Real Friends Composure

Kritik: Real Friends – „Composure“

“Es wird traurig, melancholisch, einfühlsam und trotzdem wird dieser motivierende good Vibe größtenteils mitschwingen” – das waren meine ersten Gedanken und Erwartungen als bekannt wurde, dass Real Friends ein neues Album namens Composure veröffentlichen. Ob diese sich bewahrheiten und bestätigen, werdet ihr in den folgenden Zeilen erfahren.



Nach gut zwei Jahren melden sich die Pop Punk Jungs aus Illinois mit neuer Musik wieder. Das Album wurde von A Day To Remember-Frontmann Jeremy McKinnon und Mike Green, der auch schon mit Paramore und All Time Low gearbeitet hat, mitproduziert.

Gerne hätte ich einige dieser Songs live bereits auf dem Galaxy Camp gehört, doch bedauerlicherweise musste die Band die Tour aber absagen, da Sänger Dan Lambton erneut seiner mentalen Krankheit unterlegen war. Auch wenn ich sie etwas vermisst habe, so bin ich doch froh, dass Dan die Zeit für sich selbst genommen hat.

Seine Probleme sollen auch eine große Rolle auf dem neuen Album spielen; so auch direkt in den ersten Songs “Me First” und „Stand Steady“ mit denen die Platte zu Beginn volles Tempo aufnimmt. Stilistisch und thematisch lässt sich hier schon erahnen, in welche Richtung es sich entwickelt.

Die folgenden Songs „From The Outside“ und „Smiling On The Surface“ sind uns ja bereits bekannt. Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Song wie „From The Outside“ so gepackt und berührt hat. So ehrlich, direkt und hoffentlich auch ein Stück weit augenöffnend und unterstützend wie dieses Lied, habe ich selten eins empfunden. Ich wusste von den ersten Zeilen an, dass der Text für viele da draußen, und gerade auch Leute aus meinem engen Umfeld, sehr aufbauend ist. Er zeigt „Hey, du bist nicht allein!“ und genau das ist wichtig, dies den Betroffenen klar zu machen. Ich bewundere Dan so sehr, dass er so offen und dadurch vielen Menschen und Fans ein gutes Vorbild ist.

Musikalisch geht es weiter mit dem Titel „Hear What You Want“. In den ersten Sekunden haben mich die Stimmen und Gitarren total an Biffy Clyro erinnert. Der Sound ist rockiger als das, was man sonst von Real Friends erwartet.



Das erste Mal wird das Tempo ein wenig bei „Unconditional“ herunter gefahren. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hatte schon beim ersten Hören das Gefühl, dass in der Bridge ein paar Gangshouts einsetzen, die den ganzen Song noch Show-tauglicher machen.

Der Track handelt von bedingungsloser Liebe, die dem Protagonisten gegenüber gebracht wird, auch wenn dieser diese nicht immer gleich erwidern kann.

Es folgen der Titelsong „Composure“, der ebenfalls bereits veröffentlichte „Get By“ und “Ripcord”. Mitschwingende Nostalgie und auch wieder Beziehungsprobleme jeglicher Art werden hier thematisiert. Das Album beendet “Take A Hint”, welcher uns einen kleinen, positiven Ausblick für die Zukunft verschafft; wenn auch nicht allzu überzeugend für mich ist und eher zu den schwächeren Songs des Records gehört.

Fazit:

Mit dem Schlusssong fällt mir auf, dass es doch ganz schön flott und rockig, wenn auch gleichzeitig erwachsener zugegangen ist. Songs, die in die Richtung wie “I’ve Given Up On You” oder “Sixteen” gehen, fehlen hier leider total und vermisse ich auch etwas. Einfach mal ein bisschen runter kommen und das Tempo deutlich herunterschrauben, hätte der Platte ein wenig mehr Abwechslung verliehen.

Trotzdem wurde es in der Produktion geschafft, so gut wie jedem Song die gewisse Extraportion zu verleihen, die den Struggle der Band im Privatleben betont – dabei nicht außer Acht zu lassen, wie erfolgreich es sie anderseits macht.

Composure ist kein Album, das mega innovativ ist, aber es hat Wirkung und Ausdruck. Real Friends haben die dunklen Seiten des Lebens nie beschönigt – und werden es wahrscheinlich auch weiterhin nicht in Erwägung ziehen. Meine Erwartungen wurden zu, ich würde sagen, 70% erfüllt. Und weil ich die Band so liebenswert finde, gibt es noch nen halben Sympathiepunkt oben drauf.

Wertung: 7,5/10

Band: Real Friends
Album: Composure
Veröffentlichung: 13.07.2018

Offizielle Website der Band
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