Architects

Live bei: ARCHITECTS, WHILE SHE SLEEPS und FIT FOR AN AUTOPSY in Wiesbaden!



„Ich hasse Montage“ sagte schon Kater Garfield. Wochenstarts müssen aber nicht immer negativ behaftet sein, erst recht nicht wenn sie mit ARCHITECTS, WHILE SHE SLEEPS und FIT FOR AN AUTOPSY starten.

Die Show im Wiesbadener Schlachthof ist ausverkauft. Bereits einige Stunden vor Einlass haben es sich allerhand junge Leute bei strahlendem Sonnenschein vor den Absperrungen der Venue gemütlich gemacht. Die Plätze im Schatten sind rar, die Gespräche angeheitert, die Laune gut und als die Türen des Schlachthofes pünktlich um 19.00 Uhr geöffnet werden, stellt man sich brav in einer nicht enden wollenden Schlange vor dem Eingang auf. Trotz verstärkter Taschenkontrollen wie allerorts heutzutage läuft der Einlass richtig schnell und ruhig, sogar Zeit für ein Scherzchen mit der Security bleibt. Wir fühlen uns direkt wohl so fernab von der heimatlichen Domstadt.



Der jüngst in die Schlagzeilen geratene, ursprünglich angedachte Opener WOLF DOWN hatte sich aufgrund des Negativechos aufgelöst und wurde daher vom Billing gestrichen. Und so beginnt der Abend mit FIT FOR AN AUTOPSY. So ganz will die Deathcore-Band aus Amerika nicht in das heutige Line-up passen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick hat Vocalist Joe Badolato jedenfalls an diesem Abend doch eine nahezu verblüffende Ähnlichkeit mit Caleb Shomo von BEARTOOTH, mit einem Touch von Eddie Hermida (SUICIDE SILENCE) wohlgemerkt.

Aber das sind Äußerlichkeiten, auf die musikalischen Werte kommt es heute an. Trotz der Deklarierung als brachiale Core-Band, finden sich in den Tracks der sechs Herren aus New Jersey allerhand äußerst melodiegespickte Parts, die überraschend gut ankommen. Das Publikum tanzt sich schonmal warm, obgleich dies in der ohnehin schon überhitzen Halle kaum mehr nötig ist. Die folgende Umbaupause zieht sich dahin.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Dann endlich betreten WHILE SHE SLEEPS im Schummerlicht die Bühne und brettern ohne Wenn und Aber mit ihrer ersten Nummer „You Are We“ los. Schnell hat man als Fotograf im Graben die ersten 50 Crowdsurfer im Nacken. Die Wiesbadener lassen sich nicht lange bitten und vom ersten Track an gibt es kaum mehr ein Halten in der Menge. Zugegeben, WHILE SHE SLEEPS spielen nicht grade selten dieser Tage in Deutschland, so langsam könnte man ihrer überdrüssig werden; könnte man, wird aber irgendwie niemand. Im Gegenteil, die Band scheint mit jedem Auftritt an Sympathie zu gewinnen.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Dies ist nicht zuletzt Fronter „Loz“ geschuldet, der unentwegt seine Späßchen mit dem Publikum treibt, sich gerne mal auf Konzerten in das Selbige begibt oder schon so einige Bühnen- bzw. Lichtaufbauten erklommen hat. Diese Band macht Spaß, auch beim x-ten Mal in diesem Sommer. Songs wie „Brainwashed“ und „Seven Hills“ tun ihr übriges und als gegen Ende des Sets überraschend LINKIN PARKs „One Step Closer“ als Riff ertönt, erkennt jeder im Raum den Track, was die Band komplett unkommentiert lässt. Ausnahmsweise mal keine Trauerfeier mit tiefgründiger Ansage, sondern ein dreißigsekündiger Moshpit für jedermann.



Wer jetzt nach draußen vor die Halle will, um Luft zu schnappen, hat es nicht einfach. Durch das kleine Nadelöhr der Ausgangstür quetschen sich fast alle 2.000 Konzertbesucher, was absolut keine Freude ist. Hier kommen erstmalig die weniger angenehmen Seiten des Schlachthofes zum Vorschein. Aber ja, er ist ja noch im Umbau. Dennoch, wer es an die frische Luft schafft, dem bleibt nur wenig Zeit zum Verweilen, schließlich folgt ja nun der Grund unserer Anwesenheit in Wiesbaden: ARCHITECTS.

Diese starten ihr Set mit „Nihilist“ und „Deathwish“ und weiteren, mindestens 50 Crowdsurfern. Die Halle tobt nun komplett. Beim dritten Song wird ihr Set dann von einer ordentlichen Ladung CO2-Kanonen kredenzt, ehe die Band etwas später den Song „C.A.N.C.E.R.“ performt. Mitten im Set reißt dann die Saite einer Gitarre. Aber man nimmt es mit Humor und während die Crew das Problem richtet, bleibt kurz Zeit zum Durchatmen. Dann wird es lustig, denn Gitarrist Adam Christianson wird 30 und die Halle singt ihm fleißig ein „Happy Birthday“-Ständchen, während der errötete junge Mann ein Glas Erdnussbutter von Fronter Sam Carter geschenkt bekommt.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

Witz und Trauer liegen heute Abend ganz Nahe beieinander. Vor gut einem Jahr verstarb Gitarrist Tom Searle tragisch an seinem langwierigen Krebsleiden. Fans der Band waren sehr betroffen, besonders als ARCHITECTS ihre ersten Auftritte nach seinem Tod ohne ihn bestritten und viele Male Sänger Sam die Worte wegbrachen und nicht selten auch im Publikum Tränen flossen. „Es wird nie wieder gut, aber es wird besser“ sagte einmal jemand über den Verlust geliebter Menschen und irgendwie fühlte es sich heute für uns so an.

Der Kloß im Hals, den man bei Sams allabendlichen Gedenkworten an Tom hatte, ist kleiner geworden, die Anteilnahme jedoch nicht. Trotz aller Ernsthaftigkeit kann man nicht sagen, dass ARCHITECTS hier ein Trauerspiel veranstalten. Ganz im Gegenteil. Diese Band gibt alles und lebt in ihren Songs. „Devil’s Island“, mein persönlicher Favorit, ist nur eine der älteren Nummern, die die Band heute darbietet. Ein rundum gelungener Abend.

Bloß die Venue und den Parkplatz verlassen zu können, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber dem grundsympathischen Wiesbaden nehmen wir das heute sicherlich nicht mehr übel.

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Kamerageil)

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