Kritik: LINKIN PARK – „One More Light“

Als LINKIN PARK Mitte Februar mit „Heavy“ die erste Single ihres am morgigen Freitag erscheinenden Albums „One More Light“ veröffentlichten war die Empörung groß, denn die Jungs aus Los Angeles präsentierten sich nach einem durchweg rockigen Sound auf „The Hunting Party“ nun mit einem wahrlichen Pop-Feuerwerk. Zusammen mit Sängerin KIIARA hörte sich das Ganze weder „heavy“, noch nach LINKIN PARK an. Ok, die Band um Fronter Chester hat in ihrer Karriere eigentlich schon immer ihr Ding durchgezogen und stetig ihren Sound verändert, doch dieses Mal erscheint der Sound-Wechsel den Fans schon sehr brachial. Ob die Jungs aus den Staaten die Pop-Attitude auf der ganzen Scheibe hochhalten und sich komplett von ihrem Sound der Vergangenheit verabschieden, erfahrt ihr in den kommenden Zeilen.

Ich muss zugeben, dass auch ich von der Sound-Veränderung der Jungs sehr überrascht war. Natürlich ändern Bands diesen im Laufe ihrer Karriere, viele auch radikal, aber am Ende gilt es, die Musik auf ihre Qualität, auf ihr Songwriting und ihren Mitsingfaktor zu überprüfen. Bestes Beispiel in Sachen Sound-Veränderung in der nahen Vergangenheit sind für mich BRING ME THE HORIZON. Die Band um Oli Sykes hat sich mit „That’s The Spirit“ völlig neu erfunden, aber dabei immerhin noch richtig starke Songs geschrieben. Natürlich hatten diese mit den vorherigen Auskopplungen der Band mal so gar nichts mehr gemein, aber immerhin funktionieren die Songs. Bei „Heavy“ von LINKIN PARK fiel es mir schon schwer, die 2:49 min. ohne mehrere Aufreger durchzuhalten. Ok, der Song bleibt zwar im Kopf hängen, aber erreicht mich sonst überhaupt nicht. Hätte ich damals gewusst, dass die folgenden Auskopplungen noch weniger meinen Geschmack treffen würden, hätte ich diese wohl möglich gar nicht mehr angeklickt. Aber jetzt erstmal der Reihe nach!

One More Light“ startet mit „Nobody Can Save Me“ und einer verzerrten Kiddie-Stimme, wie man sie aus so mancher AKON-Produktion kennt. Wenn ihr den Song hört, wisst ihr sicher sofort was ich meine. Auf jeden Fall denke ich keinesfalls mehr an LINKIN PARK, sondern an irgendeine amerikanische Rap-Pop-Geschichte, die sich da in meinem Gehörgang windet. Die Strophen bestechen durch einen einfachen Beat mit Chester im ultimativen Clean-Modus. Ein ruhiger Song, der schon sehr balladenartig daherkommt und mich vor allem im Refrain nicht überzeugen kann. Kein besonderer Wiedererkennungswert, schon fast langweilig. Es folgt „Good Goodbye“ bei denen sich die Jungs Unterstützung von Pusha T und Stormzy geholt haben. Das Ding flattert bereits seit Mitte April durch die Radiosender und kann mich immerhin mit den Rap-Strophen und einem eingängigeren Refrain einigermaßen überzeugen.

Es schließt  sich mit „Talking To Myself“ ein Track an, der ebenfalls wie Song Nr. 1 der Platte, mit einem hohen Grad an Belanglosigkeit daherkommt. Ein einfacher Beat in den Background gepackt, unspektakuläre Drums und ein Clean-Gesang von Chester, der mir schon jetzt langsam auf den Keks geht. Immerhin wird der Song von Orgel-Sounds aufgewertet und Chester schafft es zwischendurch immer wieder seine gesanglichen Fähigkeiten besser in den Vordergrund zu rücken. Ich weiß nicht warum, aber im Chorus muss ich irgendwie an MANDO DIAO denken. Das liegt wohl daran, dass der Song dann doch etwas mehr nach vorne geht und immerhin Gitarren enthält. Für mich ein kleiner Lichtblick auf der Platte! Es folgt mit „Battle Symphony“ ein Song, den ihr ebenfalls bereits kennt. Was soll man dazu sagen? Ein Song, der mich nach „Heavy“ noch mehr enttäuscht hat, weil er mich einfach noch weniger erreicht. Ich kann einfach nichts mit diesem Gedudel anfangen und das vor allem aus dem Grund, weil diese Band aus sechs (!) Musikern besteht. Wo sind die? Ich frage mich echt, was die Jungs auf der Bühne noch machen wollen. Aber gut, das werden wir ja bald erleben.

„Invisible“ schließt sich dann passend an seine Vorgänger an, indem er durch unfassbare Einfachheit besticht. Ok, Pop-Musik und auch so mancher Core oder Metal-Song sind einfach gehalten, vorausschauend und haben nicht viel besonderes an sich, aber hier wirkt für mich gerade der Refrain, mit gefühlt tausendfacher Wiederholung eines einfachen Wortes, schon fast wie blanker Hohn. Das kann für mich kein Anspruch einer Band sein, die das meistverkaufte Album dieses Jahrhunderts in den USA geschrieben hat. Einfach unglaublich! Immerhin kann ich aber mehr mit dem Gesang anfangen, denn Mike übernimmt hier mal das Mikrofon. Zu „Heavy“ hatte ich euch ja bereits meine Eindrücke mitgeteilt, also darf es mit Track Nummer Sieben und „Sorry For Now“ weitergehen. Hier gefällt mir der Gesang dann endlich mal wieder etwas besser (es ist auch wieder Mike am Mirko), aber trotzdem kickt mich auch hier nichts. Die Bridge sticht zwar mit Sprechgesang heraus, aber sonst verlieren sich die Jungs auch hier quasi in der Belanglosigkeit. Da gibt es wirklich bessere Tracks auf dem Album! Achja, die „Kiddie-Akon-Stimme“ verfolgt uns auch hier wieder, wie schön.

Es geht weiter mit „Halfway Right“ und einem für mich immer schwerer zu ertragenden Chester. Der Typ kann doch eigentlich ganz gut singen, zeigt das aber kaum. Währenddessen verliert er sich in „Nanana-Parts“ und grundlegend gefällt mir seine Stimmfarbe in rockigeren Gefilden viel besser. Viel zu sehr im Vordergrund, übertriebene Artikulation…das brauch ich irgendwie nicht. Das Album endet mit „One More Light“ und „Sharp Edges“. Ersterer präsentiert sich als feine Ballade, die mich schon was mehr erreicht, als so manch anderer Track der Platte. Im Endeffekt auch nicht wirklich was besonderes, aber der Song funktioniert immerhin in seinem Genre. Wer jetzt gedacht hat, ich könnte zum letzten Song wieder fast nur negatives schreiben, den muss ich enttäuschen. Das Teil sticht wenigstens mal richtig heraus! Ein richtiger Sommer-Track, der mit ganz coolen Gesangspassagen daherkommt, durch sein Gitarrenspiel einen quasi an den Strand beamt und schon richtigen Folk-Pop-Charakter hat.

Fazit:
Das war eine schwere Geburt! Das Album lief jetzt ein paar Mal bei mir rauf und runter, erreichen kann es mich jedoch nur zwischendurch. LINKIN PARK schlagen mit „One More Light“ eine musikalische Richtung ein, die wohl keiner von uns für möglich gehalten hat. Ganz viel Einfachheit, ganz viel Pop, kaum Highlights! Das beschreibt die Platte wohl ganz gut. Ok, ich akzeptiere den Sound-Wechsel der Jungs, aber bitte macht dann wenigstens noch authentische Musik. Das musikalische Können, für das die Herrschaften schon so oft in den Himmel gelobt worden sind, ist auf „One More Light“ kaum noch zu erkennen. Vergesst die Genre-Bezeichnungen von Rock, Alternative bis zu Nu Metal, LINKIN PARK sind im Elektro Pop angekommen. In diesem Sub-Genre können sie zwar gute Akzente setzen und deswegen gibt es in meiner Wertung auch noch ein paar Pünktchen, aber alle Metal-Fans unter euch werden bei der Scheibe die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Wollen wir hoffen, dass dieses Album eine Momentaufnahme bleibt, vielleicht auch einfach ein Ausrutscher, den die Jungs in ihrer Laufbahn hinlegen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Wertung: 04/10

Band: Linkin Park
Albumtitel: One More Light
Songs: 10
Genre: Elektro Pop/Rock



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