Black Peaks

Live bei: Black Peaks, Tusky und The Prestige in Köln

Am Dienstag ging es für uns ins MTC nach Köln zu den mächtigen Black Peaks. Bereits vor knapp eineinhalb Jahren beehrten die Vier aus dem britischen Brighton, dem gefühlten Zentrum moderner Rock- und Metalmusik auf der Insel das MTC, damals noch mit Bad Sign (R.I.P.) im Gepäck. Dieses Mal hatten sie die Pariser The Prestige dabei sowie die Niederländer Tusky dabei. Letztere sind keine Unbekannten, so besteht die Band aus ehemaligen Mitgliedern von John Coffey (ihr erinnert euch an den Bierbecher, den Sänger David Achter de Molen beim PinkPop Festival auf der Absperrung stehend fing und austrank?), genau genommen dem Gitarristen Alfred van Luttikhuizen, Sjors van Reeuwijk, dem ehemaligen Guitar-Tech der Band sowie Bassist Christoffer van Teijlingen. Vervollständigt wird das Ganze durch Drummer Bas Allein Richir.



Los ging’s zeitig um 20:00 Uhr, nachdem sich der Einlass aus unbekannten Gründen um 45 Minuten verzögerte. Vielleicht standen auch deshalb viele der Gäste noch im hinteren Bereich an der Bar, um in Ruhe an ihrem Getränk zu nippen. The Prestige ließen sich davon aber nicht beeindrucken und gaben Vollgas ab Sekunde 1. „Alternative Hardcore“ nennen die Vier ihren Sound und das kommt dem Ganzen schon recht nahe. Shouter (und ansatzweise Sänger) Alex Diaz brüllte sich die Seele aus dem Leib (was dann auch eher den Hardcore-Bestandteil markierte), dabei immer einen leicht bis massiv psychotischen Blick aufgesetzt. An den Gitarren wurde ordentlich geschrammelt und gegrooved. Zum Intro eines Songs schlug Bassist Julien eine Saite an, die einen derart massiven Basston erzeugte, daß sich das Publikum nur überrascht ansehen konnte und es ein Wunder war, daß keine Gläser aus den Regalen der Bar gefallen sind. Leider gab es über das Set verteilt kleinere technische Pannen sowohl an den Drums wie auch beim Gitarristen Raphael, die die Band aber gekonnt überspielen konnte.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Nach dem 30-minütigen Set der Franzosen ging’s weiter mit den Niederländern Tusky, die das Publikum dann auch halb auf Deutsch, halb auf Englisch begrüßten. „Wir können auch ein bißchen Deutsch sprechen.“ Und da war wieder dieser beschämende Moment, in dem man in der Sprache der Band antworten möchte, aber die Worte nicht kennt. „Habt ihr Lust?“ fragte Alfred, der übrigens einen ähnlich auffälligen Haarschmuck unterhalb der Nase trug wie Black Peaks-Sänger Will Gardner lauthals das Publikum. Und es hatte Lust. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase näherte man sich an und ließ den komplexeren Punkrock mit vereinzelten Alternative- und Grunge-Anleihen auf sich einprasseln und die ersten Pogotänzer drehten im kuscheligen MTC ihre Kreise. Man sah der Band den Spaß sichtlich an, so flachsten sie untereinander und freuten sich über jegliche Interaktion des Publikums. Und die war der Band scheinbar noch nicht genug, denn zur Mitte des Sets wurde ein Gast aus dem Publikum auf die Bühne gebeten und auf dem mitgebrachten Egoriser platziert. Auf die Frage, wie er heiße, antwortete jener – zumindest war es das, was auch die Band verstanden hatte – „Save the D“. Was auch immer damit gemeint sein könnte. Und wenige Momente später komplimentierte Alfred ihn herunter vom Egoriser auf die Hände der Gäste, die sich vor ihm aufbauten zum ersten Stagedive seines Lebens (wäre es nach Alfred gegangen). Selbiger wurde auch später nochmal auf die Bühne gerufen, nachdem Alfred mitteilte, daß Black Peaks direkt hinter der Bühne säßen und alles hören könnten, damit er der Band über das Mikro etwas mitteilen könne. Man sieht, Tusky schreiben Entertainment groß. Auch die Animation zum Circle Pit oder Wall of Death unterstrichen den Anspruch.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Nach einem fulminanten Gig setzte Alfred noch zum letztern Gitarrenanschlag an, der synchron mit den Drums erklingen sollte – aber die Gitarre blieb aus unerklärlichen Gründen stumm, was erneut für Lacher innerhalb der Band sorgte. Sympathische Truppe und live definitiv sehenswert.



Gegen 21:45 Uhr erklang das Intro der Black Peaks und der Abend näherte sich seinem Höhepunkt. Mit dem neuen und grandiosen Album „All That Divides“ im Gepäck hatten die Briten ausreichend Futter dabei, das bisher hierzulande noch nicht live zu erleben war. Als Letzter betrat Sänger Will Gardner die Bühne und nachdem er vorher kurz mit seiner Band ziemlich leger die Zülpicher Straße für einen abendlichen Snack aufgesucht hatte, lagen seine Haare nun adrett wie eh und je, dem massiven Schnäuzer farblich schmeichelnd. Los ging’s mit einer der besten Nummern der neuen Platte, „Can’t Sleep“. Und man merkte sofort, daß der Frontmann noch mehr an seinen Fähigkeiten gearbeitet hat, mit der Stimme gekonnt zu phrasieren und cleane Vocals auf helle Screams folgen zu lassen und andersherum, ohne, daß sich auch nur ein Wackler oder schiefer Ton einschlich. Beeindruckend. Überhaupt zauberte der Vierer ein sattes Klangbild zusammen und gab den neuen und alten Songs eine mehr als würdige Bühne. „Aether“ kündigte die Band als Song für das Publikum an, daß es etwas Besonderes sei, was an diesem Abend stattfand, verteufelte Rassismus und Sexismus und ermutigte die Gäste sich frei von Ängsten zu machen.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Als die Band „Glass Built Castles“, DEN Hit anstimmte, war kein Halten mehr im Publikum und Will musste sich zusammenreißen, vor freudigem Lachen nicht das Singen zu vergessen. Ein Crowdsurfer schaffte es auch, sich eine Weile auf den Händen der Meute zu halten und an Will heranzurudern. Zeitweise performte Gardner im Publikum stehend oder herumspringend oder -stolzierend und das mit einer Souveränität, die es unter Sängern mit diesem Skillset nicht häufig gibt. Als kleine Entertainmenteinlage befehligte Bassist Dave Larkin das Publikum, sich hinzusetzen und alle folgten seinem Aufruf. Auf Vier sprangen alle Gäste anschließend hoch, was ich im kleinen MTC auch das erste Mal erlebte.

Nach der „letzten“ Nummer „Fate“ kehrte die Band zur Zugabe zurück und gab noch „Home“ vom aktuellen Album zum Besten. Angekündigt wurde der Song als Statement, daß sie mit dem Brexit nicht einverstanden seien und eine handvoll alter Männer nicht nur damit alles in Großbritannien kaputtmachen würden. Mit einem satten „Fuck Brexit“ widmeten sie den Song den 49%, die gegen die Abspaltung von Europa sind.

Nachdem Black Peaks 2017 noch vor einem bedauerlich kargen Publikum im MTC spielen mussten, schien sich die Qualität der Band herumgesprochen zu haben und der Club zeigte sich dieses Mal angenehm gefüllt. Ein sympathisches Publikum, das Spaß daran hatte, rücksichtsvoll zusammen zu feiern und alte wie neue Songs bejubelte machte neben den unterhaltsamen Künstlern und ihren soliden Performances zu einem erinnerungswürdigen Abend. Das Gesamtpaket ließ auch über den Umstand, daß ein Black Peaks-Shirt den Rockstar-Preis von satten 25€ kosten sollte hinwegsehen.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist
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