Crystal Lake Helix

Kritik: Crystal Lake legen sich mit „Helix“ auf kein Genre fest

17 Jahre nach ihrer Gründung veröffentlichen die Japaner von Crystal Lake am 15. Februar mit „Helix“ bereits ihr sechstes Album. Damit haben sie den Newcomer-Status zwar schon lange hinter sich gelassen – dennoch gehört die Truppe um Frontmann Ryo Kinoshita in der Szene zu den derzeit wohl angesagtesten Exportschlagern aus dem Land der aufgehenden Sonne. Zuletzt vergrößerte sich der Hype um die Band durch die Vorabveröffentlichung einiger Singles noch weiter. Insbesondere „Aeon“ schürte bei vielen Fans die Hoffnung auf eine LP, welche jeden Hörer auf eine brachiale Achterbahnfahrt mitnimmt.

„Helix“ bietet einen hervorragenden Auftakt

Wer die neue Scheibe anhört, stellt bereits nach wenigen Liedern fest, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen wird. Natürlich gesellen sich zum absolut erhabenen Opener „Aeon“, mit dem das Album kaum mitreißender beginnen könnte, Tracks wie „Agony“, die mehrschichtige Vocals sowie einen einprägsamen Refrain mit würzigem Metalcore-Sound vermischen; „Lost In Forever“, das sich aus markanten Gitarrenriffs, harten Breakdowns und groovigen Riffs zusammensetzt, dank des Features mit Gideon aber einen weniger generischen Eindruck hinterlässt, als man nach dieser Beschreibung erwarten würde; sowie „Hail To The Fire“, dem klaren Highlight und kompromisslosesten Song auf der zweiten Hälfte des Albums.

„The Circle“ wurde im letzten Jahr als Single veröffentlicht, schafft es aber leider nicht in die letztendliche Songauswahl des Albums

Crystal Lake bedienen sich erneut verschiedener Stile und Genres

Dem gegenüber steht in kontinuierlicher Abwechslung jede Menge hymnischer Rap-Metal – sei es im poppigen Crossover-Track „+81‘“, dem sanftmütigen „Devilcry“ oder der Nu-Metal-Rap-Ballade „Outgrow“. Wer glaubt, das Genre-Hin-und-Her schwindelfrei ertragen zu können, darf sich auf „Just Confusing“ gefasst machen, der von EDM- und Techno-Beats sowie Trap-Vocals durchzogen ist, aufgrund seiner Unbeständigkeit aber wie ein langgezogenes Interlude wirkt. Zum Finale gelangt die Platte schließlich durch „Sanctuary“, das mit Sing-Alongs, sphärischen Samples und gefühlt schon mehrfach gehörten Riffs leider kaum neue Akzente setzen kann.

Fazit:

So kommt es, dass Crystal Lake mit ihrer gut 40 Minuten langen Scheibe erneut viel Talent aufblitzen lassen und einige ihrer Fans durch Experimentierfreudigkeit und sogar einen gewissen Zeitgeist überzeugen werden. Mich lässt „Helix“ aber mit dem Wunsch nach mehr Kontinuität, Spannkraft, Flow und Eigenwahrnehmung zurück. Zwar sind die Jungs noch nicht in einem Genre-Potpourri wie bei Fear, and Loathing in Las Vegas oder Crossfaith angekommen. Ein Album, in dem sich ein bis zwei Stile durchsetzen und entfalten dürfen und das einzige Alleinstellungsmerkmal nicht die Anzahl verschiedener Genres ist, derer sie sich bedient haben, hätte Crystal Lake aber noch besser gestanden.

Wertung: 6,5/10

Band: Crystal Lake
Album: Helix
Veröffentlichung: 15.02.2019

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