im Anschluss erneut deutlich an Tempo zu und mündet nach einer unentwegten Bass-Gitarren-Line in einem Finale, das vergangene Post-Hardcore-Tage noch einmal lebendig werden lässt. Auch „Hold Up a Light“ bedient sich daraufhin dieser klassischen Formel und wird auf zukünftigen Konzerten ein Garant für schwingende Hüften und wippende Köpfe sein. Nach dem Song „Blood on Blood“, der zwischen den anderen Liedern doch eher belanglos wirkt, findet „Palms“ mit „Beyond The Pines“ dank bluesiger Gitarren, sanfter Percussion und gefühlvollen Vocals einen eher melancholischen, aber umso intimeren Abschluss.

Fazit:

Selbstsicher, unaufgeregt und doch abwechslungsreich – so lässt sich „Palms“ am ehesten in wenigen Worten zusammen. Thrice stellen mit ihrem zehnten Album abermals ihre Virtuosität unter Beweis und schaffen es, auch nach 20 Jahren Bandgeschichte immer wieder anders zu klingen, ohne aber vom eigenen Pfad abzukommen. Damit zementieren sie ihren Platz in der Liste der Bands, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient hätten, als ihnen bisher zuteil wurde. Aber vielleicht ist es gerade ein geringes Geltungsbedürfnis, das diese einzigartige Mischung aus Genres, Stilen und Sounds ermöglicht und so auch „Palms“ zu einem musikalischen Erlebnis werden lässt, das an vielen Stellen seinesgleichen sucht.

Wertung: 9/10

Band: Thrice
Album: Palms
Veröffentlichung: 14.09.2018

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