Kritik: WHILE SHE SLEEPS – „You Are We“

„Pure Musical Genius“, „The Most Important Album Ever“; Auszüge aus bisherigen Meinungen zum neuen WHILE SHE SLEEPS-Album „You Are We“, welche die Jungs selbst vor ein paar Tagen auf ihrer Facebook-Seite stolz veröffentlicht haben. Und nicht nur darauf gilt es stolz zu sein, sondern auch auf die eigene Finanzierung und Aufnahme der Platte. Nach zehn Jahren Bandgeschichte präsentieren sich die Briten vollständig unabhängig und scheinen fokussierter, stärker und entschlossener als je zuvor. Da ist es natürlich auch für uns an der Zeit, vorab in die neue Platte der Jungs reinzuhören.  Unter einer meiner letzten Reviews wurde zu meinem Satz, man könne ja nicht nur Ohrwürmer auf einem Album produzieren, kommentiert, das WHILE SHE SLEEPS ein Anwärter darauf wären, dies auf ihrer neuen Scheibe zu schaffen. Ob sie dies auch wirklich hinbekommen haben, erfahrt ihr in den kommenden Zeilen…

Die Herrschaften von der Insel haben uns vorab quasi mit Eindrücken aus ihrem Album zugeschüttet. Gleich fünf Songs wurden bereits veröffentlicht, also kennt ihr bereits fast die Hälfte von „You Are We“ schon. Kein Grund natürlich, euch trotzdem meinen Senf zur Platte und auch zu eben diesen Songs zu präsentieren. Das Album beginnt mit dem gleichnamigen Track, der Ende Januar bereits das Licht der Welt erblickte. „You Are We“ kommt direkt zu Beginn mit einem eindrucksvollen Sound daher. Akustikgitarre, dann sphärischer Gitarrensound mit feinen Harmonics, anschließend richtig ordentliches Geknüppel mit schnellem Beat und drückenden Shouts in den Strophen, ein aufbauender Pre-Chorus und dann ein typischer WHILE SHE SLEEPS-Refrain, der zum Mitsingen einlädt. Die Hauptmelodie des Songs wird, wie von den Jungs bekannt, von den Gitarren bestimmt, aber das konnten die Herrschaften ja schon immer gut.

„Steal The Sun“ präsentiert sich anschließend mit einem flotten Drumbeat, zum Teil zurückgenommenen Gitarren in den Strophen, bevor es dann wieder richtig zur Sache geht. Kurze Rap-Parts, dazu unfassbar drückende Mittelteile, welche mich gleich gedanklich im Pit versinken lassen und ein feiner Moshpart, der natürlich nicht fehlen darf. Dazu wieder unfassbar eingängige Gitarrenmelodien. Hier zeigt sich direkt die musikalische Bandbreite der Band, einfach herrlich. Das Ding ballert euch definitiv aus dem Sessel! Das anschließende „Feel“ kennt ihr ebenfalls seit Anfang dieser Woche. Ein Song, der vor allem durch seine drückenden Shouts in den Strophen und die feinen Gitarrenlines beeindruckt. Für mich nicht so stark wie seine beiden Vorgänger auf der Platte, aber trotzdem absolutes WHILE SHE SLEEPS-Feeling.

Wer jetzt denkt, dass die Jungs mit ihrem Konzept auf der Platte weiter fortfahren, den muss ich nun etwas enttäuschen. „Empire Of Silence“ kommt schon ein bisschen in Form einer druckvollen Ballade daher, hat aber noch so viel Power, dass das überhaupt nichts ausmacht. Hier gibt es allerdings mal einiges mehr an Cleanggesang und ruhigere Parts, in denen man auch mal etwas „entspannen“ kann. Für mich auf der Platte super eingebracht, da ich etwas „Erholung“ nach diesen drei Krachern echt gebrauchen kann. Und wow, diese Gitarren ab 02:54 min., mega cool. Shouts und Druck gibt es übrigens immer noch genug, keine Sorge! „Wide Awake“ startet anschließend mit Akustikgitarre, um dann anschließend in die wohl geilste Strophe der Platte einzusteigen. Alter Falter, das ist mal ein Riffing… und die Drums erst! Da werdet ihr euch förmig vor der Bühne zerfetzen. Es geht zwar auch zwischendurch wieder ruhiger zu, aber genau das machen WHILE SHE SLEEPS halt auch aus. Volle Energie, hammermäßiger Druck, dann wieder ruhigere Parts. Diese Mischung haut einfach alles um! Für mich übrigens der Geheimtipp des Albums, also hört unbedingt mal rein.

Spätestens ab „Silence Speaks“ wissen wir dann auch, dass Oli Sykes immer noch coole Shoutparts produzieren kann. Leider zwar nicht mehr bei seiner eigenen Band, aber das tut hier ja nichts zur Sache. Macht euch selbst ein Bild, ich für mich kann bei dem Song nichts negatives entdecken. Vor allem das Gitarrensoli gegen Ende hat es mir angetan! Das anschließende „Settle Down Society“ besticht mit coolen Rapparts im Refrain und Drums, die den Song zwischendurch immer wieder ordentlich nach vorne pushen. Track 08 „Hurricane“ ist euch ebenfalls allen bekannt und wurde bereits im vergangenen November veröffentlicht. Hierzu brauche ich wohl nicht mehr viel zu schreiben, außer dass das WHILE SHE SLEEPS-Konzept mal wieder wunderbar funktioniert. Hach, und diese Gitarrenmelodie ist auch nach Monaten immer noch geil!

„Revolt“ gibt nun wieder ordentlich Vollgas, überrascht aber jetzt nicht wirklich mit etwas neuem. Aber hey, das braucht der Song ja auch nicht mehr. Die musikalische Bandbreite der Band auf dieser Platte ist sowieso immens. Hört unbedingt öfters rein, ihr werdet immer neue Sache raushören. Das macht auf jeden Fall richtig Spaß! „Civil Isolation“ (ebenfalls bereits 2016 veröffentlicht) und „In Another Now“ beenden die Platte mit typischen WHILE SHE SLEEPS-Sound, überzeugen aber auch hier wieder durch ihren coolen Mix aus abwechslungsreichen Parts, die, wie gewohnt, mal härter, mal ruhiger daherkommen.

Fazit:
Das bekannte Konzept der Jungs aus Sheffield funktioniert auch auf „You Are We“ noch! Im Gegensatz zum Vorgänger drückt die Produktion aber nochmal einen Tacken mehr und der Mix aus ruhigen und und härteren Parts ist nochmal mehr ausgereizt worden, als auf den bisherigen Releases. Sehr moderner, melodischer Metalcore, der es aber nicht vergisst, den nötigen Druck außer Acht zu lassen. Das fehlt bei manch aktueller Veröffentlichung, hier ist es perfekt umgesetzt! Ihr wolltet elf Ohrwürmer am Stück… elf Ohrwürmer sind es nicht geworden, aber elf unheimlich gute Songs, die alle unterschiedliche Stärken haben. Ein Anwärter auf das Album des Jahres? Ich kann mir im Moment keine andere Band vorstellen, die das in diesem Jahr noch toppen soll. Volle Punktzahl!

Wertung: 10/10

Band: While She Sleeps
Albumtitel: You Are We
Songs: 11
Genre: Metalcore

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