Kritik: CREEPER – „Eternity, In Your Arms“

Dunkle Leder- und Jeansjacken, leerer Blick, schwarzer Kajal und Nagellack. Hier findet nicht etwa die Wiedergeburt von irgendeinem „Emo-Trend“ statt. Viel besser! CREEPER hauen (endlich) ihren ersten Longplayer raus! Ich habe die sechsköpfige, kicker-süchtige Truppe von der britischen Insel bereits ein paar Mal als Vorband diverser Punk- und Rock-Bands erleben und kennenlernen dürfen. Sowohl live als auch auf Platte, fand ich die früheren EPs schon „catchy“ und war für meinen sonstigen Musikgeschmack nochmal was anderes. Umso mehr freut es mich, dass sie nun endlich ihr erstes Album veröffentlichen!

Bei der Bandgeschichte könnte der eine oder andere Musiker etwas neidisch werden. Gerade mal knapp drei Jahre ist es her, dass sie sich in Southampton, England, zusammengetan haben. In diesem Zeitraum haben sie drei EPs veröffentlicht, waren Supportact für u.a. NECK DEEP, PIERCE THE VEIL, TIGER ARMY in den USA und gewannen Preise wie den Kerrang! Award als „Best British Newcomer“ und den Metal Hammer Golden Gods Award als „Best New Band“. Ihr jetziger Release „Eternity, In Your Arms“ wird ihnen mit Sicherheit weitere Nominierungen sichern und Türen in der Musikwelt öffnen, da bin ich optimistisch. Aber eins nach dem anderen!

Ein bisschen was kennen wir ja schon von der Platte: Mit „Black Rain“ steigen wir in das Album ein. Der energiegeladene Opener präsentiert direkt einmal, wofür CREEPER geliebt werden: Horrorpunk vom Feinsten mit einem ganz eigenen Sound. Wills‘ Gesang ist leidend, fast schon auf eine ironische Art und Weise, die Instrumente sind eingehend und Keyboarderin Hannah zeigt, dass ihre Stimmgewalt für mehr als nur den Backgroundgesang ausreicht. Auch “Hiding With The Boys” und “Suzanne” sind uns bereits bekannte Singles, die schon bei ihrer Veröffentlichung viel Anklang gefunden haben.

Persönlich hat es mich im ersten Moment positiv überrascht, dass auch “Misery” einen Platz auf dem Album gefunden hat. Der Track ist ja schon fast ein Klassiker und Aushängeschild für CREEPER. Finde ich super, dass sie ihm seinen berechtigten Platz auf der ersten LP gegeben haben. Ein Highlight auf dem Album ist auf jeden Fall “Crickets”. Eine Ballade, deren Sound etwas völlig neues für CREEPER ist. Ganz ohne Drums und Verstärker, ausschließlich von Hannah gesungen und nur von einer Akustikgitarre begleitet, bekommt man hier die Melancholie einer verlorenen Liebe voll und ganz zu spüren. Die Lyrics gehen mir mitten ins Herz, dazu noch Hannahs kraftvolle Stimme, bereitet mir Gänsehaut pur. Auch “Winona Forever” ist einer meiner Favoriten auf dem Album. Ich liebe es, wie ironisch sie das Thema einer Hassliebe behandeln und in einem Song verpacken. Ob es etwas mit dem Tattoo von Johnny Depp auf sich hat, weiß ich nicht, könnte aber passen.

Im Gegensatz dazu gefällt mir “Room 309” so gut wie gar nicht. Nicht, dass er untypisch für CREEPER wäre, ganz im Gegenteil. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben, warum gerade dieses Lied mich so negativ stimmt, vielleicht ist es mir zu “schrammelig” und wirkt mir etwas zu unmelodisch. Aber gut, es kann einen ja auch nicht immer alles zu 100% überzeugen.

Mit “I Choose To Live” präsentieren CREEPER nochmal eine rockige Ballade und ihr Debutalbum „Eternity, In Your Arms“ findet einen ruhigen Ausklang.

Fazit:
Das Album ist geprägt von viel Herzschmerz, untermalt mit flotten Riffs und punkigen Drumbeats in Hülle und Fülle. Es hat alles. Drama, Dunkelheit und packende Singalongs. CREEPER haben sich ihre eigene kleine Welt geschaffen. Von ihren konzeptionell durchgeplanten Videos, bis hin zu ihrer eigenen Gang-Identität “The Callous Hearts”, die mysteriöse Aura, die sie umgibt, tragen alle dazu bei, dass sie weitaus mehr sind, als nur irgendeine Band mit ein paar Songs.

Band: Creeper
Albumtitel: Eternity, In Your Arms
Songs: 11
Genre: Horror-Punk / Hardcore-Punk
Bewertung: 9/10

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