SWMRS Berkeley’s On Fire

Kritik: SWMRS haben auf „Berkeley’s On Fire“ ihren Stil gefunden

Wörter bestehen bekanntlich aus Buchstaben und Buchstaben wiederum lassen sich – grob gesagt – unterteilen in Vokale, Konsonanten und Umlaute. Vokale sind dabei fast überlebensnotwendig, um Wörter überhaupt verstehen und aussprechen zu können. Vor ein Problem wird der gemeine Leser gestellt, wenn diese schlichtweg nicht existieren. Was macht man also, wenn einem eine Band mit dem kryptischen Namen SWMRS begegnet?

Oft hilft es, die Aneinanderreihung von Konsonanten laut auszusprechen. Probiert das mal! Raus kommt in diesem Fall „Swimmers“ und ja, genauso heißt die Band. Die vier Jungs aus Kalifornien starteten 2004 als Emily’s Army und veröffentlichten unter diesem Namen die Alben „Don’t Be A Dick“ (2011) und „Lost At Seventeen“ (2013). Es folgte die Namensänderung zu SWMRS im Jahr 2016 und das dritte Werk „Drive North“. Nun wird es nach mehr als zwei Jahren Zeit für den Nachfolger der Punkrock-Band aus den Staaten. „Berkerley’s On Fire“ heißt das gute Stück und steht dem Vorgänger musikalisch in Nichts nach.

Ehrlicherweise sollte man die Musik der Jungs separieren. „Drive North“ und nun auch „Berkerley’s On Fire“ stellen eindeutig eine musikalische Weiterentwicklung der Band dar. Während die Band als Emily’s Army ein bisschen zu sehr herumexperimentieren schien, sind sie dem Highschool-Punk aus dieser Zeit entwachsen. Vielleicht, weil sie sich unter dem neuen Bandnamen auch vom berühmten Vater des Drummers Joey Armstrong lösten. Wie man sich beim Namen schon denken kann, ist dieser nämlich niemand geringeres als Green Day-Frontmann Billie Joe Armstrong.

Die beiden Alben aus Emily’s Army-Zeiten wurden sogar von ihm höchstpersönlich produziert. Armstrong jr. und Co. freuten sich damals natürlich über die professionelle Unterstützung. „Er wollte bei allem gern dabei sein und mitreden. Er war eben einfach nur ein Dad“, sagt Drummer Joey heute dazu. Mittlerweile haben sich die erwachsen gewordenen Jungs aber davon abgesagt. Sowohl von Billie Joe als auch vom Highschool-Punk.

Und so kommt das neue Werk der SWMRS mit einem ganz eigenen Sound daher. Drei Songs veröffentlichte die Band bereits vorab: „April In Housten“, „Trashbag Baby“ und das titelgebende Lied „Berkerley’s On Fire“. So unterschiedlich die Songs auf den ersten Blick sind, so klar kann man nach genauerem Hinhören allerdings auch den typischen Sound der SWMRS heraushören. Die melodischen Songs der Band fordern den Zuhörer automatisch zum Kopfnicken auf und tragen einen unbemerkt vorwärts. Rhythmische Gitarrenriffs, Synthesizer und eine sehr präsente Stimme des Leadsängers Cole Becker dominieren die zehn Tracks des Albums. Die Backing Vocals stammen übrigens von Cole Beckers Bruder Max und, obwohl die beiden stimmlich sehr unterschiedlich klingen, harmonieren sie in den Stücken hervorragend miteinander. Die Tracks machen Spaß und kommen ohne tiefgründige Story in ordentlicher Punkmanier daher.

Wobei es wieder schwierig ist, den musikalischen Style der Jungs als Punk zu bezeichnen. Zwar zeugen Tracks wie „Hellboy“ oder das rockige „Lonely Ghost“ durch schnell gespielte Parts zum Teil von klassischen Punkstrukturen, dennoch ist die Musik der SWMRS eher eine Mischung aus Punk, Rock’n’Roll und ein ganz klein bisschen Synthwave („Too Much Coffee“). Es ist insgesamt so, dass die Tracks auf „Berkerley’s On Fire“ aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen. Was den Stil der SWMRS wiederum zu etwas besonderem macht.

Die Lieder des Albums sind im Aufbau alle sehr unterschiedlich, von Eintönigkeit kann also in keinem Fall die Rede sein. Von schnelleren Stücken wie „Trashbag Baby“ oder „Lose Lose Lose“ zum seichten „April In Housten“ oder dem melancholischen „Bad Allergies“ wird auf diesem Album viel Abwechslung geboten.

Die jungen Musiker geben ihren Songs sowohl spielerisch als auch thematisch einen gewissen Witz mit, ohne dabei lächerlich oder gar unseriös zu wirken. Textlich werden sogar teilweise politische oder sozialkritische Themen angesprochen, wie z.B. die Macht der Medien in „Berkerley’s On Fire“. Das Album der SWMRS verfolgt aber keineswegs eine politisch leittragende Thematik. „IKEA Date“ beispielsweise handelt von jugendlichen und zwischenmenschlichen Problemen. So wie auch musikalisch Abwechslung geboten wird, werden auch die Lyrics vielfältig gestaltet. „Berkerley’s On Fire“ zeugt von typischem Coming Of Age-Stoff einer Band, die erwachsener geworden, aber dennoch lange nicht ausgewachsen ist. Die SWMRS machen ihre Sache mehr als gut und haben ihren Weg gefunden. Wer auf solide Punk-Pop-Songs ohne großes Brimborium mit einem Hauch von Rock’n’Roll steht, wird dieses Album sehr mögen.

Wertung: 8/10

Band: SWMRS
Album: Berkeley’s On Fire
Veröffentlichung: 15.02.2019

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