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Storyteller: Unser Interview mit Bassist Nils Sackewitz

Dass es lokale Bands oft nicht leicht haben, sich in der ständig wandelnden und breit gefächerten Musiklandschaft zu etablieren, ist hinlänglich bekannt. So erging es auch den Jungs von Storyteller, die seit ihrer Gründung im Jahr 2012 viel Durchhaltevermögen an den Tag legen mussten, um sich einen Namen zu machen.

Die fünfköpfige Kombo machte sich auf Touren mit Bands wie Boston Manor, As It Is oder Four Years Strong über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinweg einen Namen. Ihre Ausdauer wurde belohnt: Am 08. März veröffentlichten sie ihr taufrisches Studioalbum „Time Flies“ über Uncle M.

Bassist Nils Sackewitz hat uns vom neuen Album sowie dem Entstehungsprozess erzählt und außerdem verraten, welche Situation ihm in der Bandgeschichte von Storyteller am meisten im Kopf geblieben ist.

MC | Julia L.: Ihr sagt, „Time Flies“ handle von Streben danach, mehr zu sein, als man ist. Habt ihr das Gefühl, mit eurem neuen Album über euch hinausgewachsen zu sein?

Storyteller | Nils: Definitiv! Sicher, wir haben uns auch schon vor der Platte viel Mühe gegeben, aber der Schaffensprozess von „Time Flies“ war noch einmal ein ganz anderes Level. Wir haben diesmal alles bis ins Detail vorproduziert, Ideen verworfen und wieder neu aufgegriffen, teilweise Songs zwei, dreimal umgeschrieben bis sie so klangen wie wir wollten. Früher dachten wir uns immer „Ein paar Schrammel-Demos reichen und der Studio-Zauber wird sein Übriges tun“, aber dieses Mal wollten wir nichts dem Zufall überlassen. Es folgten also ewige Writing-Sessions, Lyric-Abende und dutzende Bandmeetings und hey, wir finden es hat sich gelohnt. Storyteller klangen noch nie so facettenreich, ausgefeilt und energetisch wie auf „Time Flies“. Wir sind mega happy mit unserem Album und auch stolz darauf, es jetzt endlich in den Händen halten zu können.

MC | Julia L.: Welcher Song auf „Time Flies“ ist für euch der jeweils persönlichste und warum?

Storyteller | Nils: Ich denke „Everlasting“, unsere zweite Single, ist für uns der persönlichste Song auf dem Album. Während Songs wie „YOU“ oder „Everything“ etwas mehr verhüllt und romantisch daherkommen, geht es in Everlasting um die großen persönlichen Abgründe wie den Verlust einen nahestehenden Person und die Erkenntnis, dass man die Lösung für bestehende Probleme zuallererst bei sich selber suchen sollte. Aber auch der Song „With You“ erzählt von der eigenen Unzufriedenheit mit sich selber und die Einsicht, dass man nicht perfekt ist, es aber auch nicht sein muss, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der einem hilft und Kraft gibt.

MC | Julia L.: Gab es Unterschiede zu euren Vorgängerwerken im Songwriting- oder Produktionsprozess?

Storyteller | Nils: Wie oben bereits angedeutet – dieses Mal haben wir alles extrem vertieft. Wir haben den Songs aber auch bewusst Raum für Synths, Streicher und Effekte gelassen. Es war von Anfang an klar: Diese Platte soll kein nächstes „Problems Solved“ und auch kein wirkliches Pop-Punk-Album mehr sein. Wir haben uns dann auch lange Zeit genommen, mit Sounds und Song-Strukturen auf Home-Recording-Level zu experimentieren und schnell wurde uns klar, dass es den Songs mega gut steht, wenn wir uns weit mehr dem Pop öffnen als wir es früher taten. Nach Monaten des Pre-Recording-Wahnsinns waren wir dann endlich im Studio und es tat mega gut, dieses Mal so richtig vorbereitet zu sein. Die zusätzliche Zeit die wir dann hatten, um zusammen mit Christoph (Sawdust Recordings) am Feintuning der Songs zu basteln war dann noch einmal ein riesiges Upgrade für unsere Songs.

MC | Julia L.: Welcher Track eures neuen Albums macht euch live am meisten Spaß?

Storyteller | Nils: Ironischerweise ein Song, den wir noch gar nicht gespielt haben. Wir spielen während dieser Tage zum ersten Mal unseren Song „Turn Back“ live und der macht bei der Probe schon so mega doll Bock auf der Bühne, dass wir es gar nicht abwarten können ihn jetzt endlich im Set zu haben. Es ist auf jeden Fall ein Song, der mit Sing-Alongs aus dem Publikum richtig aufgehen wird und wir hoffen sehr, dass es auch so kommt.

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Credit: Michael Bomke (https://www.michaelbomke.com)

MC | Julia L.: Euer Albumcover zu „Time Flies“ zeigt ein gleichnamiges Filmplakat im Kino. Gibt es eine schräge oder witzige Situation aus eurer Bandkarriere, die ihr als filmreif bezeichnen würdet?

Storyteller | Nils: Am ehesten wahrscheinlich der Dreh zu unseren aktuellen Videos „YOU“ und „Everything“. Wir hatten nur 48 Stunden Zeit, um gleich 2 Musikvideos zu drehen und unsere gesamte Organisation wurde währenddessen mehrmals auf den Kopf gestellt. Wir haben an 4 oder 5 verschiedenen Locations gedreht und hatten permanent mit Absagen/Zusagen von beteiligten Personen und Equipment zu kämpfen. Zwischendurch sah es mehrmals so aus, als würde alles ins Wasser fallen und dann ergaben sich wieder total krasse Zufälle: Ein Film-Verleiher aus Leipzig überließ uns zum Beispiel einen ganzen Laster voll Licht-Equipment für nur 50€ (!!!) und einen alten Sessel aus meinen Büro. Das hat uns dann echt den Hintern gerettet und ich war mehrmals dem Herzinfarkt nahe, aber im Endeffekt hatten wir unser Happy End und ich glaube wir sind dadurch als Band echt nochmal ein ganzes Stück näher zusammengewachsen.

MC | Julia L.: Gibt es Momente aus eurer Zeit als Band, die ihr gerne streichen würdet?

Storyteller | Nils: Wir haben vor anderthalb Jahren einmal eine Show mit Rising Insane gespielt (super Jungs!) und wir hatten kurz vor der Abfahrt nach der Show eine Reifenpanne an unserem Van bemerkt. Wir verbrachten darauf die halbe Nacht damit, unseren Reifen zu wechseln. Und es wurde immer schlimmer und schlimmer… Ersatzreifen haben nicht gepasst, Werkzeug hat gefehlt, es war mega kalt und nass und wir mussten am nächsten Tag alle wieder früh auf Arbeit sein. Das schöne daran war aber echt der enorme Einsatz der Rising Insane-Jungs, sie haben uns echt mega geholfen und alle möglichen Freunde und Verwandte aus dem Bett geklingelt, um uns einen passenden Ersatzreifen zu besorgen. Damit hätte ich echt nicht gerechnet und sowas erlebt man auch nicht alle Tage! Dennoch: Diese Nacht hätten wir alle lieber nicht mit Reifenwechseln verbracht, denke ich!

MC | Julia L.: Würdet ihr in Zukunft musikalisch gerne Neues ausprobieren oder schreibt und produziert ihr nach dem Motto „Never change a winning team“?

Storyteller | Nils: Ich denke wir als Band wollen auf jeden Fall musikalisch in Bewegung bleiben und nicht von Release zu Release auf Nummer sicher gehen. Unser aktuelles Album ist dafür eine tolle Momentaufnahme unseres aktuellen Sounds, aber wir glauben, dass wir musikalisch längst noch nicht alles gesagt haben. Wir besprechen gerade Ideen, Wünsche und Vorstellungen, wie unser nächster Sound aussehen könnte und „Time Flies“ ist auf jeden Fall ein großes Gateway mit dem uns kreativ viele Türen offen stehen. Was genau als nächstes kommt, können wir aber wohl noch nicht sagen. Wir sind aber mega bestrebt uns damit nicht all zu viel Zeit zu lassen und vor allem sind selber gespannt darauf wohin die Reise geht.

Foto-Credit: Michael Bomke (https://www.michaelbomke.com)
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