Kritik: SEETHER – „Poison The Parish“

Es fällt mir echt schwer, eine Einleitung für diesen Bericht zu schreiben. Es sollte ja auch eine Einleitung sein, die der Band gerecht wird. Immerhin ist das hier SEETHER! Eine dreiköpfige Heavy-Rock Band, die hier in Deutschland leider auch nach 18 Jahren Bandgeschichte viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Dabei haben sie auch hier echt schon ein paar Hits landen können. Den Song „Broken“, den sie 2004 zusammen mit Amy Lee (Evanescence) veröffentlicht haben, kennt glaub ich jeder, oder zumindest viele. Aber darum geht es jetzt nicht. Dieses Jahr bringt die Kombo eine neue Langspielplatte auf den Musikmarkt. Und darüber wollen wir heute sprechen. Denn darüber lohnt es sich nämlich zu sprechen.

Nachdem ich „Poison The Parish“ nun etwa zwanzig Mal komplett gehört habe, fühle ich mich auch bereit dazu ein paar Worte darüber zu verlieren. Das Album startet mit „Stoke The Fire“ und gibt direkt volles Pfund aufs Maul und ich zu meinem Teil habe sofort das Bedürfnis mit dem Kopf im Takt zu nicken, wenn dieser aggressive Riff durch die Lautsprecher dröhnt. In der Strophe ist es dann etwas ruhiger, während Frontmann Shaun Morgan auf eine seltsam passiv-aggressive Art seinen Text singt. Eine verzögert einsetzende Gitarre unterstützt diese treibend im zweiten Teil der Strophe bevor es dann im Refrain wieder lauter wird. Im Verlauf seiner knapp dreieinhalb Minuten Laufzeit wird der Song immer aggressiver und setzt die Messlatte der kommenden fünfzig Minuten sehr hoch. „Stoke The Fire“ gibt einen perfekten Start in ein neues Album nach drei Jahren SEETHER-Abstinenz.

Weiter geht es mit „Betray And Degrade“ und auch hier gibt es nach einem kurzen Gitarre/Gesangs Intro wieder das volle Rockbrett ins Gesicht. Ein sehr solider Song, der in der Bridge so aggressiv wird, dass sich jeder Hardcore-Fan im Moshpit sofort auf die Zwölf geben will. Hier zeigt der liebe Shaun erneut, dass er nicht nur schön singen, sondern auch schreien kann.

Zu aggressiv? Kein Problem! „Something Else“ ist ein düster und lethargisch klingender Rocksong, der die Stimmung aufgrund dieser Tatsachen zwar nicht wirklich auflockert, aber direkt zeigt, dass es nicht immer nur das Gleiche sein muss. In meinen Augen ist der Song leider etwas zu melancholisch und deswegen fühlen sich die knapp vier Minuten deutlich länger an, als sie in Wirklichkeit sind.

An vierter Stelle ewartet uns „I’ll Survive“ und durch die anklingenden Akustik-Gitarren scheint es fast so, als würde die erste Ballade auf uns warten. Erstmal nichts Besonderes aber in dem Moment, wo der Refrain einsetzt klappt mir die Kinnlade runter. Alter Schwede, kann dieser Mann Gesangsmelodien schreiben. Direkt verkrampft sich mein Hirn und will, dass ich mitsinge, dabei höre ich den Song zum ersten Mal. Genau so muss das sein!

Kommen wir nun zur ersten Singleauskopplung des Albums. Dieser nennt sich „Let You Down“ und dazu gibt es sogar ein schniekes Musikvideo. Wir fallen wieder in unser anfängliches Schema zurück und geben einen dicken Riff durch die Leitung und den catchy Refrain gibt es gratis dazu. Tatsächlich fängt dieser Song das Thema und die Stimmung von „Poison The Parish“ sehr gut ein.

Als nächstes kommen zwei „Rockballaden“ in Folge und drücken die Stimmung sehr tief runter. Beide Songs sind langsam, träge und lethargisch. Mit „Against The Wall“ und „Let Me Heal” geht es ganz in die dunkelste Ecke der menschlichen Seele bevor es mit „Saviours“ wieder einen Song gibt, bei dem man kollektiv durch die Konzerthalle springen möchte. Auch hier gibt es das bekannte aber funktionierende Muster der ehemaligen Südafrikaner. Catchy Riff, harte Bassline und ein Refrain, bei dem man sofort mitgrooven muss.

„Nothing Left“ ist die zweite Videoauskopplung der Platte und startet mit mehr aggressiven Gesang und einer bösen Gitarrenspur, bevor es auch hier wieder Vollgas durch die Windschutzscheibe geht. Weitere Shouts im Refrain unterstreichen diese Stimmung.

Die nächsten zwei Songs nennen sich „Count Me Out“ und „Emotionless“ und hier ist wieder miese Stimmung und Depression angesagt. Mehr langgezogene Noten, Verzweiflung und träge Drums.

Das Schlusslicht bildet der Song „Sell My Soul“ und dieser hat einen sehr Country-artigen Einfluss. Bei jeder anderen Rockplatte hätte ich gedacht, dass es nicht so richtig zusammenpasst; aber doch – dieser Song bildet das perfekte Ende zu einem fast perfekten Album.

Fazit:

Eigentlich wollte ich keine Review zu jedem Song machen, aber „Poison The Parish“ ist so facettenreich und gut komponiert, dass es automatisch so kam. Hier passt einfach alles sehr gut zusammen.

SEETHER zeigen mit diesem Album, dass das Genre alles andere als tot ist und ich kann nur jedem einzelnen von euch hier ans Herz legen, dass ihr euch dieses Album anhört. Hier wird einfach alles geboten, was das Rockerherz begehrt: Aggressive Gitarrenriffs, die sofort im Ohr hängen bleiben, eine rauchige Stimme, dezent eingesetzte aber perfekt platzierte Shouts und Refrains bei denen man direkt beim ersten hören mitsingen möchte, obwohl man nicht mal den Text kann. Zwar hätte ich mir mehr Songs gewünscht, die einen nicht so runter ziehen aber dennoch wird „Poison The Parish“ sicherlich in meinen Top 10-Alben des aktuellen Jahres landen.

Wertung: 9/10

Tickets für die anstehende Tour bekommt ihr hier!

19.09. Hamburg – Markthalle
20.09. Köln – Live Music Hall
26.09. Berlin – Huxleys
06.10. München – Backstage Werk
10.10. Frankfurt – Batschkapp
11.10. Stuttgart – LKA Longhorn

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