Live bei: PIERCE THE VEIL in Köln!

Den Sommer noch eine große Amerika-Tour gewuppt, waren PIERCE THE VEIL kürzlich auch endlich wieder bei uns zu Gast. Um ihr neustes Album „Misadventures“ hier zu präsentieren, haben sie sich charmanten Support für ihre Tage in Europa mitgenommen; die britische Horror-Punk Band CREEPER und LETLIVE aus Kalifornien. Für mich persönlich ein durchaus gelungenes Line-up, weshalb es mich verwunderte, dass sich die Kölner Live Music Hall nur mühselig füllte.

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Pünktlich zum Beginn von Opener CREEPER um 18:30 Uhr war die Halle gerade mal zur Hälfte voll. Dementsprechend schwer war es für  CREEPER mit ihrer „Gruselmusik“ das überwiegend junge Publikum in Fahrt zu bringen. Bedauerlicherweise.

Ich denke, dass sie von vielen noch sehr unterschätzt werden, obwohl sie in den USA bereits bei diversen Awardshows nominiert waren (z.B. Best Underground Band bei den APMAs) und oftmals mit MY CHEMICAL ROMANCE verglichen werden. Vielleicht ändert sich das ja, wenn sie nächstes Jahr ihre erste LP veröffentlichen.

Etwas flotter wurde es dann bei Support-Act Nummer zwei, LETLIVE. Wie zu erwarten, gab Sänger Jason Butler wieder alles, zog eine One-Man-Show ab, wie man es nur von ihm kennt und hielt Crowd und Crew auf Trab!

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Mittlerweile ist die Live Music Hall auch etwas voller geworden und das Publikum textsicherer. In diesen Tagen war immer noch eines der Top-Themen: Die Wahlen in den USA. Für die Amerikaner natürlich nochmal ein wichtiger Anlass deutlich zu machen, für welche Normen und Werte sie persönlich stehen, was sie verabscheuen und sich in gewisser Weise für das Verhalten ihrer Mitbürger zu entschuldigen.

Als danach nun endlich PIERCE THE VEIL die Bühne betraten, konnte das überwiegend weibliche Publikum nichts mehr halten! Ein Lichtermeer von Handybildschirmen strahlte mir entgegen und schrilles Gekreische folgte zugleich.

Aber Vollprofis wie PTV lassen sich davon natürlich nicht aus der Ruhe bringen – eher im Gegenteil. Die California-Jungs wissen, wie sie die Crowd unterhalten, zum Mitspringen animieren und die Refrains aussingen lassen. Konfettiregen, CO2-Kanoneneinsatz, Strobolicht während den schnellen Riff-Songs und weiches, gedimmtes Scheinwerferlicht bei den ruhigen Parts, bilden heute das Bühnenbild. Alles ist gut abgestimmt und gut durchdacht. Es macht mir wirklich Spaß dem Quartett zuzusehen, nicht zuetzt weil sie so eine Energie verbreiten und einfach nicht plattzukriegen sind. Beispielsweise sprang Bassist Jaime springt gefühlt alle drei Minuten von irgendeinem anderen kleinen Podest und hat trotzdem noch genügend Puste für die Backing Vocals.

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Ich glaube es war bei „Bulletproof Love“, als ein Mädel aus der ersten Reihe von Sänger Vic auf die Bühne gebeten wurde, auf einem Hocker Platz zu nehmen, er vor ihr niederkniete und den Song mehr oder weniger persönlich vortrug und ihr widmete. Sichtlich gerührt und dem Herzklabaster nahe, dürfte das wohl ihr persönliches Highlight an dem Abend gewesen sein.

Vermutlich werden jetzt wieder die Lästermäuler aufschreien „Jaaa aber das machen die ja immer bla bla bla…“. Möglich. Nichtsdestotrotz beweisen PIERCE THE VEIL in Momenten wie solchen, dass sie „sich nicht zu schade sind“ und ihnen die Fannähe wichtig ist und diese nicht scheuen.

Die Setlist an diesem Abend gefiel mir ebenfalls sehr gut. Ich habe die Band das erste und letzte Mal live vor einigen Jahren als Support-Act von A DAY TO REMEMBER gesehen, habe das neue Album „Misadventures“ auch eher nur beiläufig ab und an mal gehört und war dennoch überrascht, wie viel ich von der heutigen Liederwahl kannte, eben weil es ein guter Mix aus altem und neuen Kram war.

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Um Punkt 22:00 Uhr war dann auch schon Ende. So war es jetzt zwar kein Genickbruch, trotzdem hätten sich viele aber sicherlich über ein paar Minütchen länger gefreut.

An dieser Stelle möchte ich auch mal gerne den ganzen Müttern meinen Respekt aussprechen, die mit ihren Töchtern auch noch lange nach dem Konzert in der Kälte vor der Live Music Hall standen und darauf gewartet haben, dass PIERCE THE VEIL nochmal rauskommen um ihren Fans „Hallo“ sagen.

Rundum war es zwar ein relativ kurzer, dafür aber gelungener Abend. Keine der Bands hat es verdient, dass verhältnismäßig wenig Publikum da war, alle drei sind live absolut empfehlenswert und sollten beim nächsten Deutschland-Besuch gesichtet werden.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schäfer (Cat Eye Photography)

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