Mark Morton Anesthetic

Kritik: Mark Morton präsentiert mit „Anesthetic“ ein gelungenes Solo-Debüt

Mark Morton wandelt auf neuen Pfaden. Der Gitarrist der US-amerikanischen Band Lamb Of God kommt nach zehn Studioalben der Metalhelden mit seinem ersten Soloalbum daher, an dem er bereits einige Jahr gearbeitet hat. „Anesthetic“ heißt das Werk, auf dem er mit verschiedenen namenhaften Künstlern zusammengearbeitet hat, die in ihrer Gänze gar nicht alle genannt werden können.

Als Schlagzeuger fungierten u.a. Stone Sour-Drummer Roy Mayorga und Ray Luzier von Korn, während z.B. Mike Inez (Alice In Chains) oder David Ellefson (Megadeath) auf diversen Liedern den Bass zupften.

Am Mikrofon konnte Mark Morton ebenfalls auf prominente Unterstützung zählen, doch hierzu später mehr. Einzig die Gitarre hat er selbstverständlich nicht aus der Hand gegeben und auf allen zehn Songs von „Anesthetic“ selbst eingespielt.

Weiterhin gibt er in „Imaginary Days“ sein Debüt als Leadsänger, was sich durchaus hören lässt. In Summe sind alle Tracks des Albums so unterschiedlich wie die Musiker, mit denen Morton zusammengearbeitet hat.

Allen voran steht in erster Linie der Song „Cross Off“, der bereits vor Albumrelease veröffentlich wurde. Der Track kommt mit den Vocals von Chester Bennington daher und entstand laut Morton in enger Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Linkin Park-Sänger. „Cross Off“ sei ein Gemeinschaftsprojekt gewesen und Bennington habe es geliebt, wieder etwas härtere Musik zu machen, als er es auf den letzten Alben mit Linkin Park getan hatte, so Morton. Und tatsächlich erinnert „Cross Off“ auch an die frühen Sachen der Band. Bass und Schlagzeug spielen in dem Song übrigens Paolo Gregoletto und Alex Bent von Trivium.

Dadurch dass die Tracks nebst unterschiedlichsten Stimmen auch eine sehr vielfältige Komposition aufweisen, könnte man fast nicht glauben, dass sie alle der gleichen kreativen Feder entsprungen sind. Die Texte schrieb zum Großteil Mark Morton selbst und sind laut dem Gitarristen von persönlichen Erlebnissen geprägt. Dennoch merkt man, dass die Songs auch in Zusammenarbeit mit den anderen Musikern entstanden sind.

Alter Bridge-Sänger Myles Kennedy z.B. schrieb die Lyrics zum Track „Save Defiance“ selbst, nachdem Morton ihm eine Instrumentalversion des Songs hat zukommen lassen. Der Track klingt, als sei er von Anfang in Hand-in-Hand-Arbeit der beiden Musiker entstanden und die außergewöhnliche Stimme Kennedys unterstreicht den eingängigen Sound des Liedes.

Wo wir schon bei einzigartigen Stimmen sind, sollte an dieser Stelle Mark Lenegans Gesangseinlage auf „Axis“ angeführt werden. Wirkt Lenegan etwas lustlos und grummelt die Lyrics ein bisschen vor sich hin, kann man sich beim Hören keine besseren Vocals zum Song vorstellen. Und spätestens ab der zweiten Hälfte des Liedes sollte auch der Screaming Trees-Frontmann bei Mortons fulminanten Gitarrenspiel aus seinem Sessel aufspringen.

Die unterschiedlichen Sänger und Sängerinnen geben den Songs ihre ganz eigene Note. Papa Roach-Frontmann Jacoby Shaddix legt auf „Sworn Apart“ mit gewohnt kraftvoller stimmlicher Leistung direkt los. Der Song könnte glatt von einem der neueren Papa Roach-Alben stammen, so sehr passt der Track zu Shaddix‘ Gesang.

Zusammen mit „Save Defiance“ sind die beiden Songs solider moderner Rock und bleiben durch die Eingängigkeit und die einzigartigen Stimmfarben der Sänger sofort im Ohr. Auch der Track „Back From The Dead“ mit Buckcherry-Sänger Josh Todd ist mit seinem eingängigen Gitarrenriff ein echter Ohrwurm und lädt zum Kopfnicken in den Strophen und Mitsingen im Chorus ein.

Etwas härter geht es auf „The Never“ featuring Chuck Billy (Testament) und Jake Oni oder auf „The Truth Is Dead“ zusammen mit seinem Lamb Of God-Bandkollegen Randy Blythe und Alissa White-Gluz (Arch Enemy) zu. Hier schlagen die musikalischen Wurzeln Mortons aus und Freunde gradliniger Songstrukturen und härter anlautendem Sound in Lamb Of God-Manier kommen auf ihre Kosten.

„Anesthetic“ hat aber auch ein paar (positive) Überraschungen in petto. Mark Morales z.B., seines Zeichens Musikproduzent und eigentlich eher in anderen musikalischen Sphären unterwegs, unterstreicht mit wirklich guter stimmlicher Leistung den Grunge-Sound auf „Blur“ und gibt dem Song irgendwie was Schmutziges.

„Reveal“ ist eine groovige Nummer mit der Sängerin Naeemah Z. Maddox und hat gar nichts, wirklich rein gar nichts (außer Mortons erneut großartigem Gitarrenspiel) mit den anderen Liedern des Albums zu tun – und reiht sich dennoch hervorragend in die Liste ein.

Denn auf Mark Mortons erstem Soloalbum ist kein Song wie der andere. Die zehn Tracks sind divers und abwechslungsreich. Oft hat man das Gefühl, die Songs passen sich ihren Gastmusikern an, denn sie erinnern zumeist musikalisch an Stücke, die die Musiker mit ihren Bands oder anderen Projekten sonst machen. Was wiederum auch deutlich macht, dass Mortons Lieder auch zu den Menschen passen, mit denen er zusammengearbeitet hat und er eine Menge Arbeit und Gedanken in sein Projekt gesteckt hat.

Wahrscheinlich sprechen einen aufgrund des vielfältigen Sounds nicht alle Songs des Albums gleichermaßen an. Sicher ist aber, dass viele Freunde von allgemeiner guter Metal- und Rockmusik mit dieser Platte von Mark Morton fündig werden sollten, denn solch ein breites Spektrum an Stilen legt selten ein Musiker auf ein und demselben Album an den Tag.

Wertung: 8/10

Künstler: Mark Morton
Album: Anesthetic
Veröffentlichung: 01.03.2019

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