Rogers Mittelfinger Für Immer

Kritik: Rogers zeigen den überzeugenden „Mittelfinger für immer“

Es ist gar nicht so lange her, dass ich über das letzte Album der Düsseldorfer Punkrocker Rogers berichten durfte. Damals hatte ich „Augen Auf“ als durchaus solide Platte mit ein paar Mängeln abgetan und bin deswegen umso mehr auf die Entwicklung gespannt, die die Jungs durchgemacht haben und auf ihrer neuen Scheibe „Mittelfinger Für Immer“ präsentieren.

Los geht es mit „Einen letzten Abend“ und hier wird nicht lange gefackelt, sondern direkt Vollgas gegeben. Es dauert nämlich keine Sekunde, bis die ersten „Woooooo hoooooo“ Chöre durch meine Kopfhörer schießen und mich zum Mitsingen anregen wollen. Kurz darauf erklingt auch schon die prägnante Stimme von Frontmann „Chri“ und ich weiß, was mich die nächsten 45 Minuten und 13 Songs hindurch erwartet.

Der Fuß wippt, der Kopf nickt und die Finger tappen auf den Tisch. Der innere Pogo geht weiter und wir bekommen auch gleich den ersten Feature-Gast der Platte zu hören. Neben dem Ohrwurm-Refrain gibt es bei „Zu spät“ nämlich zusätzlich auch niemand geringeren als „Ingo Donot“ zu hören. Die ersten zwei Songs leiten das Album sehr gut ein.

Der Titelsong „Mittelfinger Für Immer“ regt nicht nur aufgrund des provokanten und nachempfindbaren Textes zum Mitsingen an. Der Song hat mit seinen Melodien und Gitarrenriffs fast Hymnencharakter. Gleiches gilt übrigens auch für „Geh mir nicht mehr auf die Eier“. Hier ein kurzer Textausschnitt:

„Das zieh ich mir nicht rein, Du laberst einfach immer weiter.
Meine Fresse, bitte, bitte, bitte, bitte geh mir nicht mehr auf die Eier.
Warum verstehst Du denn nicht,
ich interessier‘ mich nicht für Dich“

Ich bin mir sicher, dass jetzt jeder von euch eine bestimmte Person gedanklich vor Augen hat. Bei beiden Songs kann ich mir übrigens sehr gut vorstellen, wie das pogende Publikum den Text mitgröhlt. Eine sehr schöne Vorstellung, wenn ihr mich fragt.

„Ganz nach oben“ erinnert mich ein wenig an eine aufpolierte Version des Toten Hosen-Songs „Paradies“. Der Track ist eine starke Kritik an der Kirche und Religion und wenn man die Augen schließt und einzig den Sound auf sich wirken lässt, dann klingt Rogers-Sänger „Chri“ in der Strophe auch fast ein bisschen wie Campino.

Mein persönliches Highlight ist „Hartes Leben“. Hier gibt es auch den zweiten Feature-Gast „Schmiddlfinga“ zu hören – seines Zeichens Rapper bei Le Fly aus St. Pauli. Zu hören gibt es einen sehr ironischen Text zum Thema „Luxusprobleme“ (First World Problems).

Damit ihr alle im Refrain mitsingen könnt noch eine Zeile: „Ja ja ich weiss; ist alles nicht so nice. Warum musst Du Dir sowas geben? Du hast echt ein hartes Leben. Ja ja ich weiss; dein Kaffee ist zu heiß. Man, wie unangenehm. Ist das wirklich schon dein größtes Problem?“

Mit den letzten drei Songs „Weit weg“, „Für dich“ und „Ich bleibe hier“ werde ich leider nicht so richtig warm. Irgendwie wirken die Lieder auf mich etwas uninspiriert und irgendwie ist hier auch ein bisschen die Luft raus. Schade eigentlich, da die ersten zehn Songs wirklich sehr gut gelungen sind.

Fazit:

Viel gibt es nicht mehr zu sagen. Rogers haben mit „Mittelfinger Für Immer“ ihr letztes Album „Augen Auf“ in fast allen Punkten übertroffen und was bleibt, ist deutscher Punkrock, der bei den ganz Großen mitspielen könnte. Durch die deutlich bessere Sprachverständlichkeit, die ich beim letzten Album noch bemängelte, kommt die Message der Texte stark rüber und die sind bei Punkrock schließlich ein sehr wichtiger Bestandteil. Fetzige Instrumente und Melodien, die im Ohr bleiben und sofort zum Mitsingen anregen runden das Paket ab. Tolles Teil. Wer auf Punkrock steht, sollte auf jeden Fall zuschlagen.

Wertung: 8.5/10

Band: Rogers
Album: Mittelfinger für immer
Veröffentlichung: 08.03.2019

Rogers

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