Make Them Suffer

Kritik: MAKE THEM SUFFER – „Worlds Apart“



Das Genre Deathcore befindet sich aktuell im Wandel. Viele Bands suchen nach neuen Wegen, um weiterhin relevant zu bleiben.

Während Bands wie WHITECHAPEL und SUICIDE SILENCE in Richtung Hörbarkeit und Eingängigkeit gehen, kommen gerade bei den jungen Bands Einflüsse anderer extremer Metalarten ins Spiel. Hört man sich die aktuellen Alben von Bands wie AVERSIONS CROWN, LORNA SHORE oder auch CARNIFEX an, ist der Bezug zum Subgenre Black Metal nicht weit. Depressiv-theatralische Leadgitarren, dissonante 16tel Rhythmus-Parts oder kreischend-ächzende Vocals, finden im Deathcore-Gewand immer wieder Platz und frischen den (mittlerweile) verstaubten Wechsel von Blastbeats und Breakdowns auf.

Eine Band, die bereits 2008 auf ähnliche Elemente setzte, waren die damals recht unbekannten Australier von MAKE THEM SUFFER.

Gegründet 2008 schlug die damals sechs-köpfige Truppe mit ihrer EP „Lord Of Woe“ in ihrem Heimatland bereits hohe Wellen. So hoch, dass ihr Debut „Neverbloom“ aus 2012 direkt via Roadrunner Records Australia veröffentlicht wurde und auf dem 19. Platz der Western Australian Album Charts landete. Das Debut machte mit seiner interessanten Mischung aus Deathcore-typischen Grooves, Blastbeats, einem kraftvollen Piano und einer markerschütternden Stimme auf sich aufmerksam. Ich stolperte rein zufällig über MAKE THEM SUFFER, als ich mich durch die „suggested Videos“ auf Youtube klickte. Für mich war es etwas ganz Neues und ein „erster Schritt“ in Richtung Black Metal.

Angefixt durch den Sound des Vorgängers, freute ich mich extrem auf das zweite Album „Old Souls“, doch schon die erste Auskopplung „Let Me In“ dämpfte meine Erwartungen. Die depressive Stimmung der Songs verschwand und machte Platz für Groove und Emotionalität. War ich zunächst eher abgeneigt, hatte ich mich irgendwann in „Old Souls“ reingehört und fand gerade an den emotionalen Backing-Tracks und dem Piano gefallen. Keyboarderin Louisa glänzte mit ihrer Stimme und flog sirenen-artig durch die Songs. Heute erscheint MAKE THEM SUFFERs drittes Studioalbum „Worlds Apart“ via Rise Records und die im letzten Jahr veröffentlichte Standalone-Single „Ether“ wies bereits auf einen weiteren Sound-Wechsel hin. Ob mich das neue Album wieder in einen kalten und dunklen Winter mitnimmt oder ob es eher nur ein bisschen Durchzug ist, lest ihr hier.

Der erste Rundlauf durch den 10-Track-Longplayer lässt meinen Wunsch nach einem Black Metal-inspirierten Sound in ein bodenloses Loch fallen. Die gesamte Platte ist wesentlich groove-orientierter und hat einen durchweg positiven Vibe. Backing-Samples und ein sehr atmosphärischer Sound sind maßgebend. Selbst negativ und düster wirkende Songs fallen im Chorus oder in der Bridge wieder in ein optimistisches Klangbild zurück. Ebenfalls fallen die Blastbeats komplett aus dem Konzept raus und auch wirkliche berstende Breakdowns, wie man es von den Vorgängern gewohnt ist, sind eher rar gesät.

Was mich jedoch beim ersten Durchgang eher ernüchtert, entfaltet sich beim genaueren Hinhören. So startet „Worlds Apart“ mit dem Song „First Movement“, der ein unglaublich erhebendes Gefühl wiedergibt. Die neue Dame am Piano, Brooke Nile, glänzt im Chorus sofort mit ihrer Stimme. Die Gitarren verzichten auf ein 08/15-Palm-Muting und liegen vornehmlich mit offenen Akkorden über den eher verspielten Drums. Im Hintergrund hört man das Piano und den Synthesizer, die dem Song ein wenig mehr Fülle geben.

Die darauffolgenden Songs „Uncharted“ und „Grinding Teeth“ führen das Konzept des Vorgängers fort. Offene Gitarren, Piano und Synthies zum Füllen und eine erhebende Grundstimmung. Wo „Uncharted“ jedoch wesentlich rhythmischer und grooviger ist, setzt „Grinding Teeth“ auf eine starke Lead-Gitarre und 16tel Noten auf der Rhythmus-Gitarre in den beiden Strophen. Gegen Ende des Songs dröhnt dann auch ein leichter Breakdown durch die Boxen und Sänger Sean lässt seinem Dämon freien Lauf.

Mit „Vortex“ geht es weiter und dieser Song bricht mit dem positiven Gefühl. Der ganze Sound ist eher böse und aggressiv. Ein böllerndes Double Bass startet den Song ohne Vorwarnung oder Intro. Die Gitarren folgen den Drums und bleiben Simpel, die Synths geben dem Song einen düsteren Unterton. Keyboarderin Brooke singt keinen eigenen Part mehr, sondern unterstützt lediglich mit Background-Gesang.

Auf den düsteren Sound folgt die bereits ausgekoppelte Single „Fireworks“ und wieder ein offener sowie positiver Vibe. Die Gitarren halten wieder an den offenen Akkorden fest und das Piano gibt im Hintergrund wieder eine Melodie hinzu. Das Schlagzeug breitet sich im Song aus und beißt sich nicht fest. Der Breakdown, wenn er denn auch einer ist, fällt eher schwach aus, was aber überhaupt keinen Abbruch ist, sondern eher sogar das Gefühl im Rest des Songs verstärkt.



Nach dem Interlude „Contact“, geht es mit „Power Overwhelming“ weiter, der die grundlegenden Elemente von „Uncharted“ aufgreift. Die Gitarre groovt über den ganzen Song und lädt zum Springen ein. Dazu gibt es kein Piano aber einen Synth, der nur ganz vereinzelnd und total unaufdringlich im Hintergrund agiert. Auch dort geht es ums Füllen bzw. Andicken. Der Song endet fließend mit einem Outro und leitet den nächsten Song „Midnight Round“ ein. Dieser ist wieder eher böse und bedrohlich. Die Drums drücken sich eher langsam aber kraftvoll durch den Song, während die Gitarre Akzent-setzend nebenher groovt.

Der darauffolgende Song „Dead Planes“ setzt mit seinem Intro und seiner ganzen Grundstimmung auf einen düsteren und geheimnisvollen Sound. Rhythmus-Gitarre und Drums gehen Hand in Hand durch den Song, während die Lead-Gitarre mit ihrem Halleffekt Spannung aufbaut. Sänger Sean bricht aus sich heraus und gibt mit seiner Mischung aus Sprechen und Growlen dem Song noch mehr Atmosphäre. Ein wenig deplatziert wirken die hohen Shouts, die sehr an Frankie Palmeri von EMMURE erinnern und dem Ganzen eher schaden als nutzen.

Den Abschluss macht „Save Yourself“, der in meinen Augen mit den meisten Emotionen aufwartet. Das Intro wirkt melancholisch, während Seans Parts eine Art Verzweiflung wiederspiegeln. Die Gitarre verzichtet auch hier auf die typischen „Chuggs“ und bleibt offen und breit. Das Schlagzeug nimmt sich zurück aber wird nicht stumpf oder zu simpel. Der Chorus bekommt durch Keyboarderin Brooke mit ihrem Gesang und der Melodie auf dem Piano zusätzlich eine Menge Gefühl und Authentizität. Der Höhepunkt kommt gegen Ende, als Sänger Sean in einen Spoken-Word-Part driftet und einen absolut ehrlichen Monolog abhält.



Produktionstechnisch überzeugt „Worlds Apart“ mit einem sehr ausgewogenen Sound, den ich in diesem Genre nur selten gehört habe. Ein breites Panorama, offene Sounds und viel Raum für Entfaltung. Die Gitarren zeigen gerade in den Breaks und Grooves viel Kraft und sind teilweise vielleicht etwas zu mächtig, wo hingegen die Lead-Gitarre aber in manchen Songs an Präsenz verliert. Bei den Drums böllert die Bassdrum manchmal sogar zu sehr und könnte ein wenig leiser sein. Die Snare setzt sich durch, könnte für meinen Geschmack aber ein wenig mehr Attack haben. Den Becken fehlt es hingegen ein wenig an Charakter. Das Piano ist deutlich und setzt sich sehr gut gegen die eher „lauten“ Instrumente durch. Der Synthesizer ist sehr dezent und drängt sich nirgendwo auf, eher verteilt er sich über das restliche Instrumentale und vervollständigt gerade erst beim genauen Hinhören den Gesamtsound. Die Shouts sind weniger kreischend, was dem neuen Sound sehr entgegenkommt. Bei dem unterstützenden Clean-Gesang bewährt sich Sängerin Brooke und bringt im Vergleich zu den Vorgängerinnen eine neue Nuance hinzu. Ein wenig störend ist die häufige Dopplung der Gesänge in Kombination mit den Halleffekten, die der Stimme teilweise die Definition nehmen.

Fazit:

MAKE THEM SUFFER markieren einen weiteren Schritt in ihrer musikalischen Entwicklung nach vorne. „Worlds Apart“ setzt ein Zeichen und zeigt, wie viel noch aus einem Genre herauszuholen ist, ohne die eigene Identität komplett über Bord zu werfen. Das Album entfaltet sich erst nach ein paar Durchläufen, ohne mit großen Experimenten abzuschrecken. Hörbarkeit sind genauso gegeben, wie ein Gefühl von Ausprobieren und Neuerungen, sowohl beim Songwriting als auch bei der Produktion. Auch wenn hier und da eine unverständliche Entscheidung beim Songwriting getroffen wurde, dem Hörer wird viel geboten, aber auch nur, wenn er sich darauf einlässt. Seit „Neverbloom“ ist hier viel passiert, wer aber die Reise mit der Band gegangen ist, findet auf „Worlds Apart“ ein aufregendes und sehr lebendiges Metalcore-Album, welches viel mehr als nur Breakdowns über Breakdowns ist.

Wertung: 8/10

Band: Make Them Suffer
Album: Worlds Apart
Genre: Metal/Deathcore
Songs: 10

Kommentare

Cookie-Einstellung

Wir verwenden Cookies, um dir die bestmögliche Funktionalität zu bieten. Bitte triff eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen deiner Auswahl findest du unter Hilfe.

Triff eine Auswahl um fortzufahren

Deine Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, musst du eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhältst du eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Du kannst deine Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutzerklärung. Impressum

Zurück