Nails

Live bei Nails, Svffer und Teethgrinder in Köln!

Jemandem anhand des Beispiels von Nails den eigenen Musikgeschmack zu erklären, ist immer eine kleine Geduldsprobe, gerade wenn man Fan aller Art von extremer Musik ist. Bei Bands wie Killswitch Engage, Issues oder Periphery kommt beim Gegenüber meist irgendwann die Einsicht oder das Verständnis. Bei einer Band wie Nails hingegen kann ich mir selbst nicht erklären, warum und weshalb das so ist. Glücklicherweise spielten Nails am 08. November im Zuge ihrer Europa-Tour in Köln, sodass ich dieser Frage nachgehen konnte. Dafür schnappte ich mir unsere, noch ahnungslose, Fotografin Julia und machte mich auf in die Rheinmetropole.



Nails überzeugen seit ihrer Gründung 2007 mit ihrer schieren Kompromisslosigkeit und einem absolut brachialen Sound. Dabei blenden sie Einflüsse von Hardcore, Crustpunk, Death Metal und Grindcore zusammen und genießen deswegen ein hohes Ansehen im Hardcore und Metal. Ein weiterer Grund für ihren Sound ist Kurt Ballou, Produzent und Gitarrist der Band Converge, der seit dem Nails-Debüt „Unsilent Death“ jeder LP der Band seinen eigenen Stempel aufdrückt. Ihr aktuelles Werk „You Will Never Be Of Us“ knüpfte damit nahtlos an den gewohnten verzerrten und dissonanten Stil der Band an und brachte ihnen einen Deal beim Metal-Label Nuclear Blast Records ein. Nach einer Deutschland-Abstinenz von 3 Jahren war es nun wieder Zeit für eine Europa-Tour. Ob „You Never Be One Of Us“ auch live überzeugt hat, lest ihr hier.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Svffer

Um 20:00 Uhr eröffneten Svffer als erster Support den Abend. Die vierköpfige Truppe um Sängerin Leonie lieferte ein ordentliches Brett, kämpften aber noch mit einem halbvollen Raum. Sie überzeugten die Fans vor der Bühne und gerade Sängerin Leonie überraschte mit ihrer Stimme trotz der zierlichen Statur. Der Sound war brachial und direkt, jedoch schlichen sie hier und da kurze Parts ein, die stark an Black Metal oder Blackgaze erinnerten. Dabei versuchten Svffer eine gewisse Atmosphäre aufzubauen, nur um abrupt wieder in eine Raserei zu verfallen. Alles in allem brachten Svffer einen guten Einstieg in den Abend, ohne dabei wie eine blanke Kopie des Headliners zu wirken.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Teethgrinder

Nach einem kurzen Umbau starteten die Niederländer von Teethgrinder als weiterer Support des Abends. Wo Svffer auf ihre eigene Art kleine Refugien mithilfe von kurzen atmosphärischen Parts bildeten, knüppelten Teethgrinder sofort mit einer wütenden Attitüde ihre Songs in die Gesichter des Publikums.



Dieses wurde mittlerweile immer größer. Dabei wirkte die vierköpfige Truppe wie ein selbstzerstörerisches Kollektiv, dass sich auch untereinander nichts schenkte. Gerade Sänger Jonathan spiegelte die Musik mit seiner Bühnenpräsenz wieder und wirkte absolut überzeugend. Zusammenfassend spiegelte der Titel ihres aktuellen Albums „Nihilism“ das Bild ihres Auftritts perfekt wieder.

Nails

Kurz darauf betraten die Headliner des Abends die Bühne und blickten auf einen sichtlich vollen Raum. Mit „God’s Cold Hands“ und „You Will Never Be One Of Us“ ging es sofort explosiv los und Nails sollten die rohe Gewalt bis zum Schluss aufrecht halten. Ohne große Ansagen ging es mit „Friend To All“, „Conform“, „Scum Will Rise“ und dem Klassiker „Tyrant“ weiter. Sänger Todd Jones bedankte sich dabei mehrmals beim Publikum. Auch wenn die Bewegung vor der Bühne spärlich war. Weiter ging es mit „Life Is A Death Sentence“, „Made To Make You Fail“, „Wide Open Wound“, „Depths“ und „Savage Intolerance“ vom aktuellen Album.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Kein Song stand dem Vorigen in Sachen Brutalität nach und auch die Band gab dem Publikum keine Pause. Nachdem es kleine technische Probleme bei der Lead-Gitarre gab, ging es sofort wieder mit dem bösen Gewitter von „Violence Is Forever“, „I Will Not Follow“, „Suffering Soul“, und „In Pain“ weiter. Und wieder bedankte sich Sänger und Gitarrist Todd Jones übermäßig beim Publikum. Und so langsam wirkt es ein wenig aufgesetzt. Auch wenn das Publikum die Show sichtlich genoss, blieben große Moshpits oder Eskalationen vor der Bühne aus. So auch beim Abschluss mit dem Titelsong der Debut LP „Unsilent Death“. Schnell, brachial und ohne Zugabe endet der Abend im Gebäude 9 nach (nur) zwei Stunden wie er begonnen hat.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Zum Sound bleibt nicht viel zu sagen. Die Drums zimmerten einen ohne Mitleid um den Schädel, während die Gitarren und der Bass wie ein Soundbrei durch den Raum zogen. Dabei kann man wohl kaum von präzisen Abmischen reden, sondern ein kampflosen akzeptieren des Gelieferten. Auch wenn es zu Beginn ein Problem mit einem Feedback auf der Bühne gab, waren die Vocals durchaus verständlich. Jedoch kämpfte Sänger Todd mit der Luft. Das ließ ihn einige Textstellen verschlucken oder gar auslassen. Trotzdem sollte man sich vor Augen führen, aus welchem Genre diese Band kommt und das ein präziser Sound dort nicht den gleichen Stellenwert hat als wie bei einem Dream Theater-Konzert.


Fazit

NAILS bleiben authentisch, was ihre Musik betrifft und bringen dies auch rüber. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob Sänger Todd Jones verstanden hat, wie man mit dem Publikum interagiert. Von sarkastisch bis hin zu unsicher, kann ich seine Person auf der Bühne überhaupt nicht nachvollziehen. Und trotzdem liefern Nails live absolut ab und faszinieren mich mit ihrem undifferenzierten und gewalttätigen Sound. Für circa 24 Euro pro Ticket bekamen Fans einen Abend voller Lautstärke, puren Hasses und extremer Musik geboten. Ob Nails laut Aussage von Sänger Todd erst wieder in drei Jahren nach Europa kommen, bleibt abzuwarten.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

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