To The Rats And Wolves TTRAW Cheap Love

Kritik: To The Rats And Wolves gehen mit „Cheap Love“ auf Nummer sicher

Zur Musik von To The Rats And Wolves gibt es unterschiedliche Meinungen: Kann die Band aus Essen auf der einen Seite knapp 58.000 Facebook- und gut 20.000 Instagram-Follower ihr Eigen nennen, müssen sie auf der anderen für ihren musikalischen Stilmix oft Kritik einstecken. Die Musik der Truppe um die beiden Sänger Dixi Wu und Nico Sallach wird gerne als Trancecore bezeichnet und mit Material von Eskimo Callboy oder We Butter The Bread With Butter verglichen.

Dabei kann man die Musik der Ruhrpott‘ler gar nicht so einfach in eine bestimmte Schublade stecken. Im Prinzip müsste man eine ganze Kommode nehmen, sämtliche Schubladen aufreißen und in jede Schublade einen kleinen Teil der Songs stecken. Denn – und das ist das große Problem an der Sache – die einzelnen Tracks wollen oft zu viel auf einmal und das auch noch viel zu schnell. Nun steht das neue Ding von To The Rats And Wolves in den Startlöchern und man ist gespannt, ob die Jungs sich musikalisch weiterentwickeln konnten! Die neue Platte trägt den Namen „Cheap Love“ und wandert ab dem 22. Februar über die Ladentheke. Nach den beiden Alben „Neverland“ (2015) und „Dethroned“ (2016) ist es die dritte Full-Length-Platte der Band.

Eines muss man den Jungs von vorne weg neidlos eingestehen. Sie wählen grundsätzlich die richtigen Zutaten für ihr Rezept. In erster Linie wissen nämlich alle Bandmitglieder mit ihren Instrumenten und Stimmen umzugehen und das ist ja schonmal die Basis für ordentliche Musik. Nimmt man nämlich den poprockigen Song „Down“, der Track auf „Cheap Love“, der (bis auf Ausnahmen) ohne die sonst so stark präsente elektronische Seite auskommt, erkennt man ein harmonisches Zusammenspiel der einzelnen Instrumente und einen eingängigen Gitarrenriff. Insbesondere die Stimmfarbe von Nico Sallach, der für die cleanen Gesangparts zuständig ist, kommt hier wirklich gut zur Geltung. In „B.I.C.“ wiederum zeigen Screamer Dixi Wu und Drummer Simon Yildirim, was sie können und verschaffen dem Song in den Strophen kraftvoll Tempo – Lionel-Richie-Gedächtnis-Passage inklusive (Fiesta, Forever)!

In solchen gradlinigen Tracks, oder zumindest Teilen davon, zeigt die sechsköpfige Combo, dass sie ihr Metier wirklich beherrschen und auch das instrumentale beziehungsweise stimmliche Zusammenspiel als solches hervorragend funktioniert. Wenn… ja, wenn da dieses Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Denn trotz der Wahl der richtigen Grundzutaten werden diese manchmal nicht richtig miteinander kombiniert. Und dann ergibt sich leider ein etwas seltsamer Beigeschmack.

Allem voran sollte an dieser Stelle „Look What You Made Us Do“ genannt werden. Man kommt nicht daran vorbei, an Musiker wie Flo Rida & Co. denken zu müssen. Im Prinzip wartet man nur darauf, dass Herr Pitbull aus dem Hintergrund „Mister Worldwide“ dazwischenruft oder DJ Antoine ein „Welcome to St. Tropez“ erklingen lässt. Grundsätzlich ist gegen Samples aus anderen Musikstücken ja gar nichts einzuwenden, aber dann sollte der rote Faden beibehalten werden und das funktioniert bei „Look What You Made Us Do“ nicht. Wenn man den Song bis zum Refrain hört, klingt er spätestens hier wie ein völlig anderer Track.

Ähnlich verhält es sich zum Beispiel mit Songs wie „Friendz“. Nach einem beinahe verstörenden Songbeginn (hängt die Platte, spinnt mein WLAN?!), über eine erste Strophe mit wirklich gutem Gitarrensound, hin zu einem Refrain, der zwar durchaus hörbar ist, wiederum aber nicht zu den ersten beiden Parts des Liedes passt. Einem ähnlichen Prinzip folgt „True“, auf dem als Gastsänger übrigens Our Last Night-Frontmann Trevor Wentworth zu hören ist. Gradlinige und eingängige Strophen (vom im Hintergrund dudelnden Störungslaut abgesehen) gipfeln in einem Refrain, in dem man vor Synthesizer und verzerrender Elektronik nicht mal mehr ein Wort versteht.

Gerade letzteres ist es, was leider von der wirklich guten spielerischen Grundlage der Band ablenkt. Dabei würden Tracks wie „Therapy“, „Famous“ oder „All The Things“ auch komplett ohne die elektronische Komponente auskommen. Bei solchen Liedern wirkt die Elektronik lediglich dazu gepackt, ohne etwas erreichen zu wollen. Anders wiederum sieht das beim titelgebenden „Cheap Love“ oder „Never Stop“ aus, denn hier sind die elektronisch hinterlegten Einlagen ein unabdingbarer Teil der Songs, ohne welche die Lieder schlichtweg nicht funktionieren würden.

Man sagt, dass viele Köche den Brei verderben – und zu viele stilistische Richtungen offenbar auch die Musik. Starke Screams hier, tolle Gesangseinlagen da, Double Bass an anderer Stelle und forttragende Gitarrenriffs zum Abschluss. Man weiß nicht genau, in welche Richtung To The Rats And Wolves gehen wollen. Stil- und Genremixe an sich sind ein Trend, der in der heutigen Musiklandschaft weitläufig zu beobachten ist. Zuletzt konnte man das am kontrovers diskutierten neuen Album von Bring Me The Horizon beobachten. Es macht es nur schwierig, sich auf Musik einzulassen, wenn man als Hörer selbst innerhalb eines einzigen Songs von metalcore-ähnlichen Strukturen hin zu einer musikalischen Einlage getragen wird, die tagtäglich in den gängigen Radiosendern zu hören ist.

Zugegebenermaßen hat sich die Musik auf dem dritten Studioalben der Band im Vergleich zu den beiden Vorgängern nur kaum weiterentwickelt, was an dieser Stelle aber eigentlich nicht wirklich abwertend gemeint ist. To The Rats And Wolves sind beständig und machen das, wofür man sie kennt und wofür sie gefeiert werden. Wer die Band also bis hierhin mochte, wird auch vom neuen Werk nicht enttäuscht sein! Wer auf gradlinige Songs steht, Stilmixen nicht so offen gegenübersteht und mit elektronischer Musik nichts anfangen kann, wird keinen Gefallen an der Musik der Jungs finden. Aber – und das ist das Schöne – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und dass vielen Menschen die Musik von To The Rats And Wolves gefällt, ist offensichtlich.

Wertung: 6/10

Band: To The Rats And Wolves
Album: Cheap Love
Veröffentlichung: 22.02.2019

To The Rats And Wolves TTRAW

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