Kadinja Super 90

Kritik: Kadinja kommen mit „Super 90′“ leider einen ganzen Tick zu spät

Was hat uns Frankreich schon für grandiose Bands gebracht! Betraying The Martyrs, Gojira, Alcest, As They Burn, Hypno5e oder etwa Gorod. Die Liste ist lang und hat viele Namen, die sich wahrscheinlich auch in euren Playlists wieder finden. Kadinja ist ebenfalls ein Beweis dafür, wie gut französischer Metal doch funktioniert. Nach dem Release ihres Debütalbums „Ascendancy“ im Jahr 2017 haben sie einen Deal mit Arising Empire unterschrieben und bereits jetzt ihr neues Werk „Super 90‘“ veröffentlicht. Zuletzt waren Kadinja mit Monuments und VOLA auf Europatour. Ein sehr stimmiges Line-up, was sich auch in Betrachtung des neuen Albums widerspiegelt.

Kadinja legen auf „Super 90′“ direkt „djentig“ los

Wie der Hase läuft, wird auf „Super 90‘“ ziemlich schnell ersichtlich. Mit „Empire“ machen Kadinja eigentlich auch schon klar, was es hier auf „Super 90“ zu hören gibt. Hint, es ist kein 90er-Jahre-Abklatsch, sondern djentiger Progressive Metal. „Empire“ fungierte auch als Single für das Album und zeichnet sich insbesondere durch den sehr lebendigen Drive und die innere Diversität aus. So ist der Song verdammt eingängig, was durch die gut platzierten Clean Vocals suggeriert wird, aber auch verdammt groovy zugleich. Allein das Intro-Riff hätten Monuments nicht besser schreiben können. Doch ist es genau dieser Punkt, der den Rezipienten an „Empire“ stören könnte. Denn wirklich eigen klingen Kadinja nur bedingt. Viel zu sehr fühlt man sich an Monuments erinnert, auch wenn das Timbre des Kadinja Sängers für eine gewisse Eigenständigkeit sorgt.

Ich bin mir sicher, dass Kadinja riesig geworden wären, wenn sie diesen Track fünf Jahre früher veröffentlicht hätten. Da Djent mittlerweile auf einem absteigenden Ast ist, ist abzuwarten, inwiefern diese Art der Musik noch an Beliebtheit gewinnen kann. Nichtsdestotrotz bieten Kadinja hier ein Paradebeispiel für einen Song, wie er sein sollte und kann definitiv mit Namen wie Periphery, Monuments oder TesseracT mithalten. Hut ab, auch für die fette Produktion. „From The Inside“ hat einen dieser fiesen Breaks, die es auf „Super 90“ en masse zu bestaunen gibt, fällt aber darüber hinaus eher mit seiner Geradlinigkeit und einem groß produzierten Chorus auf, während Riffs in den Hintergrund gedrängt werden.

Chuggs, auch das können die Franzosen, wie sie auch bei „The Modern Rage“ unter Beweis stellen und hier Respekt den Schweden von Meshuggah zollen, sich aber nicht in rhythmischen Verkettungen verlieren, sondern eine gewisse Straightness beibehalten. Atmosphärische Patterns separieren den strukturellen Aufbau, der mal wieder in einem sehr melodie-betonten Chorus endet, um in einem weiteren Break ausgeführt zu werden. Dabei meistern Kadinja es, ihren Drive stets aufrecht zu erhalten und den Rezipienten somit zum Kopfnicken zu animieren.

„Véronique“ hingegen beginnt in schnellem Tempo und wirkt ziemlich überspitzt im Vergleich zu den bisherigen Songs von „Super 90‘“ und macht es eher schwierig, diesem Track vieles abzugewinnen. Dagegen wirkt ein Song wie „Icon“ fast schon angenehm langsam. „Icon“ ist ein ruhigeres Lied, das eine angenehme Abwechslung mit sich bringt und mit seiner ätherischen Atmosphäre stark an TesseracT erinnert. Das sehr balladeske Lied ist überraschend einfach strukturiert und überzeugt mit groovigen Instrumental-Parts, die sich zwischen den sehr in Ambiente getränkten Vocals herausarbeiten.

Technisch versierte Spielereien

„The Right Escape“ hat wohl einen der aufregendsten Grooves des Albums und sticht insbesondere durch Monuments-eske Deadnotes heraus. Diese Deadnotes sind es auch, die den Groove ermöglichen. Wie John Browne (Gitarrist von Monuments) mir einmal erklärte, ist es dasselbe Prinzip, das auch die Songs von Michael Jackson so verdammt groovy macht. Man nimmt rhythmische Gewichtungen und füllt diese mit den Deadnotes aus, sodass diese Voller erscheinen und dadurch verdammt viel Groove gewinnen. An genau diesem Prinzip bedienen sich auch Kadinja, wenn auch etwas zu oft, weshalb die Originalität hinter den Breaks etwas unter den Tisch fällt.

Mit „Episteme“ liefern Kadinja auch ein akustisches Stück ab, das allerdings viel schlechter produziert wirkt, als die anderen Songs auf „Super 90“. Irgendwie fehlt es diesem Song auch an Fundament, von der Deplatzierung mitten im Album mal abgesehen. Jegliche Kohärenz zu den vorherigen Songs fehlt und insgesamt wäre „Episteme“ als Bonus-Track wohl besser aufgehoben worden. Abgesehen von der Ausführung ist „Episteme“ eigentlich ein Track auf „Ascendancy“ und lässt so jegliche Kohärenz missen. Zumindest ergibt sich mir nicht, warum ein solcher Track in „unverstärkter“ Ausführung inmitten eines neuen Albums landet. So wirkt es unnötig erzwungen, oder gar so, als hätten Kadinja nicht genug Tracks gehabt um der Bezeichnung „Full-Length“ gerecht zu werden, aber diese vier Minuten hätte man sich besser sparen können.

Ich möchte Kadinja keinerlei Skill oder technisches, sowie kompositorisches Mächtnis absprechen. Doch innovativ oder gar progressiv ist „Super 90‘“ nur auf konnotativer Ebene. Ich bin mir sicher, dass „Super 90“ ein Klassiker hätte werden können, wenn das Album etwa vor 10 Jahren erschienen wäre. Aber das eben ist das Problem, das „Super 90“ aufweist. Kadinja bedienen sich der Techniken und Spielweisen, die Bands wie Vildhjarta, Monuments, TesseracT oder Periphery in den letzten Jahren perfektioniert haben. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass sich diese Bands vermehrt von diesem Sound entfernt haben und ihrer Musik eine gewisse Reife verpassten, die dem Werk von Kadinja auf den ersten Blick fehlt.

„Super 90‘“ wirkt teilweise gezwungen „djenty” und rennt einem Trend hinterher, der einfach nicht mehr existiert. Djent hat sich in den letzten Jahren zu einem gewissen Unwort entwickelt, weshalb ich die Musik von Kadinja lieber als Progressive Metal betitele, auch, weil sie eine Wertigkeit hat, die ein gutes Stück über dem Durchschnitt liegt. Deshalb möchte ich nicht, dass diese Kritik als negativ aufgefasst wird, doch manchmal ist es besser seinen eigenen Weg zu gehen. Wenn dieser mit „Super 90“ seinen Grundstein findet, bin ich sehr gespannt, was Kadinja in Zukunft von sich hören lassen. Für den Moment liefern die Franzosen einen Hybriden der „Djent-Masterclass“ der letzten zehn Jahre und überzeugen mit gut strukturierten, ausgeklügelten Songs, die insbesondere durch grandioses Gitarrenriffing und schmetternde Breaks eine Menge Hörspaß mit sich bringen.

Für Leute, die Djent oder Progressive Metal nicht mögen, wird auch diese Platte genau gleich dem klingen, was sie bisher schon kennen. Kein Wunder also, dass Kadinja zum Stamm-Repertoire des Euroblast Festivals gehören, bei dem ich sie aber 2019 hoffentlich nicht schon wieder sehe. Einzig der gut platzierte Gesang ist ein Alleinstellungsmerkmal auf einem Album, das ich mir vor 5-7 Jahren gewünscht hätte.

Wertung: 7/10

Band: Kadinja
Album: Super 90′
Veröffentlichung: 18.01.2019

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