Neck Deep

Kritik: NECK DEEP – „The Peace And The Panic“



Wirklich ruhig war es in den letzten Jahren um NECK DEEP nicht: Spätestens mit ihrem Album LIFE’S NOT OUT TO GET YOU sind sie die Leiter des Erfolgs immer höher gestiegen, tourten als Headliner durch Europa und die USA und sind in der Pop-Punk-Szene keine Unbekannten mehr.

Auch mein Geschmack wird von ihnen zu 100% getroffen. Gerade LNOTGY war und ist für mich ein echter Trostspender und hat mir durch eine fiese Herzschmerz-Phase geholfen. Ein Album, das aus tiefstem Herzen geschrieben ist; es gibt einem diesen optimistischen Blick auf’s Leben, auch wenn man sich mal richtig dreckig und „down“ fühlt.

Dementsprechend war ich gespannt, ob die Jungs aus Wales mich auch dieses Mal wieder überzeugen können.
Am vergangenen Freitag kam das gute Stück auf den Markt. Der Titel THE PEACE AND THE PANIC und das Cover ließen bereits erahnen, dass es sich viele Lieder thematisch in Richtung Politik und Gesellschaftskritik bewegen werden. Das ist neu für die Band.

Schon beim ersten Durchhören fiel mir auf, dass sich der Sound definitiv geändert hat, nicht gravierend, man erkennt immer noch dass es sich um NECK DEEP handelt, weiterhin sehr poppig, aber einfach nicht mehr ganz so quirlig.



Aber reicht das aus, um zu punkten? Was mich definitiv gepackt hat, ist der Track “Don’t Wait”, musikalisch unterstützt durch ARCHITECTS-Frontmann Sam Carter. Dieser heavy Sound der Gitarren und der Drums treibt den Puls direkt nach oben und lässt mich von Beginn an spüren, dass da was Gutes auf uns zu kommt. Die laute, appellierende Stimme von Sänger Ben unterstreicht die kritisierenden Lyrics und Sams einsetzende Shouts verleihen dem Stück die Extraportion Emotion und Dringlichkeit.

Mir gefällt diese neue Ernsthaftigkeit der Band, die man auch bei “Happy Judgement Day” zu hören bekommt. Man merkt, dass auch sie keinen Bock mehr auf den ganzen Kram haben, der gerade in der Welt abgeht und vermeintlich falsch läuft. Die Jungs wirken reifer und ehrlicher.

Von den poppigen Tracks gefallen mir vor allem “Motion Sickness”, “In Bloom”, “The Grand Delusion” und “19 Seventy Sumthin’”. Sie versprühen einfach diesen positiven Vibe, den Pop-Punk so mit sich bringt und sind sehr stimmig. Sie bilden den optimistischen Gegenpart zu den oben genannten kritischen Songs. Schlichtweg solide Dinger.



Auch wenn ich die Lieder lyrisch und stimmungsmäßig für gut befinde, so geht mir in großen Teilen der Scheibe Bens glatt gebügelte Stimme ziemlich auf die Nerven. Wo ist das Rotzige von ihm geblieben, welches man noch aus “Wishful Thinking”-Zeiten kennt?

Allgemein hätten das Album ruhig nochmal etwas punkiger werden dürfen. Derbere Drumbeats in ein, zwei Songs hätten es da vielleicht schon getan. Wenn ich jetzt so über die Platte im Ganzen nachdenke, so muss ich gestehen, dass keines der Lieder für mich eine herausstechende Hymne hat, die sich einem ins Gedächtnis brennt und die man lauthals auf Show mitgröhlen wird, wisst ihr? So ein Stück, von welchem man auch noch Jahre später jede einzelne Zeile auswendig kann und das Spaß macht mitzusingen.

Fazit: THE PEACE AND THE PANIC ist nicht schlecht, es ist für mich aber auch kein Album, was mega heraussticht. Es hat mich nicht enttäuscht, an LNOTGY kommt es aber auch nicht ran. Trotzdem schaffen sie es auch mit dieser Scheibe wieder den Hörer mit ihrer Thematik abzuholen und ihm, gerade mit den ernsteren Songs, aus der Seele zu sprechen. Ich mag die reife Weiterentwicklung der Jungs und sie sind für mich mit dem Album weiterhin auf gutem Kurs, ihre Daseinsberechtigung im Punk-Pop Genre zu festigen. Ein solides Album, welches ich mit Sicherheit noch ein paar mal hören werde.

Wertung: 6/10

Band: Neck Deep
Album: The Peace And The Panic
Release: 18.08.2017
Genre: Pop-Punk
Titel: 11

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